Wie zufrieden sind die Bürger in Frankfurt mit dem ÖPNV? Die Linke in Oberrad hat nachgefragt.
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Wie zufrieden sind die Bürger in Frankfurt mit dem ÖPNV? Die Linke in Oberrad hat nachgefragt.

Nahverkehr

Linke will ÖPNV in Frankfurt zum Nulltarif - doch was wünschen sich die Frankfurter?

  • vonSabine Schramek
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Die Linke befragt Bürger in Oberrad zum ÖPNV in Frankfurt. Viele wünschen sich einen eigenen S-Bahn-Anschluss.

Frankfurt - Frankfurts Gärtnerdorf zwischen Sachsenhausen und Offenbach ist mit seinen 13.000 Einwohnern, Feldern und angrenzendem Wald idyllisch. Weniger idyllisch ist der Verkehr. Nicht nur Anwohner nutzen gern ihr Auto. Der Durchgangsverkehr aus und nach Offenbach ist vielen schon lange ein Dorn im Auge. Der Kreisverband der Linken wünscht sich eine Verkehrswende mit dem ÖPNV zum Nulltarif. Um zu sehen, wie die Oberräder zum öffentlichen Nahverkehr stehen, führten die Mitglieder am Samstag eine Bürgerbefragung am Buchrainplatz durch.

Zwischen Ebbelwei, Blumen und frischem Obst und Gemüse, Brot und Kuchen, Metzger, mediterranen Snacks und Straßenbahnhaltestelle laufen fünf Männer und Frauen mit Kugelschreibern und Kladden in der Hand zu jedem Bürger, der auf dem Wochenmarkt einkauft. Und zu allen, die am Bücherschrank oder an der Straßenbahnhaltestelle am Buchrainplatz stehen.

ÖPNV in Frankfurt: Erstaunte Gesichter bei der Bürgerumfrage

Die Gesichter sind erst einmal erstaunt, da Bürgerumfragen auf dem Marktplatz sehr ungewöhnlich sind. Weil aber Oberräder von Natur aus neugierig sind und gerne babbeln, dauert es nicht lange, bis die Linken-Mitglieder nicht nur sorgfältig ausgefüllte Fragebogen in den Händen haben, sondern auch mitten drin sind in den Diskussionen über öffentliche Verkehrsmittel.

"Entschuldigen Sie bitte, hätten Sie wohl einen Augenblick für mich?" Mit 24 Unterpunkten konfrontierten die Linken bei ihrer Befragung am Samstag die Bürger.

„Ei, früher, da war ich gut zu Fuß. Da hab ich nichts gebraucht“, sagt eine Frau lachend. „Heute nehme ich halt Bus oder Bahn. Da interessiert es mich schon, ob was besser oder anders werden kann.“

Fünf Fragen zum ÖPNV in Frankfurt-Oberrad zwischen shoppen und Schoppen

Es geht der Linken um das Thema Zufriedenheit beim öffentlichen Nahverkehr in Oberrad. Fünf Grundfragen und 24 Unterpunkte fordern die Konzentration der Bürger, die gemütlich beim Schoppen sitzen oder Corona-konform shoppen. „Es geht uns darum, herauszufinden, ob die Leute Bus und Bahn fahren, wie zufrieden sie sind, was man verbessern kann, ob sie öfter aus Bus und Bahn umsteigen würden, wenn es Verbesserungen gibt und wie man sich für Verbesserungen einsetzen kann“, sagt Martin Weißwange, der selbst in Oberrad lebt. Gemeinsam mit Ortsbeiratsmitglied Marlis Gutmann, Ellen Jannick, Luca Hemmerich und Andreas Schindel von der Fraktionsgruppe sammelt er die Meinungen von Jung und Alt.

Besonders ältere Oberräder bemängeln, dass die alten 15er Straßenbahnen nicht barrierefrei sind. "Das ist ärgerlich, weil man ja mal zur Uniklinik muss. Da ist man nicht immer gut zu Fuß", stimmt ein Mann um die 50 zu. Etwa die Hälfte der Befragten nutzt regelmäßig Straßenbahn oder Bus, etwa ein Drittel ist zufrieden. "Bis auf den Preis", sind sich die Oberräder einig. Sie mögen es auch nicht, dass Offenbach eine andere Tarifzone ist. Mangels vieler Geschäfte würden sie gerne "statt mit dem Auto im Stau" mit der Bahn hinfahren, lassen es aber bleiben.

ÖPNV in Frankfurt-Oberrad: Zwei Straßenbahnen und zwei Buslinien gibt es schon

In Oberrad fahren zwei Straßenbahnen und zwei Buslinien. Die Busse fahren zwischen 6 Uhr und gegen 19.30 Uhr. Nachts - außer an Feiertagen und Wochenenden - gibt es einen Nachtbus. Vielen genügt das. Ebenso vielen nicht. Schwierig ist es vor allem bei Fahrten von und nach Sachsenhausen oder in die Innenstadt. "Eine S-Bahn in Oberrad wär mal wieder was", sagen vor allem die, die diesen Luxus bereits erlebt haben. Oberrad war nicht schon immer ohne Haltestelle. 1848 wurde hier die einzige Station zwischen den Lokalbahnhöfen in Frankfurt und Offenbach gebaut. Nur noch das alte Bahnhofsgebäude erinnert daran, dass bis 1987 hier auch Züge hielten. Heute rauschen sie durch, obwohl sich der Ortsbeirat immer wieder für eine S-Bahn-Haltestelle stark macht.

Nach vier Stunden Umfrage wird klar, dass die Oberräder in der Mehrzahl öfter vom Auto in Busse und Bahnen umsteigen würden, wenn es in innen mehr Platz für Räder, Barrierefreiheit und wenn es vor allem abends bessere und mehr Anbindungen gäbe.

Ein Mann bemerkt, dass es 45 Minuten von Oberrad bis zum Ostbahnhof mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert. "Mit dem Auto bin ich in 20 Minuten mit Stau dort, mit dem Rad in zehn Minuten über die Brücke. Aber nicht jeder kann aufs Rad umsteigen", sagt er.

Ein weiterer Grund zum Umsteigen wären Park & Ride-Plätze und günstigere Fahrkarten. Eine Rentnerin kichert. "Ich hab's gut. Mit dem 365-Euro-Ticket im Jahr ist es schon okay. Ich fahre jetzt deshalb viel öfter mit der Bahn." Die Fraktion will jetzt erst mal die Bögen auswerten und dann ihre Umfragen in andere Rand-Stadtgebiete ausweiten. (Von Sabine Schramek)

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