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Stau, pöbelnde Eltern und Gefahr für Fußgänger: Anwohner an Schulen schlagen Alarm

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Von: Judith Dietermann

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Den Anwohnern reicht's: Manfred Eder und Ute van Beuningen wehren sich mit ihren Nachbarn gegen die Eltern-Taxis. FOTO: rainer rüffer
Den Anwohnern reicht's: Manfred Eder und Ute van Beuningen wehren sich mit ihren Nachbarn gegen die Eltern-Taxis. © Rainer Rüffer

Drei Schulen stehen in der Siedlung Westhausen dicht an dicht. Bis zu 30 Minuten stehen die Eltern-Taxis im Stau, für Fußgänger ist es gefährlich. Anwohner schlagen Alarm.

Frankfurt – Es ist ein typischer Montagmorgen in der Siedlung Westhausen. Um kurz nach halb acht rollen die ersten Fahrzeuge durch die Kollwitzstraße, vorbei an der Gärtnerei in Richtung Liebigschule und Französische Schule. Binnen Minuten ist die Straße dicht. Es wird gehupt und gedrängelt, einige Fahrzeuge fahren auf den Gehweg, Autotüren gehen auf, Schüler springen heraus, die Kinder auf dem Fuß- und Radweg müssen ausweichen. Eine Mutter hält gar mitten auf der Straße, als sie gebeten wird weiterzufahren, wird sie aggressiv.

Solche Szenen spielen sich täglich ab entlang der Kollwitzstraße, montags bis freitags, zwischen halb acht und acht sei es besonders schlimm, berichtet Manfred Eder, der seit 1972 in der Siedlung lebt. Erst in der Stephan-Heise-, mittlerweile in der Josef-Wirmer-Straße, einer Sackgasse, direkt gegenüber der Feuerwehreinfahrt der Französischen Schule "Das Problem mit den Eltern-Taxis ist in den vergangenen Jahren immer schlimmer geworden. Vor wenigen Tagen habe ich versucht, morgens mit dem Auto über die Kollwitzstraße die Siedlung zu verlassen. Ich hatte keine Chance", sagt er.

Frankfurt: Kein Platz für Rettungswagen im Schulverkehr in Westhausen

Hätte ein Rettungswagen oder gar die Feuerwehr in die Siedlung fahren müssen, es wäre nicht möglich gewesen. Vor zwei Jahren sei er wegen dieses Problems bereits im Römer in Frankfurt gewesen und habe seinem Ärger Luft gemacht. Passiert sei jedoch nichts. "Wir sind eine vergessene Siedlung", sagt er.

Drei Schulen- die Liebigschule, das Gymnasium Nord und die Französische Schule - die streng genommen zwar in Rödelheim liegt, aber auch über Westhausen angefahren wird, gibt es in der Siedlung. Plus drei Kindergärten. Und mindestens die Hälfte aller Schüler, so die Schätzung von Ute van Beuningen, würden von den Eltern mit dem Auto gebracht. Ein Problem, das sich durch die Corona-Pandemie noch verstärkt habe. "Ich bin früher mit den Öffentlichen von Sachsenhausen nach Offenbach gefahren. Das war völlig normal", sagt sie. Was auch in Westhausen problemlos möglich wäre, gibt es doch zwei U-Bahn-Stationen. Zudem sei der Fußweg durch die Siedlung völlig ungefährlich.

Frankfurt: Eltern stehen bis zu 30 Minuten im Schulverkehr im Stau

30 Minuten stünden die Eltern teilweise im Stau, nicht selten bis unter die Brücke. "Wir wollen uns das nicht länger gefallen lassen. Die vollen Straßen und Abgase sind belastend", erklärt van Beuningen, warum sie deswegen zusammen mit anderen Anwohnern einen Banner und Schilder hat drucken lassen, die nun in der Kurve an einem Haus hängen und in den Hecken stehen. "Stop - Elterntaxi nein danke" steht darauf. Die Resonanz darauf sei durchweg positiv gewesen.

Eine Aktion, die auch die Schulleiterin der Liebigschule, Sabine Brieske, unterstützt. Bereits bei der Einschulung der Kinder weise man die Eltern darauf hin, dass die Schüler zu Fuß, mit dem Rad oder Bus und Bahn in die Schule kommen sollen. "Nur in Ausnahmefällen sollten die Eltern dies übernehmen. Sie sollten mehr in die Fähigkeiten ihrer Kinder vertrauen, sie schaffen den Schulweg", sagt sie. Auch an der Französischen Schule weist die Schulleitung die Eltern an, ihre Kinder möglichst alleine kommen zu lassen, berichtet Manfred Eder. Zudem gebe es in der Gontardstraße einen großen Parkplatz, den immer mehr Eltern nutzten. "Aber eben immer noch nicht alle", fügt er hinzu.

Frankfurt: Anwohner schlagen Lösung für Verkehrschaos in Westhausen vor

Eine Lösung, schlagen die Nachbarn vor, wäre vielleicht den Wendehammer an der Auffahrt, zum Gymnasium Nord, wo derzeit noch die Schulbusse stehen, für die Eltern zu nutzen. "Dort könnten sie ihre Kinder raus lassen und wieder zurück fahren. Ohne die Siedlung zu verstopfen", schlagen sie vor. Wobei es freilich deutlich sinnvoller wären, sie von vorne herein alleine zur Schule kommen zu lassen.

"Durch die Elterntaxis und das Verkehrschaos werden die Schüler gefährdet, die auf dem Gehweg unterwegs sind. Durch sich plötzlich öffnende Türen oder dort haltende Fahrzeuge. Das kann es nicht sein", sagt Schulleiterin Brieske. Das sieht Rosemarie Lämmer (BFF) genauso. Für die März-Sitzung des Ortsbeirates 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) hat sie einen entsprechenden Antrag formuliert. Er fordert den Magistrat auf, mittels eines Ortstermins eine schnelle und wirkungsvolle Lösung zu finden. "Das Problem beschäftigt uns schon so lange, es wird nicht besser, sondern schlimmer. Jetzt muss endlich gehandelt werden", sagt sie. (Judith Dietermann)

Auch im Nordend in Frankfurt spielen sich im Schülerverkehr „katastrophale Szenen“ ab.

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