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Blick in die Leitzentrale.

Neuen Betriebsleitstelle der VGF

Im Notfall schneller reagieren

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Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) erneuert ihre Betriebsleitstelle, die in den Grundzügen noch aus den 80er Jahren stammt. Mit zusätzlichem Personal will man künftig auch besser auf Störungen und Notfälle reagieren können.

Kurz vor Heddernheim bleibt die U-Bahn stehen. Das Gleis in der Haltestelle ist von einem anderen Zug belegt. In der Betriebsleitstelle der VGF in der Bleichstraße reagiert Fahrdienstleiter Andreas Simmgen: Sobald das Gleis frei ist, erlaubt er per Mausklick dem Fahrer des nachfolgenden Zuges, langsam die Station anzusteuern. Das geht schneller als über die automatischen Signale. „Die A-Strecke läuft ziemlich schnell zu“, sagt Simmgen über die Hauptschlagader des U-Bahn-Netzes, auf der die Linie U 1, U 2, U 3 und U 8 im dichten Takt verkehren. Seine Arbeit vor seinem Dutzend Monitoren mit Streckenplänen und Bildern von Überwachungskameras hilft, Verzögerungen zu vermeiden.

Am Freitagvormittag, als Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) die Leitstelle besichtigte, herrschte relativ ruhiger Normalbetrieb, auch wenn wegen der Sperrung des S-Bahn-Tunnels mehr Fahrgäste als sonst die U-Bahn nutzen. Kommt aber eine Störung hinzu, gerät der Fahrplan schnell durcheinander. Am Donnerstag etwa stand eine defekte Bahn an der Station Lindenbaum. Nur 15 Minuten dauerte der Vorfall, aber Fahrdienstleiter Simmgen hatte anschließend vier Stunden lang alle Hände voll zu tun, bis sich der Betrieb wieder normalisierte.

„Die Fahrgäste sollen nicht merken, dass wir ein Problem haben“, formuliert Uwe Eckardt, Fachbereichsleiter Betriebsmanagement bei der VGF, das ehrgeizige Ziel. „Das gelingt natürlich nicht immer.“ Künftig bekommen die Fahrdienstleiter bei Störfällen zusätzliche Unterstützung. In der neuen hochmodernen Betriebsleitstelle, die die VGF im sechsten Stock des Gebäudes in der Bleichstraße einrichtet, wird auch ein „Troubleshooter“ sitzen, also jemand, der im Notfall unterstützend eingreift. „Wir haben uns das aus Brüssel abgeschaut“, sagt Michael Rüffer, Leiter des Geschäftsbereichs Schiene bei der VGF.

Der Hinweis auf die belgische Hauptstadt macht deutlich: Die VGF hat nicht nur übliche Störungen im Auge, sondern auch Ausnahmesituationen bei Terroralarm, wie es sie zuletzt nicht nur in Brüssel, sondern auch in München gegeben hat. „Wir müssen für Krisen gerüstet sein“, sagt VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott. Nicht nur deshalb wird in die neue, rund um die Uhr besetzte Betriebsleitstelle auch die Sicherheits- und Service-Zentrale der VGF integriert, die unter anderem den Einsatz des Ordnungsdienstes koordiniert.

Wenn die neuen Räume im kommenden Jahr bezogen werden, erwarten die Mitarbeiter nicht nur moderne Arbeitsplätze, sondern auch eine komplett umgerüstete Technik. Die aktuelle wurde zwar immer wieder ergänzt, stammt in ihren Grundzügen aber aus den 80er Jahren – ein antiquierter Bildschirm mit grüner Leuchtschrift, über den bis heute das Stellwerk in Oberursel-Bommersheim gesteuert wird, erinnert noch daran.

Komplett ist der Umstieg auf die modernste Technik aber erst dann, wenn auch sämtliche Fahrzeuge mit neuen Bordcomputern ausgestattet sind. 2018 oder 2019 soll es so weit sein. Dann werden zusätzliche statistische Auswertungen möglich sein, etwa zur Pünktlichkeit.

Schon jetzt hat die VGF laut Wissgott damit begonnen, die Kommunikation mit den Fahrgästen zu verbessern. Zusammen mit Studenten habe man neue Kriterien entwickelt. So werde man bei Störungen künftig schneller informieren – auch wenn man über Ursache und Dauer noch nichts wisse. Von Fachchinesisch wie „signalbedingte Verzögerung“ sollen die Fahrgäste verschont bleiben.

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