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Jaume Plensas "Body of Knowledge", eine Schenkung Johanna Quandts, ziert den Platz zwischen Casino und Hörsaalgebäuden.

Gender-Debatte

Nur noch Unisex-Toiletten im neuen Studierendenhaus?

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Selten ist der Geschlechter-Unterschied klarer als an den Toilettentüren. Im neuen Studierendenhaus, das auf dem Campus Westend gebaut wird, soll dies nach dem Mehrheitswillen des Studierendenparlaments anders werden.

Das Parlament hat sich in seiner jüngsten Sitzung für „Unisex-Toiletten“ ausgesprochen. Lediglich am Eingang soll es noch eine geschlechtsspezifische Toilette geben – für Frauen. „Es ist ein Pilotprojekt, zumindest für Frankfurt“, sagt Asta-Vorstand Daniel Katzenmaier (Grüne). Tim Bergmüller vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) kritisiert: Der Asta habe sich von den wirklichen Problemen der Studenten entfernt.

Dass die Gefahr sexueller Übergriffe zunimmt, bestreitet Katzenmaier. Dass Frauen sich womöglich durch Wandschmierereien der Männer belästigt fühlen, sei auch kein Problem: „Auf Frauentoiletten ist es auch oft schmutzig.“

Der Entschluss des Parlaments folgt der Gender-Debatte, wonach Geschlechter soziale Konstrukte seien. Transsexuelle sollten sich nicht diskriminiert fühlen müssen. Damit ist der Entschluss auch ein politisches Signal: „In Schweden und in Großbritannien sind Unisex-Toiletten doch auch kein Problem“, sagt Katzenmaier. Vor einem halben Jahr wurden in Berlin-Mitte im Rathaus die ersten Unisex-Toiletten eingeweiht. Ansonsten ist Deutschland Unisex-Entwicklungsland. Der RCDS sieht diese Entwicklungshelferrolle dennoch kritisch. „Das kann Mehrkosten beim Bau des Studierendenhauses verursachen“, warnt Bergmüller. Während Katzenmaier glaubt, das Land übernehme diese Kosten, zweifelt Bergmüller daran.

Es gibt aber offene Fragen. Das Arbeitsstättengesetz schreibt für die Angestellten geschlechtergetrennte Toiletten vor. Dafür sind einige WCs vorgesehen. Seitens der Bauaufsicht der Stadt sagte gestern deren stellvertretender Leiter Rainer Kling, es sei zu prüfen, ob der regelmäßige Betrieb des Kinos Pupille das Studierendenhaus zu einer Versammlungsstätte mache. Denn auch die Versammlungsstättenverordnung sieht geschlechtergetrennte Toiletten vor. Vom Wissenschaftsministerium, dem Bauherrn des Studierendenhauses, war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

(tjs)

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