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Steine lösen sich aus der alten Friedhofsmauer, an anderer Stelle blättert der Putz ab. Uwe Stein, Vorsitzender des Bürgervereins, plädiert trotzdem für deren Erhalt. foto: leonhard hamerski

Restaurierung

Niederursel: Diese Mauer darf nicht fallen

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Bürgerverein und CDU-Fraktion stimmen für Erhalt des 170 Jahre alten Bauwerks.

Die alte Friedhofsmauer ist ein stummer Zeitzeuge. Für einen Streit in dem einst zweigeteilten Dorf Niederursel - über 300 Jahre teilten sich die Stadt Frankfurt und die Grafen von Solms-Rödelheim die Herrschaft. Denn nicht nur die Verlegung des zu klein gewordenen Friedhofes von der Kirche im Jahr 1850 an den Weißkirchener Weg, auch die Art der Einfriedung sorgte für Zwist zwischen den beiden Dorfhälften. Bis man sich schließlich darauf einigte, dass Steine aus der Hohen Mark verwendet werden sollen. 1851 wurde der Friedhof samt Trauerhalle eingeweiht.

Deutlich sichtbar hat in den vergangenen Jahren der Zahn der Zeit an der 170 Jahre alten Mauer genagt. Hier ein Riss, dort ein fehlender Stein und abbröckelnder Putz - wirklich gut ist der Zustand schon lange nicht mehr. "Da muss wirklich etwas gemacht werden", sagt Uwe Stein, Vorsitzender des Bürgervereins, als er über den Friedhof wandelt.

Als er vor wenigen Tagen auf dem Grab seines Schwiegervaters Heidekräuter einpflanzte, habe er die Mauer genauer unter die Lupe genommen. Nachdem die CDU-Fraktion im Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) einen Antrag für die kommende Sitzung des Stadtteilgremiums formuliert hat. Demnach wurden die Familien, deren Grabstätten direkt an der alten Mauer liegen, von der Friedhofsverwaltung angeschrieben, dass diese wegen des schlechten Zustandes abgerissen werden müsse.

"Es handelt sich um Grabstätten alteingesessener Niederurseler Familien, die durch solch einen Abriss beschädigt werden würden", plädiert Antragsteller Joachim Rotberg, ebenso wie Uwe Stein (SPD), für den Erhalt und die Sanierung der Mauer. Die an der Mauer angebrachten Grabplatten könnten "nicht einfach so" auf die Gräber gelegt werden.

Er wisse aber auch, dass für solche Sanierungen oft das Geld fehle. Unter anderem wegen der rückläufigen Zahl an Erdbestattungen. Deswegen fragt er in seinem Antrag auch, ob die Mauer mit unterstützenden Mitteln aus dem Ortsbeiratsbudget saniert werden könnte. "Es ist nicht die einzige sanierungsbedürftige Mauer auf einem Stadtteilfriedhof", sieht er darin sogar ein stadtweites Problem.

Älteste Gräber von 1872

Das Grünflächenamt will sich nicht dazu äußern. Zumindest so lange nicht, bis der verabschiedete Antrag des Ortsbeirates auf dem Tisch liege. "So lange wir keinen Antrag haben, können wir auch noch keine Stellung beziehen", sagt die stellvertretende Amtsleiterin Simone Jacob.

Es ist nicht nur die Geschichte des Friedhofes und des Stadtteils, die die Mauer erzählt, sagt Uwe Stein, während er über den Hauptweg geht, direkt auf das alte kleine, mittlerweile ungenutzte Kapellchen zu. Es sind vor allem die Familiengeschichten, die in diesem alten Teil des Friedhofes, der über den Eingang an der Marie-Luise-Kaschnitz-Straße erreicht wird, erzählt werden. Die Familien Wenzel und Greif, Ruppel, Ilkenhans, Hennemann und Himmelreich sind dort begraben. Die ältesten Gräber sind von 1872, wie das der Familie Schlotterbeck.

Dass der Friedhof an der Kirche, direkt unter einem Lindenbaum, auf Dauer zu klein ist und nicht mehr den hygienischen Anforderungen entspricht, war bereits 1845 klar. Durch den Streit der Dorfhälften dauerte die Grundstückssuche bis 1850, durch einen Tausch wurde sie abgeschlossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war auch dieses Areal zu klein, es wurde nach Westen erweitert und die neue Kapelle gebaut. 1972 und 1982 wurde der Friedhof erneut vergrößert. Heute misst er 3,5 Hektar, es gibt 1800 Grabstätten. judith dietermann

Der Ortsbeirat 8 tagt

Die nächste Sitzung beginnt am Donnerstag, 22. Oktober, um 20 Uhr im Bürgerhaus Nordweststadt, Walter-Möller-Platz/ Nidaforum 2.

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