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Lässt Kinderaugen strahlen und Autofahrer bremsen: das Rieseneichhörnchen hoch oben.

Frankfurt: Fuß vom Gas

Niederrad: Riesen-Eichhörnchen bremst die Raser

  • vonSabine Schramek
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Weil es auf der Niederräder Landstraße immer noch kein Eichhörnchenseil gibt, über das die Nager die Straße überqueren könnten, warnen die Nachbarn die Autofahrer mit Schildern und einem Stofftier vor den Tieren.

Ein niedriger "Achtung-Eichhörnchen"-Schilderwald und ein fettes Stoffeichhörnchen am Baum sollen für Aufmerksamkeit der Autofahrer auf der Niederräder Landstraße zwischen Mörfelder Landstraße und Humperdinckstraße sorgen. Dort huschen die putzigen Nager auf der Suche nach Futter zwischen Gärten und Wald hin und her.

Viele bremsen, alle lächeln

Wer die Niederräder Landstraße zwischen der Mörfelder Landstraße und der Humperdinckstraße Richtung Rennbahn entlangfährt, muss unwillkürlich lächeln und bremst ab. Am rechten Straßenrand warnen auf Grasstücken mit Bäumen vor edlen Villen kleine "Achtung Eichhörnchen"-Schilder vor den Kletterern, die auf Futtersuche sind. Gegenüber ist nichts als Wald voller Bucheckern und Zapfen. Auf der Villenseiten locken Eichen und Walnüsse die putzigen Nager an, die jetzt für den Winter ihr Futter sammeln und vergraben.Weil sie sich nicht entscheiden können, was besser schmeckt, huschen die rotbraunen und dunklen Tierchen über die meist vielbefahrene Straße.

Vor zwei Jahren hatten sich die Anwohner bereits für ein "Eichhörnchenseil" quer über die Straße stark gemacht, das die Tiere vor dem Tod durch Überfahren schützen sollte. Der Magistrat lehnte damals den CDU-Antrag des Ortsbeirates ab, den Tierchen eine sichere Brücke zu bauen. Der Aufwand sei zu hoch, hieß es damals. "Für die Tiere gehört das Überqueren von Straßen leider zum allgemeinen Lebensrisiko. Wir haben keine Lösung parat, außer an die Autofahrer zu appellieren, langsam zu fahren", so die Stellungnahme.

Die Eichhörnchenfreunde haben sich davon nicht abbringen lassen, ihnen so viel Schutz wie möglich zu bieten. Gerast wird auf der geraden Straße mittlerweile viel weniger. Nicht nur die rot-weißen dreieckigen Warnschilder auf ordentlichen kurzen Holzpfosten am Fahrbahnrand machen Fahrer auf sie aufmerksam, sondern auch ein gigantisches Plüsch-Eichhörnchen, das an einen Baum gebunden, für ein freiwilliges Tempolimit wirbt.

Der lange hellbraune Plüschschwanz leuchtet schon von weitem, Kinder winken dem Kuscheltier aus Autos fröhlich zu. "Nur noch manche Lkw-Fahrer ignorieren die Hinweise", sagt Erika Schulz, die auf ihren Bus an der Humperdinckstraße wartet. "Ich bin oft hier und finde es toll, wenn Menschen plötzlich lächeln, statt grimmig zu gucken, wenn sie nicht rasen sollen. "

Sie selbst sieht auch gerne dabei zu, wie die fleißigen Nager kunstvoll auf Stämmen und Ästen turnen, miteinander spielen oder sich die Backen vollstopfen. Die Art, wie sie sich bewegen, ihre kleinen Pförtchen und der buschige Schwanz, mit dem sie sich vor Regen, Sonne und Kälte selbst schützen können, tragen laut Naturschutzbund (NABU) dazu bei, "dass Eichhörnchen auf der Beliebtheitsskala von Menschen ganz oben rangieren."

Eichhörnchen gehören nach der Bundesartenschutzverordnung zu den "besonders geschützten Arten." 28 verschiedene europäische Arten gibt es, die sich hauptsächlich in der Fellfarbe voneinander unterscheiden. Darum springen auch hellrote bis braunschwarze Eichhörnchen über die Niederräder Landstraße. Gemeinsam ist ihnen der helle Bauch. Das Winterfell ist dichter und oft dunkler als das Sommerfell und auch ihre Ohrpuschel sind im Winter länger und dichter als in der heißen Jahreszeit.

Von Baum zu Baum

"Die Tiere mögen es nicht, auf dem Boden zu springen. Sie hopsen viel lieber von Baum zu Baum. Da sind sie sicher vor Autos, Mardern und Greifvögeln. Da es im Wald ebenso viele Leckereien für sie gibt wie auf der bebauten Seite, wechseln sie eben gern von hier nach da." Ein Polizeiauto rast mit Blaulicht die Straße lang. Eichhörnchen sind nicht auf der Straße. Schulz blickt ihm nach. "Einsatzfahrzeuge können natürlich nicht mit 30 hier lang fahren. Die müssen Menschenleben retten. Aber sie warnen die Eichhörnchen durch Blaulicht und Martinshorn. Das ist fair auch für die Tiere."

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