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Schnäppchenjäger begutachten beim ersten Flohmarkt auf dem Buchrainplatz den Trödel, den die etwa 20 Standbetreiber an den Mann bringen wollen, die dem Aufruf des Gewerbevereins gefolgt waren.

Flohmarkt des Gewerbevereins

Nippes belebt den Buchrainplatz

Der Gewerbeverein Oberrad möchte den Buchrainplatz mit mehr Leben füllen und die Menschen aus dem Stadtteil dort zusammenbringen. Ein Flohmarkt mit Händlern und Käufern aus Oberrad und Umgebung ist dafür offenbar genau das Richtige.

Von Marie Ahlers

„Wir sind das kleine gallische Dorf im Kampf gegen den Römer“, beschreibt Kai Abicht mit einem Augenzwinkern die Stellung Oberrads in Frankfurt. Ganz so schlimm wie im beliebten Comic um Asterix und seine römischen Widersacher steht es um Oberrad zwar nicht, dem Kassierer vom hiesigen Gewerbeverein gefällt jedoch die Idee von der Oberräder Bevölkerung, die geeint zusammensteht. „Wir haben die Chance, den Stadtteil nach vorne zu bringen und die Gemeinschaft zu verbessern. Die Leute sollen sich untereinander respektieren“, erläutert Habicht, der zusammen mit dem Vorsitzenden des Gewerbevereins, Hermann Schöninger, den ersten Flohmarkt auf dem Buchrainplatz im Herzen von Oberrad organisiert hat.

An rund 20 Ständen konnten sich Schnäppchenjäger und Hobbytrödler gestern auf die Suche nach Kinderspielzeug, Kleidung oder

Sammlerstücke

n machen und dabei nach Lust und Laune feilschen oder mit Nachbarn plaudern.

„Wichtig ist uns die Kommunikation. Die Anwohner sollen ins Gespräch kommen und sich austauschen“, berichtet Schröninger. „Wir versuchen alles, um den Buchrainplatz mit Leben zu füllen.“ Dass nebenbei jeder die Chance hat, den eigenen Keller zu entrümpeln und verborgene Schätze an den Mann zu bringen, sei ein positiver Nebeneffekt.

Der Buchrainplatz ist ein umkämpftes und umstrittenes Terrain. 2013 erst eingeweiht, sorgte er immer wieder für Kontroversen unter Bewohnern und Politikern. Vor der Begrünung vor einigen Monaten fanden ihn viele Oberräder zu kahl, im Moment warten sie auf die überfällige Einrichtung öffentlicher Toiletten (siehe dazu auch unten stehenden Artikel). Und wenn nicht gerade Wochenmarkt ist, empfinden viele Menschen den Platz als nahezu ausgestorben.

Davon konnte am Sonntag allerdings keine Rede sein. Händler und Käufer feilschten fleißig, tauschten sich über die angebotenen Waren oder einfach über den neusten Klatsch aus der Nachbarschaft aus. Für manch einen Standbesitzer wurde der Flohmarkt sogar zum kleinen Familienfest: Sigrun und Yvonne Becker sind Mutter und Tochter und „verramschen“ an ihrem Stand allerlei Haushaltsartikel, Spielzeug und Kleider. „Wir wohnen direkt hier am Platz“, erklärt Yvonne Becker und deutet zu einem Giebelfenster ganz in der Nähe hoch. „Und bevor wir heute den ganzen Tag nur trübe aus dem Fenster gucken, stürzen wir uns lieber ins Geschehen“, erzählen Becker und Becker freudig.

Mutter und Tochter sind erfahrene Flohmarktgängerinnen und verkaufen an ihrem großzügigen Stand alles, was sich im Lauf der Zeit bei ihnen angesammelt hat und was Freunde beigesteuert haben. Ein älterer Mann bleibt am Stand der beiden Frauen stehen und nimmt neugierig eine kleine Holztruhe mit Pferdeaufdruck in die Hand. „Da können Sie die Liebesbriefe Ihrer Frau rein tun“, versucht Yvonne Becker ihn zu überzeugen. Doch der Herr winkt ab und nimmt stattdessen kritisch ein Tranchierset mit Rehfüßen als Griff unter die Lupe. „Die Griffe sind aber nicht echt“, bemerkt der ältere Herr und steigt dennoch mit den Damen in die Verhandlungen ein.

Zwei Meter weiter ist Zlatka Palazova bereits fündig geworden. Von Ingrid und Claudia Penkalla, ebenfalls Mutter und Tochter, kauft sie Gläser und kleine Modell-Lkw zum Sammeln. Händlerin Claudia ist besonders stolz auf ihr Angebot an „Cherished Teddies“, kleine aus Kunstharz gefertigte Bären. Von denen besitzt sie mittlerweile so viele, dass sie ein paar der Figürchen heute veräußert.

Auch die beiden Organisatoren Schöninger und Abicht zeigen sich zufrieden mit dem Erfolg des ersten Flohmarkts auf dem Buchrainplatz. „Die Leute sind begeistert, gehen aufeinander zu und kommen ins Gespräch“, freut sich Abicht, und Schröninger kündigt unterdessen schon mal an: „Der zweite Flohmarkt kommt garantiert noch in diesem Jahr. Die Resonanz ist in jedem Fall da.“

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