Siegerentwurf für den Stadtteil im Nordwesten: Praunheim (unten) und die Nordweststadt (rechts) sollen um anschließende Wohnviertel erweitert werden. Auch für Steinbach (oben links) schlagen es die Stadtplaner vor.
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Siegerentwurf für den Stadtteil im Nordwesten: Praunheim (unten) und die Nordweststadt (rechts) sollen um anschließende Wohnviertel erweitert werden. Auch für Steinbach (oben links) schlagen es die Stadtplaner vor.

Stadtentwicklung

Nordwest-Stadtteil soll Nachbarn Vorteile bringen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Die städtische Chefberaterin Silke Weidner wirbt für eine "gesunde Mischung" in den neuen Quartieren. Doch vorab müsse die Stadt noch etwas klären.

Frankfurt -Für die Bewohner von Praunheim, Niederursel und der Nordweststadt kann der neue Nordwest-Stadtteil Vorteile bringen. Das betont die Chefberaterin der Stadt für den neuen Stadtteil, die Cottbuser Stadtplanungsprofessorin Silke Weidner. Sie empfiehlt aber, die Stadt müsse erst ein wichtiges Thema klären.

Ob Frankfurt an der A5 wächst, müssen die Stadtverordneten noch entscheiden. Wie gebaut werden könnte, ist seit November klar. Da hat die unabhängige Fachjury, das Consilium, den Entwurf "Quartiere im Kreislauf" des Architekturbüros Cityförster aus Hannover und des Landschaftsplaners "Urbanegestalt" aus Hannover zum Sieger gekürt.

Die Planer schlagen vor, dass Praunheim und die Nordweststadt bis an die A5 wachsen, wobei Steinbach- und Lachgrabental frei bleiben. Ein drittes Quartier könnte an der Stadtgrenze nach Steinbach östlich der Homburger Bahn entstehen - als Erweiterung Steinbachs. Westlich der A5 stellen sich die Planer ansonsten weiterhin Felder vor, die aber neu geordnet werden sollten. So könne die Nutzung vielfältiger und stärker direkt an den lokalen Bedarf ausgerichtet werden.

Alleen, Gärten, Haine statt eintöniger Felder

"Die Landwirtschaft ist dort heute sehr eintönig", sagt Weidner, die Vorsitzende des Consiliums. Unter anderem einen Apfelweinhain, Gartenland, Alleen und einen öffentlichen Bauernhof wollen die Planer stattdessen. "Eine innovative Idee", über die Umsetzung müsse aber noch diskutiert werden, betont Weidner.

Das viele Grün hat seinen Preis: Der Siegerentwurf kommt statt der von der Stadt als Ziel gesetzten 15 000 Wohnungen nur auf 10 000. Die Römer-Opposition stemmt sich gegen das Vorhaben, wie in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses klar wurde.

Erst "nach einer adäquaten Innenentwicklung" dürfe die Stadt diese Außenentwicklung umsetzen, fordert FDP-Planungsexpertin Elke Tafel-Stein. Die Innenentwicklung aber komme kaum voran, auch weil die Grünen sie im Nordend bremsten. Silke Weidner betont, die Stadt könne den erwarteten Bedarf von 70 000 bis 90 000 Wohnungen nur mit Verdichtung und neuen Wohngebieten zugleich decken. Eyup Yilmaz von der Linken kritisiert, dass das Consilium den Bedarf "selbst definiert" habe und nicht vorgegeben sei, für wen Wohnungen entstehen sollten - denn es seien neue Sozialwohnungen nötig. Allerdings hat der Regionalverband den Wohnungsbedarf ermittelt. Und die Wohnungsmischung könne nur die Stadt selbst festlegen, sagt Weidner. Sie warnt davor, die neuen Quartiere "nur auf eine Gruppe auszurichten". Es sei eine Durchmischung, "damit es eine gesunde Mischung gibt".

Klären, ob Steinbach eine Erweiterung will

Mathias Mund, Fraktionschef der "Bürger für Frankfurt", bezweifelt, "ob man so viele Wohnungen braucht". Er lehnt den Vorschlag ab: So werde Landschaft "sehr zersiedelt". Die Stadtplanerin widerspricht vehement: "Der Vorschlag geht ganz behutsam vor", neue Siedlungen seien nur direkt an Bestand anschließend vorgesehen. Für die bestehenden Stadtteile ergäben sich mit den neuen Quartieren Vorteile, betont Weidner. So könnten deren Bewohner künftig die Infrastruktur wie Geschäfte und Arbeitsplätze in den neuen Bereichen nutzen - so etwas fehle in den nur aufs Wohnen ausgerichtete Quartieren der Nordweststadt.

Ein großes Plus des Vorschlags sei, dass Frankfurt ihn in Teilen umsetzen könne, ohne auf ein Okay von Nachbarn angewiesen zu sein. Zugleich empfiehlt Silke Weidner, die Frankfurter sollten das Gespräch mit den Hochtaunus-Nachbarn suchen: "Sie müssen die Frage klären, ob Steinbach eine Erweiterung seiner Gemeinde will und was machbar ist." Dennis Pfeiffer-Goldmann

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