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Das Reformhaus Freya hat in der Braubachstraße 23 b eröffnet. Direkt vor der Haustür ist jetzt noch eine Baustelle. Richtung Altstadt hingegen ist bereits alles ok. Allerdings: Weite Teile des Hauses – ein großer „Neubau“ (ohne historisches Vorbild) – stehen leer. Die Dom-Römer GmbH sucht noch immer nach passenden Mietern.

Durchwachsene Bilanz

Leerstand, Feuerwehrauflagen und mehr: Die neue Altstadt in Frankfurt kämpft mit vielen Problemen

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30 Geschäfte, Cafés und Museen soll es einmal in der neuen Altstadt geben. Doch fast ein halbes Jahr nach der Eröffnung sind gut ein Drittel der kommerziellen und der wenigen sonstigen Flächen noch nicht belegt.

Frankfurt - Die Adresse: Markt 40, an prominenter Stelle gelegen, direkt am Krönungsweg. Doch wer vorbeikommt, erkennt sofort den Leerstand. „Da sollte ein türkisch-portugiesisches Café rein“, sagt Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der städtischen Dom-Römer GmbH. „Aber wir haben uns zum Schluss doch nicht einigen können.“ Derzeit sucht die städtische GmbH einen Betreiber für das Café in bester Lage.

Leerstand und Probleme für Geschäfte

Noch ein weiteres Café steht leer: Das am Markt 22, direkt am Hühnermarkt. Guntersdorf ärgert sich besonders, weil die Stadt hier keinerlei Einfluss ausüben kann: „Das Haus gehört einer Stiftung, und die unternimmt nichts.“ Auf den Plänen, die das Touristenbüro am Römer für das neue Viertel ausgibt, sind vor den beiden Cafés Schirme und Tische zu sehen – Außengastronomie. Doch bislang gibt es nicht mal im Inneren etwas zum Essen und zu Trinken.

Rena Jarosewitsch ist Goldschmiede-Meisterin. Viele der Schmuckstücke, die sie in ihrer Galerie „Feinform“, Markt 28a, verkauft, hat sie selbst entworfen. „Dieses Atelier ist mein Lebenswerk“, sagt Jarosewitsch, „und ich bin ganz zufrieden. „Aber“ – sie weist auf die Sandstein-Pergola der Schirn – „warum gehen die Bänke nicht bis vorne weiter? Alte Leute brauchen Sitzgelegenheiten!“ Aus ihrer Sicht fehlt auch auf dem Römerberg ein Hinweis auf die Altstadt. „Wer es nicht weiß, geht weiter zum Main“, fürchtet sie.

Insgesamt 30 Einzelhändler und Gastronomen sollten hier bereits seit Herbst ihre Dienste anbieten. So war es ursprünglich geplant. Neun Geschäfte, Cafés und Museen sind noch nicht geöffnet, eines – das Dessous-Geschäft von Bettina Paul – steht schon wieder vor der Schließung. Doch sie scheint – nach einer Umfrage unter den Einzelhändlern – eine Ausnahme zu sein. Die anderen bleiben. Die meisten von ihnen sind sogar sehr zufrieden.

Wie Julia Escanecrabe, die Nichte der Inhaberin von „Blumen am Dom“. „Es ist ein guter Standort, die Altstadt wird gut angenommen.“ Man habe viele Kunden, vor allem Frankfurter.

Auch Baustellen in der neuen Altstadt sorgen für Ärger

Zwei große Baustellen gibt es noch – und über die ärgert sich auch Bernd Weber. Der Mitarbeiter bei Juwelier Friedrich urteilt: „Typisch Frankfurt. Mit viel Tamtam anfangen, aber dann nichts richtig zu Ende bringen. Das Rote Haus und die Goldene Waage sind noch nicht fertig“, sagt er. Wichtige Häuser. Das eine soll eine Bäckerei und ein Café mit einer geplanten Außengastronomie beherbergen, im anderen, dem Roten Haus, will Metzger Dey Ende März eröffnen. Unter dem Vordach des benachbarten Neuen Roten Hauses lagern noch Materialien. Warum sich das so lange verzögert hat? Guntersdorf rechtfertigt sich: „Wir mussten noch eine Lüftung einbauen, das hat mehrere Monate gedauert.“

Das Reformhaus Freya hat in der Braubachstraße 23 b eröffnet. Direkt vor der Haustür ist jetzt noch eine Baustelle. Richtung Altstadt hingegen ist bereits alles ok. Allerdings: Weite Teile des Hauses – ein großer „Neubau“ (ohne historisches Vorbild) – stehen leer. Die Dom-Römer GmbH sucht noch immer nach passenden Mietern.

Anders liegt der Fall an der Goldenen Waage, einem der Prunkstücke der neuen Altstadt, direkt gegenüber des Doms. Hier ist es das Haus selbst, das nicht rechtzeitig bezogen werden kann. Der geplante Termin im Dezember war nicht zu halten. Jetzt ist jedoch fest geplant, die Schlüssel für das Café Ende Februar an die Bäckerei zu übergeben. Falls nicht doch wieder etwas dazwischen kommt.

Es ist einfach, Fehler zu finden und Vorwürfe zu erheben. Die Stadt selbst hat dazu jedoch am wenigsten das Recht: Was sie und einige Kulturinstitutionen betrifft, sind sie am weitesten hinten dran. Die Bürgerberatung, Lämmchen 6, ist noch geschlossen, das Struwwelpeter-Museum, Lämmchen 2-4, wird erst im Sommer eröffnen – wohl als letztes Haus insgesamt – und das Stoltze-Museum ist auch noch nicht richtig offen. Hier liegt es allerdings an der Feuertreppe, die am noch nicht fertigen Haus „Goldene Waage“ entlang führt und deswegen nicht in Betrieb genommen werden kann, solange dort noch gebaut wird.

Auflagen der Feuerwehr werden diskutiert

Dennoch ärgerlich. Auch was Auflagen der Feuerwehr betrifft, die jetzt erst diskutiert werden. „Die Feuerwehr fordert große Flächen zum Anfahren, Rangieren, Abstellen“, klagt Michael Guntersdorf.

Wenn es nach den Maximalforderungen der Feuerwehr geht, dürfe es weder vor der Goldenen Waage, noch auf dem Hühnermarkt Außengastronomie geben – eine Katastrophe in den Sommermonaten.

Die Metzgerei Dey hat auch schon einige Male den Umzug verschoben. Das „Rote Haus“ (Markt 15) ist noch immer nicht fertig. Das „Neue Rote Haus“ daneben nimmt unter seinem Dach kurzfristig ein Materiallager auf.

Immerhin ist Gastwirt Hans-Peter Zarges, Inhaber des Wirtshaus am Hühnermarkt, sicher, dass er Tische rausstellen darf. Wie viele und wo genau, will er noch nicht sagen.

Nebenan, am Markt 20, ist das Ladengeschäft des Hauses „Zur Flechte“ derzeit noch ein Lager für Zarges Wirtshaus-Baustelle. „Wir haben noch Maler hier“, sagt Zarges. In den kommenden Wochen soll alles fertig werden, danach entsteht am Markt 20 ein Wasserhäuschen für die Nahversorgung. Auch in der Braubachstraße 23 werden noch Betreiber gesucht. Das Reformhaus Freya ist schon da. Die „B 23“, wie es intern heißt, war während der Bauphase der Altstadt anderweitig genutzt worden, unter anderem für eine Kita.

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