Frankfurt am Main, 17.08.2013, Stadtteil Sachsenhausen, Alt-Sachsenhausen, 523. Sachsenhäuser Brunnenfest. Hier: Blick in eine der Gassen.
Foto und Copyright by Rainer Rüffer (Rueffer), Frankfurt am Main, E-MaiL: rainer.rueffer@gmail.com, Tel-Mobil: (0171) 8406196. Veröffentlichung nur gegen Honorar und Beleg.
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Frankfurt am Main, 17.08.2013, Stadtteil Sachsenhausen, Alt-Sachsenhausen, 523. Sachsenhäuser Brunnenfest. Hier: Blick in eine der Gassen. Foto und Copyright by Rainer Rüffer (Rueffer), Frankfurt am Main, E-MaiL: rainer.rueffer@gmail.com, Tel-Mobil: (0171) 8406196. Veröffentlichung nur gegen Honorar und Beleg.

"Antanzen" in Alt-Sachsenhausen

Nordafrikanische Trickdiebe beschäftigen die Polizei schon länger

  • VonChristian Scheh
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Nach den sexuellen Übergriffen und Diebstählen in der Silvesternacht laufen die Ermittlungen der Frankfurter Polizei auf Hochtouren. Dass nordafrikanische Diebe gezielt in Sachsenhausen und am Mainufer nach Opfern suchen, ist der Behörde schon seit 2013 bekannt. Das geht aus internen Dokumenten hervor.

Nordafrikanische Täter, die in Sachsenhausen und am Main auf Beutezug gehen, sind dem Frankfurter Polizeipräsidium nicht erst seit der Silvesternacht bekannt. Die zugehörige Direktion Süd mit Sitz in Sachsenhausen hat im Juni 2015 sogar eine „Sommeroffensive“ gestartet, um etwas gegen den verstärkten Trick- und Taschendiebstahl durch Marokkaner, Algerier und andere Nordafrikaner im Vergnügungsviertel und am Mainufer zu tun. Bei den Taten wurden die Opfer mitunter auch angetanzt, umarmt und angerempelt.

Aus internen Dokumenten, die dieser Zeitung zur Ansicht vorgelegt wurden, geht hervor, dass die Polizei bereits im August 2013 auf nordafrikanische Trick- und Taschendiebe aufmerksam wurde. Bis Juni 2015 nahm die Polizei allein in Sachsenhausen und am Mainufer 98 Tatverdächtige fest. Von diesen stammten 74 aus Nordafrika. Während die Diebe zunächst nur im Kneipenviertel zuschlugen, weiteten sie ihre Aktivitäten im Frühling des vergangenen Jahres auf Feiernde am südlichen Mainufer aus.

In den Dokumenten ist zu lesen, dass ein Großteil der Täter aus der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Meisenbornweg in Gießen stammte. Weil die Festgenommenen nicht wieder auftauchten, vermutete die Polizei, „dass die Täter von einem Logistiker in die Zielgebiete entsandt werden, dieser auf die Festnahmen reagiert und die Leute dann an einem anderen Ort einsetzt“.

Auch Informationen über den Reiseweg der Täter hatte die Landespolizei mit Hilfe der Bundespolizei – zuständig für den Hauptbahnhof – ermittelt: Die Klientel, so geht aus den Dokumenten hervor, reise am früheren Abend mit Regionalbahnen an, ziehe über das Bahnhofsviertel und die Innenstadt bis nach Sachsenhausen, „fortwährend nach Tatgelegenheiten schauend“. In den frühen Morgenstunden trete die Klientel dann den Rückweg zum Hauptbahnhof an und reise mit Bahnen zurück nach Gießen.

Eine Polizeistatistik zeigt, dass im Vergnügungsviertel und am Mainufer von August bis Dezember 2013 insgesamt 55 Taschen- und Trickdiebstähle gezählt wurden. Im Jahr 2014 waren es 301 Fälle, von Januar bis Mitte Juni 2015 insgesamt 129. Die Monate mit den höchsten Fallzahlen waren der November 2014 mit 46 und der Mai 2015 mit 45 Fällen.

Im Dezember 2014 stellte die Polizei in einer Nacht in Alt-Sachsenhausen 16 Trickdiebstähle fest. Die meisten Opfer waren zur Ablenkung angetanzt oder umarmt worden, hinterher war ihr Handy oder Bargeld weg. Im Rahmen der Fahndung wurde eine Gruppe von neun Männern im Alter von 16 bis 31 Jahren festgesetzt. Die Tatverdächtigen, die aus Erstaufnahmeeinrichtungen in Gießen oder Gelnhausen kamen, trugen 14 gestohlene Handys, mehrere Geldbörsen und über 6000 Euro in bar bei sich.

Die Polizei vermeldete seit 2013 einige Fälle, in denen alkoholisierte Frauen und Männer in Sachsenhausen zur Ablenkung angetanzt, umarmt, angerempelt und in einem Fall auch umzingelt wurden. Weil die Polizei mit Trick- und Taschendiebstählen an Silvester rechnete, schickte sie mehrere Beamte in Uniform und Zivil in die Menge. Deshalb, so sagt ein Sprecher, hätten in Alt-Sachsenhausen ja auch sieben Tatverdächtige festgenommen werden können. Sie waren allesamt Asylbewerber aus Nordafrika.

Die Zahl der Meldungen von Frankfurter Übergriffen in der Silvesternacht hat sich unterdessen auf 29 erhöht. In den meisten Fällen wird nach Polizeiangaben wegen Beleidigung auf sexueller Grundlage ermittelt. Eine unsittliche Berührung reiche für den Tatbestand der sexuellen Nötigung nämlich nicht aus. Am Eisernen Steg hatten junge Männer an Silvester wie berichtet mehreren Frauen an den Po, die Brust oder in den Schritt gefasst. In einigen Fällen waren mit den Übergriffen auch Diebstähle verbunden. Ob das Grapschen der Ablenkung der Opfer dienen sollte oder sexuell motiviert war, wird ermittelt. Auch der Frage, ob die Taten organisiert begangen wurden, gehen die Ermittler nach.

So handgreiflich wie die Silvester-Täter waren die Sachsenhäuser Taschendiebe zwischen 2013 und 2015 laut Polizei nicht: „Nach unseren Erkenntnissen wurden die Taten ausschließlich mit der Zielrichtung Diebstahl begangen“, sagt ein Behördensprecher. „Beim Antanzen erfolgt naturgemäß ein enger Körperkontakt, jedoch wurde keine Beschwerde über sexuelle Belästigung geführt.“

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