+
Isabella (6) schneidet Tomaten wie ein Profi. Für die Soße werden insgesamt vier Kilogramm benötigt.

Kindertagesstätte St. Wendel

Nudeln kochen ist ganz einfach

  • schließen

Wie sieht eigentlich Basilikum aus? Und warum schmeckt Thymian wie Medizin? Die Kinder der Tagesstätte St. Wendel haben sich vom Team des Fechenheimer Hofladens „La Vialla“ die Zutaten für eine Tomatensoße erklären lassen.

Zunächst ist da eine Irritation: „Das riecht ja wie Medizin“, ruft Max, während er die dünnen Zweige in den Händen reibt und die Krümelchen unter seine kleine Nase hält. Und der Vierjährige liegt damit genau richtig: Thymian ist in Hustensaft drin. Aber eben auch in der traditionellen toskanischen Tomatensoße, die bereits in einem großen Kochtopf auf der Herdplatte blubbert. Julia und Nele, beide ebenfalls vier Jahre alt und schon geschult im Abpflücken von Basilikum-Blättern, schneiden in der Zwischenzeit Zwiebeln in der geräumigen Küche in der Kindertagesstätte St. Wendel im Stadtteil Sachsenhausen.

„Als ich die Ausschreibung in der Zeitung gelesen habe, war mir sofort klar: Das ist genau das Richtige für uns“, sagt Renate Wald vom Kita-Team. „Wir legen hier besonderen Wert auf die Nähe zur Natur, auch wenn unsere Kita mitten in der Stadt liegt. Wir haben hier schon ein Hochbeet angelegt, die Kinder haben bereits Radieschen und Kohlrabi angepflanzt, auch einige Kräuter sind dabei.“

„Das Richtige“, von dem Wald da spricht, war ein Gewinnspiel dieser Zeitung und der „Fattoria La Vialla“, mit dem Kindergartenkindern gesundes Essen schmackhaft gemacht werden sollte.

Will man in Frankfurt einen Hauch Italien genießen mit Tomaten und Oregano aus der Toskana, dann geht man am besten zur Dependance der Fattoria nach Fechenheim. Dort gibt es alles, was das mediterrane Herz begehrt. „Bio ist auch bei uns das Stichwort. Alles ist bei uns naturbelassen“, sagt Stefan Maxeiner von der Fattoria.

Diese Werte vermittelt er nun auch den kleinen Nachwuchsköchen im Kindergarten. Gemeinsam mit Köchin Lucia ist Maxeiner nach Sachsenhausen gereist; mit großen, grünen Kisten im Gepäck. Die Kinder packen Karotten, frisches Olivenöl, Kräuter, Zwiebeln, Knoblauch und, natürlich, einen ganzen Sack Tomaten auf die große Arbeitsplatte der Küche.

Alle Lebensmittel kommen auf direktem Wege aus der Toskana, aus der Nähe von Chianti. Dort betreiben die Brüder La Franco ein 1200 Hektar großes Landgut, auf dem sie auch Schafe und Schweine halten. „Viele Kinder in der Stadt wissen doch heutzutage gar nicht mehr, wie sich echte Naturprodukte anfühlen, wie Kräuter aussehen, wie sie schmecken, wie sie riechen“, sagt Maxeiner.

Es gibt einen kleinen Lehrgang in Sachen Nudelkochen: „Das sind Fusilli, die hat man früher um einen Kochlöffel gewickelt“, erklärt der Tomatensoßen-Profi, während er sich eine weiße Schürze umbindet. „Die kleinen Nudeln, die aussehen wie Schmetterlinge, das sind Farfalle.“ Die kleinen Köche nehmen die rohen Nudeln prüfend in die Hand, vorsichtig stecken sie die harten Teigteilchen in den Mund: „Ihh, die schmecken ja ganz anders, als in warm“, sagt Nele. Während die Kinder behutsam Tomaten schnippeln und mit tränenden Augen Zwiebeln schälen, weiß Kindergartenköchin Alice Pischel gar nicht so recht, was sie tun soll: Normalerweise hat sie in der Küche ihre Ruhe, kann alleine über Ofen und Herd walten. Heute stehen hier ein halbes Dutzend Kinder und zwei weitere Köche herum, ein Kameramann, ein Fotograf, zwei Erzieherinnen und ein Reporter. „Ja, eigentlich geht’s hier ruhiger zu“, sagt sie. „Da kann ich mich ganz in Ruhe auf das Essen für unsere Schützlinge vorbereiten“.

Die 64 Kinder der Kita bekommen jeden Tag zur Mittagszeit ein warmes Essen serviert, später einen Nachtisch. Am Nachmittag, nach dem Toben auf dem kleinen Spielplatz in der Nähe des Hochbeets, gibt es noch eine Runde Rohkost. „Karotten, Kohlrabi – was eben gerade so passt oder in unserem kleinen Garten geerntet werden kann“, erklärt Pädagogin Wald. „Gesunde uns bewusste Ernährung wird bei uns groß geschrieben.“

Heute ernten die Kinder die Kräuter für die Soße, pflücken die grünen Blätter von den zarten Stielen. „Ich habe schon mal Petersilie gepflanzt“, sagt Lena. „Aber mit dem Messer durfte ich noch nicht schneiden.“ Maxeiner passt genau auf und sagt: „Wenn ihr etwas nicht könnt, dann helfe ich euch.“

Dann geht’s auf einmal ganz schnell: Die Teller stehen auf dem Tisch, die Nudeln sind verteilt: „Ich will mehr“, schallt es aus dem Raum. Es gibt noch Parmesankäse, für mehr Geschmack. „Das war super“, sagt Wald. „Alle hatten großen Spaß. Nicht nur die Kinder.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare