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Notstand: Hortplätze müssen her

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Von: Judith Dietermann

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Mal wieder im Zentrum des Geschehens: Oberbürgermeister Peter Feldmann hat eben in seinem Büro die Unterschriften besorgter Niederräder Eltern entgegengenommen. Nun posiert er mit den Kindern, für die es dringend Hortplätze braucht. Das Plakat mit der Aufschrift ?Stadt der Kinder? hat er sich von einem Mädchen geborgt.
Mal wieder im Zentrum des Geschehens: Oberbürgermeister Peter Feldmann hat eben in seinem Büro die Unterschriften besorgter Niederräder Eltern entgegengenommen. Nun posiert er mit den Kindern, für die es dringend Hortplätze braucht. Das Plakat mit der Aufschrift ?Stadt der Kinder? hat er sich von einem Mädchen geborgt. © Michael Faust

In Niederrad gibt es nur für jedes zweite Kind einen Hortplatz. Auf diesen Missstand haben jetzt besorgte Eltern hingewiesen und über 1000 Unterschriften gesammelt. Auch die Stadt hat das Problem erkannt und will die Suche nach geeigneten Liegenschaften intensivieren.

Jutta Mayer gehört zu den glücklichen Eltern in Niederrad. Glücklich, weil sie bereits weiß, wo ihr Kind nach den Sommerferien betreut wird. In der Erweiterten Schulischen Betreuung (ESB) der Frauenhofschule, die ihre Tochter ab dem nächsten Schuljahr besuchen wird, hat sie einen der heiß begehrten Plätze ergattert. Doch die junge Mutter weiß auch, dass dieses Glück nicht selbstverständlich ist. Denn nicht einmal jedes zweite Kind in Niederrad bekommt auch einen Hortplatz – auf rund 700 Schüler kommen nur 300 Betreuungsplätze.

Klares Versprechen

Deswegen hat sich Jutta Mayer, Elternbeirätin im Kindergarten „Haus der kleinen Strolche“ der evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde, mit anderen Eltern, Schulen und Gemeinden zusammengeschlossen, eine Initiative gegründet und seit November mehr als 1000 Unterschriften gesammelt. Diese übergaben sie jetzt gemeinsam Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Jasmin Misev, Referentin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Mit Wirkung: „Man hat uns versprochen, noch aktiver zu werden, und bereits zum kommenden Schuljahr soll die Lage etwas entspannter werden“, zeigte sich Mayer mit dem Ergebnis der Unterschriften-Übergabe durchaus zufrieden. Sie kennt selber viele Eltern, die bislang keinen Hortplatz nach den Sommerferien haben und jetzt um ihren Job fürchten. „Das ist eine Unsicherheit, die braucht niemand“, kann sie diese Sorgen mehr als nachvollziehen.

Im Bildungsdezernat ist durchaus bekannt, dass in Niederrad, wie auch in vielen anderen Stadtteilen, Hortplätze fehlen. Dass die Situation jedoch so dramatisch ist, wurde Jasmin Misev durch die Initiative der Eltern noch einmal bewusst. „Niederrad ist ein brennender Stadtteil, was diese Problematik betrifft“, weiß die Referentin über den massiven Bedarf. Drei Liegenschaften würden aktuell auf die Tauglichkeit für einen Hort überprüft, auf Vorschlag der Eltern sei unlängst eine weitere hinzugekommen.

„Auf solche Hinweise sind wir angewiesen“, betont Misev, dass es in erster Linie an geeigneten Liegenschaften mangle. Ob eine leerstehende Fläche auch wirklich in einen Hort umgewandelt werden kann, hinge dabei von mehreren Faktoren ab, erklärt sie. Dazu zähle das Vorhandensein sanitärer Anlagen ebenso wie eine kindgerechte Lage. Sprich: Die Fläche sollte nicht direkt neben einer Schnellstraße liegen. Hinzu kämen weitere Punkte wie die Größe und der Schnitt der Liegenschaft. „Das muss erst alles genau überprüft werden. Das nimmt vor Ort natürlich entsprechend Zeit in Anspruch. Einen Hort kann man nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen“, so Misev.

Zeit, die viele Eltern nicht haben, weiß Jutta Mayer, die trotzdem Verständnis für die Schwierigkeiten der Stadt hat. Es seien jedoch auch die Horte, die den Platzmangel deutlich zu spüren bekämen. Täglich erreichten die Einrichtungen zahlreiche Anrufe verzweifelter Eltern, die um Planungssicherheit rängen, weil sie auf einen Betreuungsplatz am Nachmittag angewiesen sind. „Ansonsten kann die wirtschaftliche Existenz der Familien nicht gesichert werden. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Mieten immer weiter ansteigen. Es ist fast in allen Familien nötig, dass beide Elternteile arbeiten gehen“, sagt sie.

Bedarf verschlafen

Zumindest der Aufbau der ESB an der Frauenhofschule zum kommenden Schuljahr (wir berichteten) werde Entlastung bringen, so Jutta Mayer. Allerdings nur kurzfristig. Denn die dort 90 neu geschaffenen Plätze würden nicht ausreichen. Zumal diese den Schülerhort mit derzeit 56 Plätzen ersetzen. Zudem nehme die Friedrich-Fröbel-Schule, die zweite Grundschule im Stadtteil, erstmalig fünf erste Klassen auf. Für 100 Erstklässler gibt es dort jedoch nur 33 Plätze. „Die Schülerzahlen steigen weiter, wir brauchen unbedingt eine Bedarfsanalyse für die Betreuung von Schulkindern in Niederrad, die dies berücksichtigt. Auch im Hinblick auf die umfangreichen Neubauprojekte in der Bürostadt“, fordern deswegen Jutta Mayer und die anderen Eltern.

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