Kaweh Nemati ist im Moment nicht zu beneiden. Mit seinen Mitstreitern von der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße muss er das Berger Straßenfest planen, hat aber noch keine Genehmigung dafür. Im schlimmsten Fall war alles umsonst.
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Kaweh Nemati ist im Moment nicht zu beneiden. Mit seinen Mitstreitern von der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße muss er das Berger Straßenfest planen, hat aber noch keine Genehmigung dafür. Im schlimmsten Fall war alles umsonst.

Straßenfest

Nordend: Im Blindflug Richtung Berger Straßenfest

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Viele Unwägbarkeiten erschweren die Planung. Ein Minus bei Einnahmen ist kalkuliert.

Nordend -Der Termin für das Berger Straßenfest steht, doch ob es tatsächlich am Wochenende, 11. und 12. September, steigen kann, ist derzeit alles andere als gesichert. Zu viele Unwägbarkeiten gibt es noch: So liegt noch keine Genehmigung von der Stadt vor, und steigende Inzidenzzahlen können die Pläne ohnehin kurzfristig noch durchkreuzen. "Im Moment gleicht das alles einem Blindflug", sagt Kaweh Nemati, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße (IGUB), die das Fest veranstaltet. Der Ausgang ist also noch offen.

Abwarten ist keine Alternative

Nemati rechnet erst Anfang August mit einer Nachricht der Stadt - auch deshalb sei auf Werbung bislang verzichtet worden. Bis zum Eintreffen der Nachricht abzuwarten, so sagt er, sei allerdings keine ratsame Alternative. Die Vorbereitungen für das Fest müssten schließlich weitergehen beziehungsweise erst richtig starten. Absperrungen sind zu organisieren, Sicherheits- und Reinigungsdienste zu beauftragen, die Standorte für Stände einzuteilen und, und, und ...

Seit Mitte vergangener Woche läuft zudem eine Befragung von Geschäftsleuten und Gastronomen: Wer sich mit einem Stand an dem Straßenfest beteiligen will, soll die IGUB kontaktieren. Möglichst schnell natürlich.

Der IGUB-Vorsitzende rechnet aber mit deutlich weniger Ständen auf dem Abschnitt zwischen Bethmannpark und Höhenstraße als noch zu Vor-Corona-Zeiten. Wegen der Pandemie müsste einerseits mehr Abstand gehalten und die Stände luftiger aufgebaut werden. Andererseits, und darin sieht er langfristig das größere Problem für die untere Berger Straße, habe sich die Geschäftsstruktur in der Einkaufsstraße zuletzt wegen Corona gewandelt. "In den vergangenen 18 Monaten haben einige Geschäftsleute aufgeben müssen. Die Gastronomie hat nochmals Zuwachs bekommen", bedauert Nemati.

Denn darunter leide nicht nur die Attraktivität der Straße. Auch auf das Berger Straßenfest wirke sich dieser Umstand negativ aus, weil wegen zusätzlicher Sommergärten noch weniger Flächen für Stände zur Verfügung stünden. Und das wiederum habe zur Folge, dass die IGUB noch weniger Einnahmen generieren könne. Er kalkuliert mit Einbußen in Höhe von 7000 bis 8000 Euro. Dieses Geld fehle dann für andere Projekte, etwa die Weihnachtsbeleuchtung im Dezember.

Angesichts der widrigen Umstände hadert Nemati immer noch mit der Entscheidung des Amtes für Straßenbau und Erschließung (ASE) als genehmigende Behörde, "die Sommergärten für Gastronomen unantastbar zu machen".

Hilferuf gestartet

Anfang September 2019 hatte der IGUB-Vorsitzende deshalb einen Hilferuf gestartet und gedroht, die 35. Auflage des Straßenfestes abzusagen. Er kritisierte die Wirte entlang der Partymeile, weil sich immer mehr von ihnen finanziell nicht am Fest beteiligen, an den beiden Tagen aber das Geschäft ihres Lebens machen. Und er drängte darauf, dass die IGUB während des Straßenfestes die Hoheit über die Sommergärten entlang der Partymeile hat, um die Wirte anweisen zu können, Tische und Stühle zu beseitigen, wenn etwa Rettungswege freizuhalten sind.

Das Amt für Straßenbau und Erschließung, so die Forderung, solle einen entsprechenden Passus in die jeweiligen Verträge einfügen. Damit könne man sich Diskussionen mit uneinsichtigen Wirten sparen. Und Nemati verwies auf eine übliche Praxis: "Bei den Wochenmärkten hat der Veranstalter ja auch die Hoheit über den Platz." Das bestritt das ASE zwar nicht, wies jedoch darauf hin, dass die Forderung der IBUG rechtlich nicht möglich sei. Mit Blick auf die Zukunft des beliebten Straßenfestes im Nordend ist dem Optimisten Nemati mittlerweile doch etwas Bange. Seinen Angaben zufolge ist einfach eine gewissen Größe erforderlich, damit Ausgaben und Einnahmen im Verhältnis stünden. Auf ein Entgegenkommen der Stadt, die beispielsweise bei den Kosten für die Straßenreinigung einen Nachlass gewähren könnte, hofft er allerdings nicht. Denn auch die Stadt Frankfurt habe in Pandemie-Zeiten mit deutlichen Mindereinnahmen zu kämpfen. Matthias Bittner

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