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Beraten über die richtigen Rezepte: Eintracht-Trainer Adi Hütter und seine Assistenten Armin Reutershahn und Christian Peintinger (von rechts) beim Testspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden.

Eintracht Frankfurt

Noch fehlt die richtige Balance bei der Eintracht

Beim 6:2 gegen Wehen Wiesbaden zeigte die Eintracht gute Ansätze. Aber an der Konteranfälligkeit muss gearbeitet werden.

Drei Wochen Vorbereitung liegen hinter der , nicht mehr ganz drei Wochen sind es bis zum ersten Pflichtspiel am 12. August im Supercup gegen den FC Bayern München. Fest steht, bisher kann Trainer Adi Hütter mit der Entwicklung seiner Mannschaft zufrieden sein. Nachdem die Eintracht aus dem wegen der langen Reise ziemlich strapaziösen USA-Trainingslager noch ohne Sieg zurückgekehrt war, sah das, was der , doch schon ziemlich manierlich aus.

Sechs heraus kombinierte Treffer, taktisch klar strukturierte Angriffe, auch konditionell für den frühen Stand der Vorbereitung schon einigermaßen auf der Höhe – so präsentiert sich die Eintracht dieser Tage.

„Darauf lässt sich aufbauen“, sagte der Frankfurter Trainer. Freilich, das hat auch Hütter erkannt, an einigen Stellen knirscht es noch kräftig im Gebälk.

Der Österreicher muss nach dem trainingsfreien Montag ab heute mit seinen Schützlingen noch einige Baustellen schließen.

Die Konteranfälligkeit: Er pfiff, er gestikulierte, er schrie – immer wieder forderte Adi Hütter seine Elf auf, weiter nach vorne zu schieben, den Gegner schon am eigenen Strafraum einzuschnüren, dort die Bälle zu gewinnen, um kurze Wege zum Tor zu haben. Das vom Frankfurter Trainer so geliebte Pressing war durchaus von Erfolg gekrönt, in einigen Phasen wussten die Gastgeber aus Wiesbaden nicht, wie sie sich befreien sollten.

Allerdings: Schalteten nur ein, zwei Eintracht-Spieler zu spät und machten nicht rechtzeitig mit, geriet der Defensivverbund in ziemliche Unordnung. Noch fehlt es an der richtigen Balance. Mehrfach liefen die Frankfurter in Konter und konnten erst in höchster Not klären. Ob das gegen einen Bundesligisten auch der Fall gewesen wäre? Zumindest zweifelhaft.

Immer wieder redete Hütter auf seinen zentralen Mann, den spanischen Sechser Lucas Torro ein. Von ihm sollen die Kommandos kommen, wann das komplette Team presst, und wann weniger auch mal mehr ist.

Die Standardsituationen: Fast jeder hohe Ball, der in den Frankfurter Strafraum segelte, war gleichbedeutend mit einer Torchance für den Drittligisten. Sowohl die Wehener Führung als auch später das 2:2 fielen nach Kopfbällen der Gastgeber. „Speziell nach Ecken haben mir ein paar Aktionen nicht gefallen“, sagte Hütter, „da haben wir ein paar Mal nicht richtig gestaffelt gestanden.“ Trainiert wurde das Verhalten bei ruhenden Bällen bisher kaum, es besteht also berechtigte Hoffnung auf Besserung.

Die Taktik: In Wiesbaden ließ Hütter 45 Minuten lang erstmals in dieser Vorbereitung mit zwei Spitzen stürmen – Goncalo Paciencia und Sébastien Haller. Die Konsequenz: Immer wieder überbrückten die drei Verteidiger (David Abraham, Marco Russ, Evan N’Dicka) das Mittelfeld mit langen Bällen auf die groß gewachsenen und breitschultrigen Angreifer. Spielfluss kam selten zustande. Auch waren auf den Außen Danny da Costa (rechts) und Jetro Willems (links) in diesem 3-1-4-2-System doch ziemlich auf sich allein gestellt. Sie hetzten vor und zurück, vor und zurück, und wieder vor und zurück. Deutlich sichtbar, dass die Unterstützung aus dem zentralen Bereich fehlte. Einen Spieler wie Marius Wolf, der mal im Zentrum auftauchte, dann aber auch wieder auf der rechten Bahn, fehlt noch im Kader. Der 23-Jährige kickt mittlerweile in Dortmund.

In Wiesbaden baute Hütter im zweiten Abschnitt taktisch um, spielte nun mit vier Verteidigern, zwei Sechsern, nur einer echten Spitze (Luka Jovic) und einer Dreierreihe dahinter. Der positive Effekt: mehr Bewegung, mehr Tempo, mehr Torgefahr. „Wir hatten eine andere Systematik“, sagte Hütter, ohne zu verraten, was ihm nun besser und was schlechter gefallen hatte. Der Trainer will sich verständlicherweise alle Optionen offenhalten. Tendenz: Müssten die Hessen schon heute in einem Pflichtspiel ran, würde Hütter eher auf ein 4-2-3-1-System setzen.

Das Personal: Da noch bis zu drei Neue kommen sollen – ein Angreifer, ein Spielmacher und ein Mann für die Außenbahn –, muss der jetzt schon mit 33 Profispielern ziemlich aufgeblähte Kader verschlankt werden. Den Anfang machte gestern Mittelfeldspieler Max Besuschkow. Der 21-Jährige verlängerte erst seinen Vertrag bei der Eintracht bis 2021, um dann für zwei Spielzeiten zum belgischen Zweitligisten Royal Union Saint-Gilloise verliehen werden zu können. Zudem sollen sich Stürmer Branimir Hrgota und Linksverteidiger Taleb Tawatha neue Klubs suchen. Fraglich ist, was mit Marco Fabián passiert. Der mexikanische Nationalspieler wird immer mal wieder mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht, soll ebenso wie die anderen WM-Fahrer Carlos Salcedo, Makoto Hasebe, Gelson Fernandes und der neue Torhüter Frederik Rönnow in dieser Woche aber erstmal ins Training einsteigen. Könnte die Eintracht ein Jahr vor Vertragsende eine angemessene Ablöse für den 2016 für vier Millionen Euro aus Guadalajara geholten Fabián erzielen, würde sie ihn wohl verkaufen. Zumal die Verantwortlichen mit Chico Geraldes, ebenfalls ein Spielmacher, im Grunde einig sind und nur noch mit Sporting Lissabon über die Höhe der Ablöse feilschen.

, Pokalheld und WM-Himmelsstürmer, ist und bleibt die größte Unbekannte im Transfergeschehen. Manchester? München? Oder am Ende doch Frankfurt? Momentan reine Spekulation.

Das Fazit: Vieles läuft gut, einiges muss besser werden – in den Worten von Eintracht-Stürmer Paciencia hörte sich das wie folgt an: „Jetzt geht es mit der harten Arbeit erst richtig los.“

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