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Oberbürgermeister Peter Feldmann (rechts) und ABG-Chef Frank Junker schippten gestern für die Fotografen Sand.

Bauprojekt in Frankfurt

Das Nieder Loch soll sich füllen - Spatenstich für 75 Mietwohnungen

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Der erste Bauabschnitt im „Nieder Loch“ kostet 22 Millionen Euro und soll bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Gestern wurde der erste Spatenstich für die 75 Mietwohnungen gesetzt.

Seit Monaten wird schon gebaggert im „Nieder Loch“, der seit der Nachkriegszeit brachliegenden Senke am Bogen der Straßenbahngleise von der Wendeschleife in Richtung Höchst. Mit Verspätung haben Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Frank Junker, der Chef der Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding, gestern den symbolischen ersten Spatenstich gesetzt. Mit Verspätung deshalb, weil das Denkmalamt noch gräbt: In der Baugrube wurden nicht nur, wie für Nied üblich, Unmengen römischer Tonziegel gefunden, sondern offenbar auch eine Art Falschmünzer-Werkstatt aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert, als die Macht der Römer im heutigen Rhein-Main-Gebiet schon bröckelte. Bekannt ist, dass die Römer viele umliegende Siedlungen bis hinauf nach Nida und Bona Mansio (Bonames) von Nied aus über die Nidda mit Ziegeln versorgten; ein besonderer Brennofen wurde vor ein paar Jahren beim Bau des Kindergartens Am Rosenberg gefunden (wir berichteten).

Vier Stockwerke hoch

Insgesamt sollen im „Nieder Loch“ 131 Wohnungen für 55 Millionen Euro entstehen, 75 davon im ersten Bauabschnitt zwischen dem Kinderzentrum an der Wörthspitze und der Einmündung der Stichgärtenstraße.

Dieser erste Bauabschnitt soll 22 Millionen Euro kosten und bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Die Fläche ist etwa 5000 Quadratmeter groß. Die dort entstehenden Passivhauswohnungen haben Grundrisse von zwei bis fünf Zimmern; zur Mainzer Landstraße hin haben die Gebäude vier Stockwerke, in Teilbereichen auch ein weiteres Staffelgeschoss. Der 142 Meter lange Baukörper der Architekten Kristin Dirschl und Mathias Federle wird mit drei Einschnitten, die über eine Breite von acht Metern nur eingeschossig bebaut sind, optisch gegliedert. Um die bestehenden Häuser an der Straße Alt-Nied nicht zu verschatten, werden die Gebäude im rückwärtigen Teil nur drei Stockwerke haben.

170 Tiefgaragenplätze

Das hakenförmige Areal umschließt zwei begrünte Innenhöfe mit Kinderspielplätzen, die von der Mainzer wie auch von einem rückwärtigen Weg zu Fuß und mit dem Rad erreicht werden können. Bei der Planung, so heißt es, hätten sich die Architekten von der historisch kleinteiligen Baustruktur in Alt-Nied mit ihren sogenannten „Haken-Höfen“ leiten lassen. Die neue Anbindung von der Mainzer ist bereits fertig; die Wohnungen sollen keinen zusätzlichen Verkehr nach Alt-Nied bringen; die Innenhöfe und Wege bleiben komplett autofrei. Zum ersten Bauabschnitt gehören 80 Stellplätze in einer nur über die Mainzer zu erreichenden Tiefgarage, die sich zusammen mit den Tiefgaragen-Stellplätzen des zweiten Bauabschnitts auf 170 summieren – für alle insgesamt 131 Wohnungen. Für den zweiten Bauabschnitt, der sich über die heutige Straßenbahnwendeschleife bis zum „Nieder Tor“ erstreckt, gibt es allerdings noch kein Baurecht; zuvor sind Gleisumbauarbeiten nötig. ABG-Chef Frank Junker hofft, „in der Jahresmitte 2019“ mit dem zweiten Abschnitt beginnen zu können, der die Gesamtinvestition auf 55 Millionen Euro steigert.

Die Stichgärtenstraße, die das Neubau-Areal durchqueren soll, wird als Fuß- und Radweg ausgebaut und soll die Nieder leichter an den Main bringen, wofür eine neue Ampel auf der Mainzer Landstraße installiert wird, um den Übergang zu erleichtern. Auf die Wendeschleife kommt auch ein rund 2000 Quadratmeter großer Supermarkt; es werde, so Junker, noch mit mehreren Betreibern verhandelt. Es stehe also noch nicht fest, ob Rewe seinen bisherigen Standort aufgeben und auf die andere Straßenseite wechseln oder es aber Konkurrenz geben wird.

Info: Parkverbote wegen Bauarbeiten nerven die Anwohner

Die Nieder stöhnen nicht nur unter den vielen Baustellen – unter anderem ist seit Monaten die Straße Alt-Nied gesperrt –, sondern vor allem unter dem dadurch verursachten Parkdruck. Derzeit werden in Alt-Nied, wo ein Einfamilienhaus von 1922 mit Werkstatt und ein Bauernhof waren, 38 Wohnungen gebaut – mit nur 30 Parkplätzen. In der Oeserstraße vor der S-Bahn-Unterführung werden 36 Wohnungen gebaut – mit 15 Parkplätzen.

Wegen der Bauarbeiten sind in vielen Straßen Halteverbote eingerichtet, über die sich vor allem Anwohner ärgern, weil es keinen Ausgleich gibt. In der Beunestraße etwa sind gerade neue Schilder aufgestellt worden – Halteverbot bis 2. Februar 2019. Seit dieser Woche ist auch in der Spielmannstraße ein großräumiges Halteverbot in Kraft. Ausgewichen wird zum Teil in die Siedlungen auf der anderen Seite der Mainzer Landstraße. hv

 

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