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Ernste Gesichter bei der Eintracht: Fredi Bobic, Jan Strasheim und Niko Kovac (von links).

Eintracht Frankfurt

Wie Niko Kovac plötzlich ein Bayer wurde

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Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic ist bedient. Das Vorgehen von Bayern München im Fall Kovac nennt er unprofessionell und respektlos.

Als die drei Herren um Punkt 15 Uhr den Konferenzraum betraten, war ihnen die verhagelte Laune schon von weitem anzusehen: Zuerst Niko Kovac, designierter Ex-Trainer bei , dann der um Fassung bemühte Medienchef Jan Strasheim. Und als Letzter, mit dem mürrischsten Gesicht, Fredi Bobic. Nach besonders viel und gutem Schlaf sah keiner aus dem Trio aus.

Aber letztlich ging es auch nur noch darum, irgendwie aus einer Geschichte herauszukommen, die schon seit der Nacht publik war und morgens in vielen Zeitungen gestanden hatte. Hier Niko Kovac, der noch vor kurzem angeblich keinen Kontakt zu Bayern München gehabt hat. Und dort Fredi Bobic, angefressen ob der verlotterten Münchner Sitten.

Der Trainer, noch etwas unrasierter als sonst, berichtete von einem unverhofft turbulenten Donnerstag. Er sei ganz normal zur Arbeit gekommen, sagte Niko Kovac. Mit der Normalität sei es aber „schlagartig“ vorbei gewesen: „Es kam eine Dynamik rein, die ich in dieser Form selbst noch nicht erlebt habe“, erzählte der künftige Trainer von Bayern München: „Es gibt Sachen, die passieren wirklich sehr schnell im Leben.“ Ein Glaubwürdigkeitsproblem sieht Kovac für sich nicht: „Es ist so, wie es ist. Ich werde mich nicht ändern. Ich bleibe, wie ich bin“, sagte er.

Glaubt man den Schilderungen des 46-Jährigen, dann ging sein kompletter Wechsel zum deutschen Rekordmeister innerhalb weniger Stunden über die Bühne. „Ich habe einen Anruf aus München bekommen, mit Vertragsangebot. Dieses habe ich gestern auch angenommen“, sagte Kovac. Er habe sich daraufhin mit Eintrachts Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner getroffen und sie über seinen Entschluss in Kenntnis gesetzt.

Bobic und Hübner wurden angeblich kalt erwischt. Die beiden waren tagsüber in Kopenhagen gewesen, um den Transfer des neuen Torhüters Frederik Rönnow perfekt zu machen. Es wurde dann noch ein langer Abend in Frankfurt mit einem intensiven Gedankenaustausch. „Wir respektierten seine Entscheidung, weil sie unumstößlich war. Wir müssen Profis sein“, sagte der Sportvorstand. Bobic gab aber auch zu, vom Zeitpunkt des Wechselwunsches seines Trainers überrascht gewesen zu sein: „Es ist eine Phase, die wichtig ist für Eintracht Frankfurt.“

Da hat er Recht. Am heutigen Samstag (15.30 Uhr) tritt die Eintracht in der Fußball-Bundesliga bei Bayer Leverkusen an, einem unmittelbaren Konkurrenten im Kampf um einen Champions-League-Platz. Und am kommenden Mittwoch spielen die Frankfurter auf Schalke um den Einzug ins DFB-Pokalfinale. Unruhe rund um die Mannschaft kann da niemand gebrauchen.

Zu den Medien war Kovacs Wechsel bereits am Donnerstagabend durchgesickert. Auch über seine Ausstiegsklausel, die den Transfer überhaupt erst ermöglichte und laut „kicker“ bei 2,2 Millionen liegt, wurde da bereits berichtet. Bobic kritisierte die Münchner deshalb scharf. „Dass Informationen innerhalb kürzester Zeit nach außen geflossen sind – und das sicherlich nicht aus Frankfurt – ist sehr ärgerlich, unprofessionell und respektlos“, sagte der 46-Jährige: „Es gab keine Kontaktaufnahme mit uns, sondern alle Details sind direkt in die Öffentlichkeit gelangt. Das sind Dinge, die ich so unter Kollegen in der Bundesliga noch nicht erlebt habe. Aber das sind eben die Bayern, die haben ihr Ding gemacht und nur an sich gedacht.“

Bobic bestätigte auch, dass Kovac eine Ausstiegsklausel besaß, die ihm den Wechsel am Saisonende ermöglichte. „Ja, es gab eine Möglichkeit für Niko, für absolute europäische Topklubs aus dem Vertrag herauszukommen. Wir verkaufen jetzt auch Trainer“, sagte er. Auch diese Informationen seien „übrigens aus einer anderen Großstadt“ an die Öffentlichkeit geflossen.

 

Aber auch in Frankfurt sickern Informationen durch – über mögliche neue Trainer für die Eintracht. Im Gespräch sind Markus Weinzierl, Roger Schmidt, David Wagner und der Ex-Stuttgarter Hannes Wolf. Fredi Bobic sagte dazu nur: „Ich bin davon überzeugt, dass wir für die Zukunft gerüstet sein werden. Wir sind vorbereitet.“

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