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Kameradschaftlicher Umgang: Der unterlegene Ansgar Dittmar (rechts) gratuliert dem SPD-Direktkandidaten im Bundestagswahlkreis 182 (Frankfurter Westen).

Außenseiter setzt sich durch

SPD nominiert Oliver Strank als weiteren Bundestagskandidaten

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Die Frankfurter SPD hat im Wahlkreis 182 Oliver Strank als ihren Bundestagsdirektkandidaten nominiert. Nach der Nominierung von Ulli Nissen im Wahlkreis 183 kann nun die SPD mit dem Duo „Ulli und Oli“ bei der Bundestagswahl 2017 antreten.

Es war eine kleine Sensation: Nicht der hoch gehandelte Frankfurter Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Ansgar Dittmar, machte das Rennen um die Direktkandidatur im Frankfurter Westen, sondern sein jüngerer Konkurrent Oliver Strank. Beide hatten sich bei den SPD-Ortsvereinen im Frankfurter Westen vorgestellt und um die Bundestagskandidatur geworben. Auf dem Parteitag setzte sich dann überraschend der 37-jährige Strank mit 79 zu 71 Stimmen durch.

Politisch gibt es zwischen beiden Bewerber kaum Unterschiede. Beide sind Anwälte. Der 45-Jährige Dittmar ist Arbeitsrechtler, Strank Wirtschaftsanwalt. Möglicherweise hat zugunsten Stranks seine qualifizierte Gegenerschaft gegen die Freihandelsabkommen Ceta und TTIP den Ausschlag gegeben.

Dittmar wollte die Delegierten mit dem Slogan

„SPD pur“

für sich gewinnen. Dazu zählte er die Stärkung des sozialen und genossenschaftlichen Wohnungsbaus sowie eine Renaissance der Werkswohnungen. Er forderte eine „echte Mietpreisbremse“ und eine Reform des Mietspiegels. Die Einführung des Mindestlohns sei zwar ein Erfolg für die SPD, „aber 8,50 Euro sind zu wenig“. Für die Sicherheit im Alter sei ein stabiles Rentenniveau von 50 Prozent erforderlich.

„Die Lasten sind falsch verteilt“, bilanzierte Dittmar. Deshalb will er die Reichen durch eine progressiven Spitzensteuersatz stärker in die Pflicht nehmen. Er sei seit 28 Jahren SPD-Mitglied und habe sich über die „Basta-Politik“ von Gerhard Schröder geärgert. Dittmar glänzte durchaus mit rhetorischer Routine und Gewandtheit, die er auch seinem Beruf verdankt. Sein Kontrahent Strank wirkte zunächst etwas verhalten, vielleicht sogar verkrampft, kam aber im Verlauf seiner Rede immer besser in Fahrt. Er ist das zweite von vier Kindern, habe eine doppelte Staatsbürgerschaft, „weil die Mutter aus England und der Vater aus dem heutigen Polen stammt“. Als Kind habe der zwei große Leidenschaften gehabt: Cello und Fußball. Seine Eltern hätten sich die Bildung der Kinder vom Munde abgespart. „Ich bin mit dem festen Glauben auf das Aufstiegsversprechen aufgewachsen“, sagte er. „Ohne Stipendium hätte ich nicht studieren können.“ Es sei eigentlich selbstverständlich, aber er habe seine Doktorarbeit mit Fußnoten selbst geschrieben. Darin gehe es um das Gemeinwohl. Schon früh habe er die Debatte über TITIP und Ceta angestoßen.

Für beide Kandidaten meldeten sich Unterstützer zu Wort. Juso-Sprecher Frederik Michalke lobte Dittmar für seine „klare Kante und sein Profil“. Der ehemalige SPD-Schatzmeister Hans Busch sprach sich ebenfalls für Dittmar aus. Dieser habe als Awo-Vorsitzender gezeigt, dass sein Reden mit dem Handeln übereinstimme. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling würdigte, „dass Oli das Thema TITIP aufgegriffen hat, als ich das noch für eine Klebemarke gehalten habe“. Die Stadtverordnete Milkica Romic bekannte, sie finde beide sehr sympathisch. „Ich wollte, es wäre anders“, sagte sie und empfahl auf herzliche Weise den Delegierten die Wahl Oliver Stranks. Der wird voraussichtlich auf den Amtsinhaber Matthias Zimmer (CDU) treffen. Dieser muss sich heute beim CDU-Parteitag gegen den parteiinternen Herausforderer Veljko Vuksanovic durchsetzen, ist aber Favorit. (tre)

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