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Das Halte- und Parkverbot interessiert niemanden, die Fläche wird zum Parkplatz umfunktioniert.

544 Ordnungswidrigkeiten in 21 Tagen

In der Nordweststadt wird alles zugeparkt

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544 Ordnungswidrigkeiten wegen falsch abgestellter Fahrzeuge in 21 Tagen – und das in nur einer Straße in der Nordweststadt. Das ist eine Bilanz, die selbst das Straßenverkehrsamt beeindruckt. Unbeeindruckt zeigen sich jedoch die Fahrzeughalter, sie parken weiter im Halteverbot – obwohl es in den 37 Tiefgaragen noch freie Stellplätze gibt.

Parkplätze sind in vielen Stadtteilen ein Luxusgut geworden. Doch während um die Problematiken in der Innenstadt, im Nordend oder auch in Sachsenhausen jeder weiß, so ist oft nicht bekannt, dass es in der Nordweststadt nicht anders aussieht. Dort einen freien, nicht im Parkverbot befindlichen Platz zu finden, gleicht einem Glücksspiel. Und das führt mittlerweile dazu, dass nicht nur Gehwege zugeparkt werden. Nein. Denn die für die Nordweststadt so typischen Wendehammer am Ende der Stichstraßen werden schlichtweg zum Parkplatz umfunktioniert. Teilweise werden die Fahrzeuge, sowohl mit Frankfurter, wie aber auch mit ortsfremden Kennzeichen, dort so abgestellt, dass nicht nur Feuerwehrzufahrten, sondern auch die Einfahrten zu den 37 Tiefgaragen in der Nordweststadt dicht sind.

Ein Problem, das es immer mal wieder in diesem Stadtteil gebe, sagt Gert Stahnke, Leiter des Straßenverkehrsamtes. Dieses habe sich jedoch im vergangenen Frühjahr so verstärkt, dass man aktiv geworden sei. „Von Mai bis Juni haben wir intensive Kontrollen im Gerhart-Hauptmann-Ring durchgeführt. An 21 Tagen waren wir unterwegs, insgesamt wurden 544 Ordnungswidrigkeiten durch Falschparker festgestellt“, sagt Stahnke. Freilich, der Gerhart-Hauptmann-Ring ist lang. Vor allem, wenn man die zahlreichen Stichstraßen berücksichtigt. Das weiß auch Gert Stahnke und ist trotzdem von den Zahlen beeindruckt, auch wenn er es diplomatisch ausdrückt. 544 – das sei „schon gut“, sagt er. Vor allem, wenn man die Zahlen mit denen des ganzen Jahres vergleicht: 739 Falschparker wurden 2018 gezählt.

Aufwendige Kontrollen

„Das zeigt, wie sinnvoll und effektiv solche Kontrollen sind“, sagt Stahnke, der aber zugleich auch betont, dass diese Intensität nicht zur Regelmäßigkeit werden könnte. „So viel Personal bekommen wir niemals“, sagt er.

Die festgestellten Parkverstöße im Nordwestzentrum (NWZ) seien andere. Mal werde eine Sperrfläche zugestellt, dann an einer Bordsteinabsenkung geparkt oder die Feuerwehrzufahrt blockiert. Passiert letzteres, werde abgeschleppt. Als Hauptbeschwerdepunkt nennt Stahnke allerdings die Müllabfuhr.

Das bestätigt auch Stefan Röttele, Sprecher der Frankfurter Entsorgungsbetriebe FES. Diese Probleme gebe es bereits seit einigen Jahren, vornehmlich im Gerhart-Hauptmann-Ring und in der Bernadottestraße. „Die Fahrzeuge kommen nicht rein, es müssen extra Fahrten angeordnet werden. Das ist aufwendig und unnötig“, sagt er. Wobei er auch betont, dass es in den vergangenen Monaten keine Häufung der Probleme gegeben habe. „Trotzdem sind wir über alles froh, was die Situation dort verbessert“, sagt Röttele.

Mehr als 3000 Parkplätze gibt es im Nordwestzentrum, sie kosten einen Euro pro Stunde.

Spezielle Maßnahmen, außer erneut verstärkt zu kontrollieren, gibt es noch nicht. Allerdings spricht Gert Stahnke ein Modell an, das vor einigen Jahren schon einmal mit der Feuerwehr in der Nordweststadt durchgeführt worden war. Um zu zeigen, dass Falschparker oft den Rettungsweg versperren. Denn in solchen Fällen geht es nicht nur um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um Leben und Tod.

Alleine schon deswegen appelliert Stahnke zunächst an das Gewissen der Menschen. Zudem kann er nicht verstehen, dass die Leute nicht die von der Parkhaus-Betriebs-Gesellschaft (PBG) verwalteten Tiefgaragen im Stadtteil nutzen. „Dort gibt es doch freie Plätze“, sagt er. Ja, man habe noch Kapazitäten, bestätigt auch PBG-Geschäftsführer Michael Bachmann. 43,46 Euro netto kostet dort aktuell ein Stellplatz.

Es sind jedoch nicht nur die Anwohner, die ihre Fahrzeuge in den Wohngebieten parken. Das zeigt ein Gang durch die Bernadottestraße, fast jedes zweite Fahrzeuge hat ein ortsfremdes Kennzeichen. Denn die 3000 Stellplätze im NWZ-Parkhaus, das ebenfalls in der Zuständigkeit der PBG liegt, sind an Freitagen und Samstagen fast zu 100 Prozent ausgelastet, wie der Magistrat in einer Stellungnahme mitteilt.

Parkgebühren bleiben

Eine Abschaffung der Parkgebühren – diese liegen bei einem Euro pro Stunde –, wie sie der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) vorgeschlagen hatte, um den Anreiz zu erhöhen dort zu parken, ist für den Magistrat jedoch keine Lösung. Weil dies wahrscheinlich dazu führen würde, dass die Stellplätze dauerhaft von Anwohnern belegt würden, die ihr Fahrzeug nur sporadisch nutzen. Zudem würde die Gebühr in die jährliche Pachtzahlung fließen, die die PBG an den Eigentümer des NWZ zahlt.

Dieser Vertrag läuft übrigens noch bis 2025. Bis dahin soll das Parkhaus allerdings noch umgestaltet werden. Bauliche Mängel sollen behoben sowie ein neues Beschilderungs- und Farbkonzept umgesetzt werden. Ob das mehr Besucher davon überzeugt, dort zu parken und nicht in den Wohngebieten, bleibt abzuwarten.

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