Eine Reisende geht am Gleis des Frankfurter Hauptbahnhofs mit ihrem Koffer zu einem wartenden ICE.
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In Hessen sind bei der DB einige große Bahnprojekte in Planung. Dazu zählt der Fernbahntunnel zum Frankfurter Hauptbahnhof. (Symbolbild)

Bahnverkehr

Hauptbahnhof Frankfurt: Noch größere Lösung für Fernbahntunnel

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Planung für einen Fernbahntunnel zum Frankfurter Hauptbahnhof gehen weiter. Die ICE-Röhre unter der Innenstadt könnte sogar zwei östliche Zufahrten erhalten.

Frankfurt - Der Frankfurter Fernbahntunnel könnte noch etwas größer ausfallen und statt einer sogar zwei östliche Zufahrten erhalten. Diese Lösung mit einem Tunnelende südlich und zusätzlich einem nördlich des Mains lässt der Bund nun ebenfalls überprüfen. Sie könnte zwar teurer werden, aber ein anderes Kapazitätsproblem sehr elegant lösen - und das wäre dann unterm Strich womöglich sogar günstiger.

In nächster Zeit wollen Bund und Bahn die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für den Fernbahntunnel vorlegen. Fachbüros untersuchen seit 2020, wie ein Tunnel vor allem für ICE-Züge unter der Innenstadt den immer stärker überlasteten Hauptbahnhof entlasten könnte.

Frankfurt: Deutsche Bahn plant Fernbahntunnel – Unterirdischer Bahnhofsteil für ICE-Züge

Die Idee: Durchfahrende Züge müssen nicht mehr in der 1888 eröffneten Bahnhofshalle wenden, sondern könnten - wie zum Beispiel in Zürich - in einem neuen, unterirdischen Bahnhofsteil halten. Durch den folgenden Fernbahntunnel könnten die ICEs dann unter der Stadt hindurchrauschen. Das spart pro Zug viele Minuten - wobei sich der Nutzen potenziert, weil Frankfurt der zentrale Knoten im deutschen ICE-Netz ist. Enorm viele Züge würden Zeit sparen und damit andere Umsteigeknoten früher erreichen.

Bisher war klar, dass untersucht werden soll, ob der Tunnel an seinem östlichen Ende südmainisch in Höhe von Oberrad an die Strecke über Offenbach nach Hanau angeschlossen werden soll oder nordmainisch Höhe Ostpark an die Strecke nach Maintal und Hanau. Nun aber haben die Planer auf Wunsch des Bundes auch eine doppelte Ausfahrt untersucht. Unter der Stadt würde sich der Tunnel aufsplitten in eine Röhre zur nordmainischen und eine zur südmainischen Strecke.

Fernbahntunnel in Frankfurt: Strecken hinter Tunnel nach Hanau überlastet

Welche Folgen eine Doppelanbindung für das auf rund 3,5 Milliarden Euro Kosten taxierte Vorhaben hat, ist unklar. Bei der Bahn, die für den Bund die Machbarkeitsstudie bei Planungsbüros beauftragt hat, gibt man sich zugeknöpft - obwohl die Studie fertig ist, wie eine Sprecherin der Bahn bestätigt. "Wenn der Entwurf freigegeben ist und die Studie in der finalen Version vorliegt, werden wir sie der Öffentlichkeit vorstellen."

Obwohl bisher nur von einem "Untersuchungsraum" die Rede war, widerspricht die Sprecherin der Darstellung, dass die Doppelanbindung im Osten neu sei. "Es war von Anfang an geplant, drei verschiedene Varianten zu untersuchen: Eine nordmainische Variante, eine südmainische Variante und eine Doppelvariante mit nord- und südmainischer Streckenführung in Kombination." Doch sind selbst Fachleute, die mit den Bahnverkehrsplanungen in der Region bestens vertraut sind, über die Doppelvariante überrascht.

Sie könnte allerdings ein riesiges Problem lösen, schätzt einer der Fachleute aus einem der beteiligten Planungsbüros. Denn beide Strecken nach Hanau sind heute schon vollständig ausgelastet. Südmainisch via Offenbach fahren sehr viele Regionalzüge plus ICEs etwa Richtung Berlin und Hamburg. Via Maintal rollen ICEs etwa nach Wien und München, Regionalzüge plus alle Güterzüge zum großen Güterbahnhof Ost.

Deutsche Bahn: Doppelanbindung für Fernbahntunnel in Frankfurt?

Ein reines Umverlegen von Zugfahrten würde wohl nicht ausreichen, um auf einer der beiden Strecken genug Platz für alle Züge aus dem Fernbahntunnel zu schaffen. Denn der Bund will bis 2030 neue ICE-Linien und deutlich mehr Güterzüge verkehren lassen. Ebenso plant der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) mehr Regionalzugfahrten.

Dafür müsste mindestens eine der Strecken stark ausgebaut werden. Das ist bei beiden schwierig. In der Offenbacher Innenstadt, in Mühlheim, Fechenheim, Maintal und Hanau stünden wohl nicht wenige Häuser einem dritten Fernbahngleis im Weg. Bei einem südmainischen Ausbau müsste in Hanau-Steinheim eine zusätzliche Main-Brücke gebaut werden. Weil dort der Platz fehlt und die Züge somit durch noch engere Kurvenradien und damit noch langsamer fahren müssten, verlören die ICEs hier wohl viel von dem Zeitgewinn aus dem Tunnel wieder.

Frankfurt: Umplanung würde den S-Bahn-Ausbau bremsen

Nördlich des Mains sind zwar bereits zwei weitere Gleise geplant - jedoch exklusiv für die S5. Dafür läuft aktuell das Genehmigungsverfahren. Würde die Planung jetzt umgeworfen und auf einen Mischbetrieb geändert, würde das die Inbetriebnahme der S-Bahn-Strecke erneut verzögern - vermutlich bis zur Tunnel-Inbetriebnahme, die für die zweite Hälfte der Dreißigerjahre vorgesehen ist. Das würde in den betroffenen Orten und Kreisen wohl nicht gut ankommen. Auch nicht beim RMV: Der fordert nicht nur den Tunnel, um die frei werdenden Gleiskapazitäten in der Bahnhofshalle für mehr Regionalzugfahrten zu nutzen. Er lehnt auch einen Mischbetrieb ab. Mit diesem droht, dass sich Verspätungen anderer Züge auf S-Bahnen übertragen. Und die S-Bahn leidet seit Jahren unter Unpünktlichkeit.

Gäbe es dagegen eine doppelte Tunnelausfahrt auf östlicher Seite, könnten ICE-Züge wie heute weiterhin auf die beiden Strecken am Main entlang aufgeteilt werden. Was, schätzt der Fachplaner, ein riesiger Vorteil wäre: "Dann kann man sich einen Ausbau der beiden Strecken weitgehend sparen." Somit könnte der Tunnel mit östlicher Doppelzufahrt sogar die günstigere Lösung sein. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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