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Muss ein feines Ohr haben: Der Orgelbauer Josef Sondermann der Firma Karl Schuke Berlin stimmt die Orgel der Mutter vom Guten Rat. foto: faust

Orgel-Reparatur

Niederrad: Die Königin ist wieder bei Stimme

  • vonGernot Gottwals
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4000 Pfeifen musste der Orgelbauer stimmen und reinigen. Dem Organisten geht ein neues Licht auf.

Niederrad – Beim Blick auf und in die Orgel der Kirche Mutter vom Guten Rat ist Orgelbauer Josef Sondermann voller Bewunderung: "Ein so großes Instrument, das sich mit drei Manualen mechanisch und so leichtgängig spielen lässt, findet man in dieser Zeit selten", sagt er. Immerhin wurde die Orgel 1983/84 mit 50 Registern und rund 4000 Pfeifen in der katholischen Kirche Niederrads eingebaut und zählt mit ihrem breiten Klangspektrum und ihrer stilistischen Vielfalt zu den bedeutendsten ihrer Art im Raum Frankfurt.

Wunderwerk wurde gewartet

Nun ist das Wunderwerk gewartet und neu gestimmt worden. Das ist nötig, da ein solch komplexes Instrument auf Verunreinigungen und Temperaturschwankungen sensibel reagiert und es trotz der hochwertigen Verarbeitung zu Abnutzungen kommen kann. "Gut zwei Drittel der Pfeifen mussten nachgestimmt werden, was insgesamt rund zweieinhalb Arbeitstage gedauert hat", sagt Sondermann.

Ursprünglich sollte die Arbeit mit Kosten im unteren vierstelligen Bereich schon vor zwei Wochen abgeschlossen sein. "Doch mit über 20 Grad wurde es dafür zu warm, denn die Orgel soll ja für die Konzerte in den nächsten Monaten bei einer Innentemperatur von etwa 18 Grad spielen", erklärt der Orgelbauer. Bei der Wartung hat die Orgel auch eine neue Lichtanlage bekommen, die Neonröhren wurden durch sparsamere LED-Leuchten ausgetauscht. Zumal die Neonröhren defekt waren, wie Organist Manuel Braun berichtet.

Kunststoff statt Leder

Im Innern der Orgel mussten Reparaturen und Erneuerungen vor allem an den Zugarmen vorgenommen werden, die mit der Tastatur verbunden sind und die Ventile für den Luftstrom öffnen. "Die Wellen an diesen Zugarmen sind ja rein mechanisch, während bei vielen anderen Orgeln Elektromagnete zum Einsatz kommen", erklärt Braun. Doch an einigen Stellen war es nötig, die Muttern aus Leder durch Kunststoffelemente zu verstärken.

Und wie gut klingt die Orgel jetzt? "Eine optimale hundertprozentige Stimmung aller Orgelpfeifen ist nahezu unmöglich", räumt Braun ein. Zu empfindlich reagiere das Instrument auf wechselnde Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, sogar Erschütterungen. "Deshalb muss ich als Organist sogar einzelne Pfeifen nochmal nachstimmen, wenn ich zum Sommerkonzert einlade."

Eine Arbeit, die sehr viel Fingerspitzengefühl erfordert, sogar für Profis. So haben viele kleinere Orgelpfeifen ein Häkchen zum Nachjustieren, wieder andere werden am unteren Ende mit einem speziellen Messingkegel enger geklopft - im Fachjargon spricht man von "Kulpen". "Doch der nächste große Schritt, der nun anstehen wird, ist die Reinigung der gesamten Orgel mit ihren Pfeifen", erklärt Sonderberg. Diese Maßnahme ist etwa alle 20 bis 25 Jahre angesagt und wird die Pfarrei Sankt Jakobus, zu der Mutter vom Guten Rat als Kirchort gehört, voraussichtlich 70 000 Euro kosten.

So ist bei einem Rundgang schon jetzt Staub an verschiedenen Stellen des Gehäuses sichtbar. Doch innerhalb der nächsten zwei Jahre ist noch eine Innensanierung der Kirche angesagt. "Während dieser Maßnahme muss die Orgel vor dem entstehenden Baudreck geschützt werden, die umfassende Reinigung sollte dann danach erfolgen", sagt Sondermann. Ein Aufwand, der sich lohnt, da die Königin der Instrumente auch einige besondere Klangelemente aufweist: Etwa Spanische Trompeten, die horizontal im Prospekt der Orgel angeordnet sind. Modernisierungen erfolgten ab 2002. Mit einer Setzanlage zur automatischen Speicherung von 4000 Kombinationen der Register hielt etwas mehr Elektronik Einzug. Trotzdem: Vieles an der Albiez-Orgel wird noch immer von Hand gemacht. Und dann sollte jedes noch so kleine Detail stimmen. Gernot Gottwals

So kann man helfen

Mit einer SMS unter dem Stichwort "OrgelMvGR" an die Rufnummer 8 11 90 kann man die Orgelreinigung mit 5 Euro unterstützen.

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