Schwer gezeichnet war die Festhalle 1946: Die Schäden waren so groß, dass große Teile abgerissen werden sollten. Engagierte Bürger und Oberbürgermeister Walter Kolb verhinderten das. Heute strahlt das mehr als 100 Jahre alte Gebäude in voller Pracht. Fotos: Institut für Stadtgeschichte, Leonhard Hamerski
+
Schwer gezeichnet war die Festhalle 1946: Die Schäden waren so groß, dass große Teile abgerissen werden sollten. Engagierte Bürger und Oberbürgermeister Walter Kolb verhinderten das. Heute strahlt das mehr als 100 Jahre alte Gebäude in voller Pracht.

75 Jahre FNP

Nur die Maueren standen noch

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
    schließen

Seit 75 Jahren gibt es die FNP - viel hat sich seitdem verändert. Deshalb drehen wir die Uhren zurück und werfen einen Blick in die Vergangenheit. Heute: Ein Blick auf die Festhalle.

Frankfurts damaligem Oberbürgermeister Walter Kolb und engagierten Bürgern ist es zu verdanken, dass es die Festhalle in ihrer Ursprungsform noch gibt. Große Teile sollten abgerissen werden, weil das Gebäude im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde und nur die Mauern und das Eisenskelett übrig geblieben waren. Doch schließlich wurde die Festhalle in vereinfachter Form wieder aufgebaut und 1950 für die Frühjahrsmesse in Betrieb genommen.

Die "Gudd Stubb", wie die Festhalle im Volksmund genannt wird, ist seit 1986 eine moderne Mehrzweckhalle für Konzerte, Sportveranstaltungen, Ausstellungen und mehr. Für eine Generalüberholung wurde die Festhalle damals sechs Monate gesperrt. Wann wieder internationale Pop- und Rockgrößen vor mehr als 13 000 Besuchern auftreten können, ist ungewiss und hängt von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie und damit einhergehend dem Impffortschritt ab. Im Moment haben nur Menschen Zutritt zur Festhalle, um sich in dem im Dezember 2020 dort eingerichteten Impfzentrum ihr Vakzin spritzen zu lassen. Es könnte damit aber bald Schluss sein, es gibt Pläne, die Impfzentren im September schon zu schließen.

Start für den Bau der Festhalle nach Plänen von Friedrich von Thiersch war im Juni 1909. Ein repräsentativer Messestandort sollte entstehen, dazu wurde die Frankfurter Ausstellungs- und Festhallengesellschaft mbH gegründet. Am 19. Mai 1909 wurde die Festhalle mit dem "3. Wettstreit Deutscher Männergesangsvereine" offiziell eröffnet. Kaiser Wilhelm II war zu diesem Anlass nach Frankfurt gereist. Die erste Großveranstaltung, die Internationale Luftschifffahrt Ausstellung, war mit anderthalb Millionen Besuchern gleich ein Erfolg.

Während der Nazizeit wurde die Festhalle häufig auch für propagandistische Großkundgebungen genutzt. Ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Festhalle ist die "Reichskristallnacht". In der Nacht zum 10. November wurden jüdische Bürger vor dem Abtransport in Gefängnisse und Konzentrationslager hier zusammengetrieben. Eine Mahntafel am Gebäude erinnert an die deportierten jüdischen Mitbürger.

Während ihrer Bauzeit war die Festhalle der größte Kuppelbau Europas. Der Innenraum bietet bis zu 4880 Sitzplätze, auf den beiden Rängen haben rund 5000 Besucher Platz. Ohne Bestuhlung passen über 13500 hinein. Matthias Bittner

Die nächste Folge der Serie

Am Montag blicken wir im Osten auf die Triebstraße in Bergen-Enkheim. Alle bisher erschienen Folgen finden Sie gebündelt auf www.fnp.de/stadtteilgeschichte

Die Frankfurter Festhalle.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare