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Wollen die Union-Kneipe in die gastronomische Champions League führen (v.l.): Sebastian Vogel, der 1. Vorsitzende Khalid Lamjahed und Gabriele Carrogu.

Gastronomie

Vom Feld an Herd und Zapfhahn gewechselt

  • vonStefanie Wehr
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Der Niederrader Fußballverein Union hat einen neuen Gaststättenbetreiber, der dort selber kickte.

Frankfurt - Bei der Union ist mächtig was los: Auf dem Platz tobt das Kinder-Herbstcamp, einige Eltern schauen zu. Das Vereinslokal hingegen ist fast menschenleer, aber das soll sich bald ändern, natürlich mit der gebotenen Corona-Vorsicht. Viele wissen noch gar nicht, dass es seit Anfang Oktober richtig gutes Essen "auf der Union" gibt, wie man im Stadtteil sagt. Schnitzel vom Kalbsrücken mit Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat, Burger mit Bacon, Jalapeños oder Spiegelei stehen etwa auf der Karte - hungrig muss hier wohl keiner rausgehen.

Glücksgriff für den Klub

In der Küche hört man Sebastian Vogel, den neuen Koch, am Herd klappern. Mit einem freundlichen Hallo empfängt Gabriele Carrogu, den alle nur Galli nennen, die Gäste. Der neue Pächter ist altbekanntes Vereinsmitglied, er selbst und seine zwei Söhne kicken hier und auch Sebastian Vogel spielt seit Jahren bei der Union. Dass sie zusammen mit einem Team von fünf Aushilfen von nun an die Gaststätte betreiben, passt wie die Faust aufs Auge, ein Glücksgriff für sie, aber auch für den Verein.

"Wichtig ist, dass bei uns eine lockere Atmosphäre herrscht. Wir duzen alle, und es gibt keinen Verzehrszwang", erklärt Galli. "Wir wissen genau, was die Mitglieder brauchen und wollen und richten daran unser Angebot aus. Wenn Kinder zum Beispiel zum Herbstcamp kommen, haben viele nichts gefrühstückt. Deshalb gibt es belegte Brote."

Natürlich will die Gaststätte auch alle Niederräder und die Bewohner der umliegenden Adolf-Miersch-Siedlung anlocken. "Das könnte gelingen, denn gutbürgerliche Küche bekommt man nicht so leicht im Stadtteil", findet Galli. Für eine abwechslungsreiche Karte, die nicht nur Fußballergaumen erfreut, sorgt der Koch, der sich freut, mit 32 Jahren zum ersten Mal Küchenchef zu sein. "Der Gast soll möglichst viel selbst wählen können, Beilagen oder Soßen zum Burger zum Beispiel. Ich koche individuell für jeden Gast", erklärt Vogel.

Auch optisch hat sich einiges im Vereinsheim von 1907 verändert: Der renovierte Gastraum erstrahlt in weiß, die Theke ist nigelnagelneu. Das ist das Ergebnis einer fast zweijährigen Phase der Vorbereitung, weil der Fußball-Verein für die Gaststätte erst ein neues Nutzungsrecht beantragen musste.

Das Gebäude musste saniert, renoviert und der Brandschutz erneuert werden. Die Behördengänge und -abnahmen dauerten ein ganzes Jahr - bis Anfang März 2020 die Gaststätte endlich eröffnet werden konnte. Keine zwölf Tage später kam Corona - und schon war sie wieder zu.

Eintracht-Spiele auf der Leinwand

"Die Gaststätte spielt eine große Rolle im Erfolg der Union", sagt Khalid. Wir kommen hier zusammen, schauen Eintracht-Spiele auf der großen Leinwand. Auch die Spiele auf dem Platz ziehen enorm viele Zuschauer, die sich über abwechslungsreiche Getränke, Snacks und Essen freuen." Kürzlich bei einem Spiel der B-Jugend kamen 180 Zuschauer.

"Die Zusammenarbeit mit Galli passt deshalb sehr gut", sagt auch Khalid Lamjahed, der Erste Vorsitzende des Traditionsvereins. "Die Mitglieder fühlen sich hier wohl. Dass Galli Vereinsmitglied ist, macht vieles einfacher. Er kennt die Mitglieder und Trainer, kennt die Abläufe, gibt die Schlüssel raus."

Galli weiß auch, wie wichtig der Verein für die Kinder ist. "Die Kids kommen auch so vorbei, wenn kein Training ist. Es gibt ja keinen brauchbaren Bolzplatz in Niederrad."

Kein Wunder, dass die Kinder- und Jugendmannschaften der Union so großen Zulauf haben. "Wir wachsen und wachsen", erklärt Khalid. Zu Trainingszeiten teilten sich vier bis fünf Mannschaften den Platz, "dann sind hundert Kids auf dem Platz", so Khalid. Niederrad wächst, und so kommen auch mehr Kinder aus dem Stadtteil", so Khalid. "Weil wir zu viele Anmeldungen haben, müssen wir immer wieder Kinder ablehnen, auch dieses Jahr." 240 aktive Mitglieder hat die Union. Auch die Senioren werden mehr: Sie haben dieses Jahr eine dritte Mannschaft gegründet.

Der Verein wartet schon seit Jahren darauf, dass die Stadt einen Kleinfeldtrainingsplatz auf der brachliegenden Wiese am Eingang genehmigt. "Der würde uns sehr helfen." Steffi Wehr

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