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Nobelpreisträger zeichnet sich ins Goldene Buch ein

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Von: Enrico Sauda

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Benjamin List trägt und zeichnet sich ein. Letzteres mit einem Molkül. Foto: Enrico Sauda
Benjamin List trägt und zeichnet sich ein. Letzteres mit einem Molkül. © Enrico Sauda

Chemiker Benjamin List wurde von seiner berühmten Mama begleitet

Für seine Mutter Heidi ist das nichts Neues. Sie war schon dabei, als ihre Schwester, die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard , sich ins Goldene Buch der Stadt eintrug. Das ist weit mehr als 20 Jahre her. Gestern nun begleitete Mutter Heidi ihren Sohn Benjamin List in den Limpurgsaal, wo er sich ins Goldene Buch eintrug.

Im vergangenen Jahr wurde dem Frankfurter Bub für seine Arbeit zur asymmetrischen Organokatalyse der Nobelpreis für Chemie zuerkannt. "Ich habe mich ziemlich gefreut, als ich das erfahren habe", erinnert sich seine Mutter Heidi. "Ich war gerade in Spanien, als er mich anrief und sagte, er hätte gerade einen Anruf aus Stockholm erhalten", erzählt sie. "Es ist nett, berühmte Leute um sich zu haben", antwortet sie auf die Frage, wie es sei, Teil einer solch ausgezeichneten Familie zu sein. "Wir haben uns jahrelang gestritten, ob's die Gene sind oder die Erziehung. Und Ben war im antiautoritären Kinderladen - er ist wohl das erste Kinderladenkind, das einen Nobelpreis gewonnen hat, soviel ich weiß", sagt Mutter Heidi.

Darauf spielte auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in seiner kurzen Ansprache an, bevor sich Benjamin List ins Buch eintrug und nicht nur seinen Namen hineinschrieb, sondern auch das Intermediat im Katalysezyklus hineinzeichnete. "Für mich ist es ein starkes und ein schönes Molekül, weil es meine Idee war, dass sich das bildet. Und das ist für uns Chemiker extrem befriedigend, wenn du dir so etwas überlegst - und dann funktioniert es auch noch", sagte List, der es als eine riesige Ehre bezeichnete, sich ins Goldene Buch eintragen zu können, und dazu dann auch noch Friedrich Stoltze zitierte mit dem berühmten Vers: "Es is kaa Stadt uff der weite Welt, die so merr wie mei Frankfort gefällt, un es will merr net in mein Kopp enei, wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei."

"Ich liebe diese Stadt einfach, seitdem ich denken kann", so List, der ein Faible für die neue Altstadt entwickelt hat. Benjamin List, Jahrgang 1968, zog 1987 nach Berlin, kam dann zur Promotion wieder nach Frankfurt und lebt jetzt in Mühlheim an der Ruhr. Viele familiäre Bande verknüpfen ihn mit der Heimat: Sein Vater, seine Mutter, sein Bruder Jakob und sein Sohn Theo wohnen hier, sein anderer Sohn wohnt in der Nähe. Er selbst sagt: "Ich würde mich freuen, wenn ich irgendwann wieder nach Frankfurt zurückkommen würde."

Morgen ist er übrigens schon wieder hier. Allerdings nicht in der Innenstadt, sondern im Waldstadion. Dort drückt er der Eintracht die Daumen, die im Europa-League-Halbfinale gegen das Londoner Team von West Ham United antritt. Er war auch in Barcelona beim Viertelfinale gegen Barca. "In London war ich leider nicht", sagt List, der selbst nie im Verein Fußball gespielt hat. "Ich habe Handball bei der FTG in Bockenheim gespielt und Karate gemacht", erzählt er. Mit Blick auf die morgige Partie will und kann er keine Prognose abgeben. "Hauptsache, nicht verlieren. Wenn's eins zu eins ausgeht, dann bin ich auch zufrieden", sagt Benjamin List. "In den Europapokalspielen knien sie sich richtig rein, spielen alle gut. In der Bundesliga ist es eher durchwachsen. Aber ich hoffe, dass sie sich den Schwung für die kommenden zwei Spiele bewahren", sagt er. In Sevilla, beim Endspiel, will der Nobelpreisträger wieder live vor Ort sein. es

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