Yannick Schwander ist Ortsvorsteher von Nieder-Erlenbach und nun auch voll in der Stadtpolitik aktiv.
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Yannick Schwander ist Ortsvorsteher von Nieder-Erlenbach und nun auch voll in der Stadtpolitik aktiv.

Frankfurter Stadtverordnete

Noch jung, aber schon erfahren

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    VonDennis Pfeiffer-Goldmann
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48 neue Politiker gibt es in der 93 Parlamentarier großen Stadtverordnetenversammlung. In einer Serie werden sie portraitiert. Heute: Yannick Schwander (CDU).

Frankfurt -Ach, der ist neu hier? So recht mag man das nicht glauben. Weil Yannick Schwander (CDU) in der Stadtverordnetenversammlung ohne Lampenfieber in freier Rede seine Anliegen exakt auf den Punkt bringt. Sein rhetorisches Florett gegen den politischen Gegner wirkt ausgiebig geschult.

Auch ist der 33 Jahre alte Mann schon so bekannt in der Politik. Schließlich ist er seit 2016 Ortsvorsteher in seinem Heimatstadtteil Nieder-Erlenbach. Und seit 2015 führt er die Nachwuchsorganisation der Christdemokraten im Rhein-Main-Gebiet, die Junge Union. Den Vize-Landesvorsitz und seine Mitarbeit auf JU-Bundesebene hat er frisch abgegeben - denn in zwei Jahren erreicht er die Nachwuchs-Altersgrenze.

Viel unterwegs in sozialen Medien

Bekannt ist Schwander auch, weil er sich intensiv in sozialen Netzwerken tummelt. Auf Facebook werde viel diskutiert, mit Instagram erreiche er junge Leute, auf Twitter gehe es darum, Statements herauszuhauen à la Donald Trump. Erklärt Schwander und muss selbst lachen. Dabei passt das durchaus: Er gehört zu jener Generation junger CDU-Politiker, die selbstbewusst konservative Vorstellungen etwa gegen „Fridays for Future“ stellen.

Für den Römer hatte er bereits 2016 kandidiert, es klappte erst diesen März. Man spüre die große Verantwortung: "Jetzt bin ich einer von 93, die über einen milliardenschweren Haushalt bestimmen und die Weichen für die Zukunft stellen." Darauf ist er gut vorbereitet. Die letzten fünf Jahre nutzte der Politiker, der als Stadtsprecher der Nachbarkommune Bad Vilbel arbeitet, in seinem Heimatstadtteil, um die politische Praxis ausgiebig zu lernen.

Im ländlichen Norden Frankfurts, wo die Skyline nur aus der Ferne zu sehen ist, geht es bodenständig zu. Radwege, Neubaugebiete, Bus-Anbindung und Sportanlagen sind Themen. Oder dass beide Banken ihre Filialen im Ort schließen wollen. Jüngst schmiedete Ortsvorsteher Schwander ein überparteiliches Bündnis mit einflussreichen Kolleginnen von SPD und FDP aus den Nachbarstadtteilen. Damit die Bank-Chefs Druck bekommen und merken: Hier muckt eine breite Menge auf.

Im Ortsbeirat habe er gelernt, "dass man nur gemeinsam Dinge erreichen kann". Und dass "die menschliche Ebene" zwischen den Beteiligten stimmen müsse. Dieses Können wird Schwander nutzen können im Römer. Dort zieht er just jetzt ein, da die CDU in die Opposition wechselt.

Klimapolitik ohne Zwänge

Den Nieder-Erlenbacher hat die Fraktion, die sogar zur Hälfte aus Neulingen besteht, zum umweltpolitischen Sprecher gewählt, auch um Diversität und Europa soll er sich kümmern. Zu Europa passt, dass er Doppelstaatler ist und - des Ur-Ur-Großvaters wegen - auch einen Schweizer Pass hat. Mehr Photovoltaik müsse auf die Dächer, Haltestellenfassaden begrünt, die Frankfurter Landwirtschaft gestärkt werden. "In vielen Punkten", räumt Schwander ein, "sind wir nicht so weit weg vom Koalitionsvertrag". Doch anders als Grüne, SPD, FDP und Volt wolle die CDU die Klimaanpassung nicht zur Pflicht machen, sondern Bürgern Anreize geben mitzumachen. "Wir müssen erst den Nahverkehr und Radwege ausbauen und dann die Leute überzeugen, das zu nutzen."

Wer den jungen Politiker hört, der ahnt: Das Römer-Mandat dürfte nicht die letzte Station seiner Politikkarriere sein. Gerade wurde er am Montag zum neuen Vorsitzenden des einflussreichen CDU-Arbeitnehmerflügels CDA gewählt. Den führte 16 Jahre lang der nun scheidende Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer.

Gute Ausdauer hat Yannick Schwander zudem - Hobby: Dauerlauf. Als nächstes aber steht zunächst ein wichtiger persönlicher Schritt an. Mitte Oktober wird er in den Hafen der Ehe einlaufen. Gefeiert wird die Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Nicole, Lehrerin aus Wiesbaden, in deren Heimatstadt Hamburg.

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