Die Künstlerin Chris Kircher hat einen Ferienworkshop in der Grünen Lunge organisiert, in dem die Kinder Kunst aus der Natur gestalten können.
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Die Künstlerin Chris Kircher hat einen Ferienworkshop in der Grünen Lunge organisiert, in dem die Kinder Kunst aus der Natur gestalten können.

Ferien-Projekt

Nordend: Ihr Kunst-Atelier ist die Natur

  • vonAlexandra Flieth
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Grundschüler entdecken auf kreative Art die Vielfalt in der Grünen Lunge

Nordend -Zu den Lieblingstieren von Simon gehören Schildkröten. Gleich zwei Mal hat der Siebenjährige die gepanzerten Reptilien aus kleinen Ästen, Holz und Obstkernen zu zwei plastischen Bildern gestaltet, die er stolz zeigt. Der Grundschüler nimmt gemeinsam mit sechs anderen Kindern im Alter von sieben bis neun Jahren an einem Workshop teil, in dem die Gruppe spielerisch und kreativ eintaucht in die Natur.

Geleitet wird das einwöchige Sommerferien-Angebot von der Künstlerin und Botanikerin Chris Kircher in den Gärten der Grünen Lunge, die direkt an das obere Ende des Günthersburgparks angrenzen. Das Kleinod, das dort noch existiert, ist bedroht. Gegen die Planungen, die Flächen in Bauland umzugestalten und dort das Innovationsquartier zu errichten, hat sich die Bürgerinitiative (BI) "Grüne Lunge am Günthersburgpark" gegründet, die sich für den Erhalt einsetzt. Chris Kircher gestaltet den Workshop in Zusammenarbeit mit der Merianschule, der BI zum Erhalt der Grünen Lunge und dem Berufsverband Bildender Künstler (BBK).

Heimat für Insekten, Vögel und Pflanzen

Dass es sich bei den Kleingärten um grüne Oasen handelt, die Bäumen, Pflanzen und auch zahlreichen Insekten, Vögeln und Eichhörnchen eine Heimat bieten, wird in den Gärten sichtbar, in denen Chris Kircher den Kreativ-Workshop durchführt. Die Künstlerin engagiert sich bei den Gemüseheldinnen, einer Initiative, deren Mitglieder in der Grünen Lunge Gärten bewirtschaften - nach dem Prinzip der Permakultur. Auf drei dieser Flächen wird auch der Kurs durchgeführt.

Es ist ruhig, die Vögel zwitschern, Bienen fliegen umher und landen auf den Blüten zahlreicher Pflanzen, die dort wachsen. Ein Gefühl von Urlaub macht sich breit. Selbstgestaltete beschriftete Schilder klären auf, um welche Gewächse es sich handelt. Mittendrin sind die Mädchen und Jungen des Workshops, sitzen um einen großen Tisch und basteln mit allem, was sie in der Natur gefunden haben. Dazu zählen Rinde, Zweige, Blüten oder auch Fichtenzapfen. "Ich habe sogar einen pinken Löwenzahn entdeckt", erzählt Clara (7) ganz stolz. Zeigen kann sie diese besondere Blüte aber nicht, denn sie wird gerade in einem Buch getrocknet.

"Wir machen mit den ganz Sachen Kunst", klärt Paula (7) auf. Ihr Bruder Theo (9) experimentiert: "Wir haben diese Kästen aus Papier gefaltet. Darauf habe ich Klebstoff gemacht und Erde aus dem Garten daraufgestreut, die daran festgeklebt ist", erklärt er. Entstanden sind abstrakte Kompositionen, die an ein kreisförmiges Labyrinth erinnern. Die anderen Kinder finden die Idee und das Ergebnis toll. Sie probieren es gleich auch einmal selbst aus. Und so entstehen nach und nach immer mehr Bilder mit Materialien aus der Natur. Daheim können die Kinder ihre Werke ganz leicht an der Wand befestigen.

"Gartengeister" aus Matsch geformt

Clara (7) zeigt bei einem kleinen Rundgang ein weiteres Projekt der Kinder: "Gartengeister". "Wir haben einen Teig aus Matsch, Mehl und Eier gemacht", erklärt es die Grundschülerin. "Das haben wir zusammengeschüttet, verrührt und verknetet." Aus der braunen Masse wurden dann runde Flächen geformt. Mit kleinen Steinen, Stroh oder Ästen sind diese zu kleinen Gesichtern geworden, die von den Kindern an den Stämmen der Bäume befestigt wurden.

"Während des Kurses schauen wir uns regelmäßig in der Natur um und denken uns etwas aus", sagt Kircher. "Im vergangenen Kurs haben wir mit Pflanzenfarben experimentiert und einen Teich für Molche gestaltet." Auch während dieses Workshops sei geplant, mit Pflanzenfarben zu malen. "Mir macht es Spaß, dass wir draußen sind", sagt Clara weiter. Dass sei nicht wie in der Schule, wo vieles drinnen ist.

Die Teilnahme am Sommerferienkurs ist für die Mädchen und Jungen kostenfrei. Finanziert wird er über das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft. Alexandra Flieth

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