Baute sich schon als junger Mann sein erstes eigenes Studio: Der Autor und Filmproduzent Thomas Pohl (55). Heute residiert und produziert er - die Gitarre an der Wand - im Mittelweg.
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Baute sich schon als junger Mann sein erstes eigenes Studio: Der Autor und Filmproduzent Thomas Pohl (55). Heute residiert und produziert er - die Gitarre an der Wand - im Mittelweg.

Hörbuch

Nordend: Auf Spurensuche im Hinterhaus

  • vonGernot Gottwals
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Bereits während des Studiums sammelte Thomas Pohl erste Erfahrungen in der Produktion von Filmen und Musikstücken. Nun produziert der Autor eine Audiofassung seines deutsch-deutschen Thrillers im eigenen Studio

Nordend -Der Weg von Frankfurt in die DDR ist ein Spießrutenlauf. Der Soundtrack steigert sich mit sublimer Spannung, als sich Michael und sein Vater Ludwig Wiesner dem Grenzübergang Herleshausen nähern. Neonstrahler und Selbstschussanlagen markieren den "Antifaschistischen Schutzwall", der sich am 9. November 1989 schließlich in Wohlgefallen auflöst: "Meiner Meinung nach tritt das sofort ein..... unverzüglich", sagt Günter Schabowski bei der Pressekonferenz im SED-Zentralkomitee.

Grenzbarrieren und Stasibüros

Mit der Audiofassung macht der Autor und Filmproduzent Thomas Pohl (55) seinen deutsch-deutschen Thriller "Absender Ost-Berlin" auch als Hörbuch erlebbar. In seinem Studio in einem Hinterhaus im Mittelweg 43 hat sich Pohl auf Spurensuche begeben: Während er sich sonst im gemütlichen Souterrain mit Drehbüchern und Soundtracks in die weite Welt beamt, um Bild- und Toneindrücke seiner Fernreisen zu Werbe- und Dokumentarfilmen zu arrangieren, hat er sich nun in die Abgründe miefiger Stasibüros sowie abweisender Gefängnisse und Grenzbarrieren des einstigen Arbeiter- und Bauernstaates begeben.

"An diesem Roman arbeite ich schon seit weit über zehn Jahren, wenn man die ganze Zeit der Recherchen mit dazurechnet", erklärt Pohl. "Zum Schreiben der gedruckten Fassung habe ich mich allerdings in die Espresso-Bar zurückgezogen." Denn diese "Institution im Nordend" empfindet Pohl als Ort der Ruhe und des Beobachtens typischer Gäste, von denen sich der ein oder andere in veränderter Gestalt im Roman wiederfindet.

Wozu diese ganze Mühe? Tatsächlich fühlt sich Pohl als gebürtiger Frankfurter Bub über seine Verwandtschaft in Eisenach mit der früheren DDR verbunden - und erinnert sich dabei besonders gerne an die abenteuerlichen Besuche bei seiner Oma in Vacha, jenem Dörfchen im Sperrgebiet, das die "Wessis" von der anderen Seite der Grenze mit dem Fernglas beobachten, jedoch unter normalen Umständen kaum jemals betreten durften.

Seinen Protagonisten Michael Wiesner lässt Pohl als strebsamen Studenten und eifernden Jungjournalisten vor allem im geteilten Berlin und in Bonn agieren, der den ergrauten Herren auf dem Bundespresseball schon bald die Show stiehlt. "Auch mein Vater war Journalist, folglich habe ich bereits als Kind viele Medienleute kennengelernt", erklärt Pohl.

Doch der schnelle Erfolg hat für Wiesner einen hohen Preis: Der Jungjournalist bekommt seine brisanten Dokumente von der Stasi zugespielt, macht sich damit abhängig und erpressbar von den Drehbuchautoren des inszenierten Arbeiter- und Bauernparadieses, das ihn doch auf irgendeine Art und Weise magisch anzuziehen scheint.

Sächsischer Zungenschlag

Doch dieses typische DDR-Feeling in einem erzählten Hörbuch nachzuempfinden, gerät an manchen Stellen auch zur Herausforderung. Während man bei den Chefs im Politbüro auf Originaltöne zurückgreifen kann, müssen die kleinen Grenzer und Stasifunktionäre mit ihrem typischen sächsischen Zungenschlag mit der verstellten eigenen Stimme gesprochen werden, müssen hektisches Klopfen, Drehen der Wählscheiben am Telefon und knatternde Trabimotoren zusammen mit passender Hintergrundmusik die Stimmung abrunden.

"Irgendwie habe ich in dem Buch auch einen Teil meiner eigenen Biographie verarbeitet", sagt Pohl.

1965 wurde er in Frankfurt geboren, seine Kindheit wurde geprägt vom Familienleben des Vaters, der die Ostzone noch rechtzeitig verlassen konnte. Thomas Pohl studierte von 1986 bis 1992 Musik und Germanistik an der Goethe-Universität in Frankfurt.

Bereits während des Studiums sammelte Pohl erste Erfahrungen in der Produktion von Filmen und Musikstücken. "Ich konnte damals für Yamaha arbeiten und dort zugleich günstig an Musik- und Tonanlagen kommen", sagt er. Recht bald reichten seine Verdienste sogar für ein erstes kleines Studio: "Während andere junge Männer in meinem Alter schicke Autos kauften, erfüllte ich mir eben diesen Lebenstraum", betont Pohl.

Klar, dass auch im Roman die Arbeit der Toningenieure in den Nachrichtenstudios eine besondere Rolle spielt. Ein weiterer beliebter Schauplatz sind Cafés, hier werden Eindrücke aus der Espresso Bar verarbeitet - und hier lernt Michael auch die Studentin Anna kennen, die sein Leben nicht nur als seine neue Freundin entscheidend verändern wird. Gernot gottwals

Absender Ost-Berlin

Der Titel ist im Buchhandel für 2,99 Euro als E-Book, für 11,99 Euro als Paperback und 20,99 Euro als Hardcover erhältlich.

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