Kaweh Nemati fände es toll, wenn die Kümmerin in der Unteren Berger Straße unterwegs wäre. Doch die Kasse ist leer. Die Kollegen vom Gewerbeverein Bornheim-Mitte können das auslaufende Pilotprojekt alleine auch nicht stemmen.
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Kaweh Nemati fände es toll, wenn die Kümmerin in der Unteren Berger Straße unterwegs wäre. Doch die Kasse ist leer. Die Kollegen vom Gewerbeverein Bornheim-Mitte können das auslaufende Pilotprojekt alleine auch nicht stemmen.

Berger Straße

Nordend/Bornheim: Geschäftsleuten fehlt Geld für eine Kümmerin

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Gewerbeverein und Interessengemeinschaft suchen Lösung, um Pilotprojekt weiterzuführen.

Nordend/Bornheim -Hätte Kaweh Nemati freie Hand und könnte aus dem Vollen schöpfen, dann würde er die Dienste von Kümmerin Margit Martin-Marx sofort in Anspruch nehmen. Sie ist in der Oberen Berger Straße unterwegs. Ihre Aufgabe ist es, mit den Geschäftsleuten über deren Befindlichkeit und Probleme zu sprechen, bei Bedarf mit Vertretern von Ämtern zu telefonieren oder Müll und Dreck bei der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) zu melden. Und sie hat auch den Leerstand in der Berger Straße im Blick. "Dem ehrenamtlichen Vorstand des Gewerbevereins Bornheim-Mitte hält sie den Rücken frei", sagt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße (IGUB) anerkennend.

Das Pilotprojekt in Bornheim, das vom dortigen Gewerbeverein und dem Wirtschaftsdezernat der Stadt gemeinsam finanziert wird, läuft Ende des Jahres aus. Idee und Konzept stammen vom gemeinnützigen Unternehmen "Lust auf besser Leben". Die Einzelhändler in Bornheim haben laut Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim-Mitte, gute Erfahrungen gemacht und möchten die Kümmerin gerne weiterbeschäftigen. Weil sie das aber alleine nicht bezahlen können, am liebsten in Kooperation mit der IGUB.

IGUB-Vorstand stimmt dagegen

Doch genau da liegt das Problem für Nemati. Angesichts der angespannten Kassenlage habe es der IGUB-Vorstand abgelehnt, sich an der Finanzierung der Kümmerin zu beteiligen. "Ich kann das verstehen, wir müssen wirklich sparen. 2400 Euro übers Jahr gesehen, sind viel Geld", betont Nemati mit Blick auf das ausgefallene Berger Straßenfest. Mit dessen Einnahmen finanziert die IGUB viele Projekte, etwa die Weihnachtsbeleuchtung der Berger Straße. 2020 bleibt die Einkaufsstraße aber wegen der finanziellen Schieflage wohl dunkel.

Karin Guder, grüne Ortsvorsteherin im 3er (Nordend), hält das Kümmerer-Konzept für eine gute Sache. "Dem Teil der Berger Straße im Nordend würde das sicher gut tun", sagt sie. Auf ihre Initiative hin wird in der kommenden Sitzung des Stadtteilparlamentes ein Papier vorgelegt, in dem der Magistrat gebeten wird, entsprechende Mittel bereitzustellen. Geld aus dem Ortsbeiratsbudget werde es aber nicht geben, sagt Guder. Grüne, SPD, Linke und FDP sind als Antragsteller auf dem Papier aufgeführt - allein deshalb gibt es schon eine Mehrheit dafür.

Die CDU-Fraktion wurde zwar auch gefragt, hat laut deren Vorsitzender Claudia Ehrhardt aber verzichtet, auf dem Antrag-Kopf zu stehen, weil einige Dinge unklar oder schwammig formuliert seien. So seien beispielsweise die Kosten für das Kümmerer-Projekt auf der Unteren Berger Straße überhaupt nicht beziffert. Außerdem würden sich Tätigkeiten der Kümmerin teilweise mit denen des Stadtbezirksvorstehers überschneiden - ein Stichwort: Schlaglöcher melden. "Das heißt aber nicht, dass wir das Projekt nicht unterstützen. Auch wir setzen uns für saubere Straßen ein", sagt die CDU-Politikerin.

Sie sieht aber die Gefahr, dass der Ortsbeirat über kurz oder lang das Projekt aus seinem Budget finanzieren soll. Der Grund: Angesichts der Corona-bedingten Verluste werde notgedrungen der Rotstift angesetzt werden müssen. Die Konsequenz für den Ortsbeirat: Er werde noch mehr einspringen müssen und Projekte finanzieren müssen. Deshalb sei es wichtig, eher zwei Mal zu überlegen, für was der Ortsbeirat jetzt Geld ausgeben will, meint Claudia Ehrhardt.

Franz Steul sieht die Stadt in der Pflicht und verlangt einen Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten. "Die Stadt muss sich entscheiden, was es ihr wert ist, saubere und attraktive Einkaufsstraßen zu haben", sagt er. Die Gewerbevereine würden sich nicht gegen eine finanzielle Beteiligung wehren. Komplett bezahlen könnten sie es aber nicht. Matthias Bittner

Ortsbeirat 3 (Nordend)

Sitzung heute um 19.30 Uhr, Bürgerhaus Bornheim (Saal), Arnsburger Straße 24.

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