Dicht stehen die Häuser in der Philip-Schnell-Straße, in der die Anwohner nicht noch mehr Verkehr wollen.
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Dicht stehen die Häuser in der Philip-Schnell-Straße, in der die Anwohner nicht noch mehr Verkehr wollen.

Verkehr in Harheim

„Im Niederfeld“ contra „Philipp-Schnell-Straße“

  • vonDieter Deul
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Per Unterschriftensammlung fordern Anwohner der Straße Im Niederfeld, zwei Straßen zum Harheimer Ortskern hin zu sperren. Anwohner der Philipp-Schnell-Straße sammelten ebenfalls Unterschriften – mit genau dem gegenteiligen Ziel.

Unterschriften sammeln, um sich politisch einzumischen, machen viele Bürger. In Harheim haben sie das nun getoppt – und den Stadtteilpolitikern des Ortsbeirats gleich zwei im Ziel genau gegensätzliche Listen mit Unterschriften vorgelegt. Dabei geht es um die Verkehrsberuhigung zwischen altem und neuem Ortsteil: Die erst vor kurzem gegründete Interessengemeinschaft Harheim (IG) übergab 100 Unterschriften mit der Forderung, mit Pollern die Straßen zwischen dem Neubaugebiet Harheim-Süd und dem restlichen Stadtteil zu sperren. Um das zu verhindern, sammelten Anwohner der Philipp-Schnell-Straße ebenfalls Unterschriften und übergaben sie den Politikern.

Die Anwohner des Neubaugebiets Harheim-Süd, durch das sich die Straße Im Niederfeld zieht, fordern vom Ortsbeirat, sich an den Bebauungsplan für Harheim-Süd zu halten. Dort werde vorgeschrieben, die Haintalstraße und den Auweg mit Pollern abzusperren, argumentieren sie. Die Straße Im Niederfeld dürfe keine Durchgangsstraße werden, die Poller sollen den Verkehr abhalten – vor allem für die Sicherheit der hier lebenden Kinder.

Verkehr umlenken

Der zusätzliche Verkehr, der durch das geplante Baugebiet Südlich Urnbergweg entsteht, solle durch die Spitzenstraße und die Philipp-Schnell-Straße geleitet werden. Außerdem verlangt die IG zusätzlichen Lärmschutz angesichts des bevorstehenden S-Bahn-Ausbaus im Niddatal. Schon jetzt, so der Vorsitzende der IG, Tobias Jaenicke, würden die zulässigen Lärmgrenzwerte im Neubaugebiet deutlich überschritten.

Für die Anwohner der Philipp-Schnell-Straße überreichte Klaus Schöneck dem Ortsbeirat eine weitere Liste mit 14 Unterschriften, um die jetzige Situation – also ohne Poller – zu behalten. Er habe nur spontan und eine Stunde lang Unterschriften gesammelt. „Würde ich mir mehr Zeit nehmen, würde ich ein Vielfaches davon zusammen- bekommen“, ist er überzeugt.

Kritik an Neubürgern

Schöneck übt heftige Kritik an den Neubürgern in Harheim-Süd. Er wohne schon seit 35 Jahren in der Philipp-Schnell-Straße, in die nun der Verkehr verlagert werden solle. „Wenn man in einen Ort zieht und einen Verein gründet für die Allgemeinheit, sollte man die einheimischen Leute vorher informieren“, ärgert er sich. Deswegen habe er spontan Unterschriften gesammelt und „wenn’s sein muss, mache ich weiter“.

Auch an der Philipp-Schnell-Straße lebten Kleinkinder und viele ältere Menschen, erklärt Schöneck, „aber denen kann man ja durchaus Verkehrszunahme und Mehrbelastung zumuten“, sagt er ironisch in Richtung IG Harheim. Die von der IG geforderten Poller seien nicht mehr nötig, denn sie sollten lediglich den Lkw-Verkehr des Bauunternehmens Weiler stoppen. Das jedoch verlasse bis Ende März Harheim und ziehe nach Offenbach.

Die Philipp-Schnell-Straße sei schmal. Anders hingegen die Straße Im Niederfeld, die mit den städtischen Plänen für den Endausbau bestens versorgt sei mit Parkbuchten, Bäumen und farbigen Kreuzungsbereichen. Und sowieso gelte in ganz Harheim Tempo 30. „Die Verteilung des Verkehrs auf eine weitere Straße wäre sinnvoll“, heißt es in der Unterschriftenliste: „So etwas nennen wir in Harheim Kompromiss und Gemeinsinn, denn welche andere Straße im Ort wurde bisher nur annähernd so verkehrsberuhigt ausgestattet?“

(dd)

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