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Nur eins ist sicher: Gestorben wird weiter

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Von: Friedrich Reinhardt

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Sorgt sich um die Zukunft des Eckenheimer Friedhofs: Gero Gabriel FOTO: leonhard hamerski
Sorgt sich um die Zukunft des Eckenheimer Friedhofs: Gero Gabriel FOTO: leonhard hamerski © Hamerski

Sorge um Gottesacker in Eckenheim - Bestattungszahlen rückläufig - Urnenwand abgelehnt

Gleich am Eingang des Eckenheimer Friedhofes beginnen die Leerstellen. Dort eine Lücke zwischen zwei Gräbern so groß wie ein Familiengrab. Hinten an der Wand fehlt gleich eine ganze Reihe an Gräbern. Von den rund 500 Grabstellen auf dem 3000 Quadratmeter großen Friedhof sind 172 nicht belegt. Vor fünf Jahren war es 94 freie Grabstätten. Es ist eine Entwicklung, die Gero Gabriel Sorgen bereitet.

Gabriel ist Eckenheimer, auch er hat Verwandte, die auf dem Friedhof beerdigt wurden. Als Mitglied des Ortsbeirats werde er von Bürgern angesprochen, die sich auch um die Zukunft des Stadtteilfriedhofs sorgten. Sie sagten etwa: "Wenn die Stadt nicht bald etwas macht, damit der Friedhof attraktiver wird, können sie ihn zu machen".

Günstig und pflegeleicht

Im Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim) hat Gabriel darum eine Urnenwand beantragt. Die anderen Fraktionen schlossen sich der Forderung einstimmig an. Die Idee des Antrags: Wenn sich das Angebot auf dem Friedhof den Wünschen der Anwohner anpasst, wird es auch mehr Beisetzungen geben und der Friedhof langfristig gesichert. Günstige und pflegeleichte Gräber sind beliebt. "Die Bestattungsarten auf diesem Friedhof sind aber die, die es schon vor 100 Jahren gab", sagt Gabriel. Urnen- und Erdgräber. Das Grünflächenamt lehnte den Antrag auf eine Urnenwand dennoch ab.

In seiner Begründung verweist das Amt darauf, dass die Urnenbestattungen in den gegangenen Jahren auf dem Eckenheimer Friedhof zurückgegangen seien. Von zwölf Urnenbeisetzungen in 2017 auf sieben in 2021. Außerdem wären pflegearme Bestattungen auf anderen Stadtteilfriedhöfen möglich. Das machte Gabriel stutzig. Soll der Eckenheimer Friedhof nicht attraktiver werden, soll er langfristig eingespart werden, um den knappen Haushalt für die Grünflächenerhaltung zu entlasten? "Ich will es der Stadt nicht unterstellen, aber ich fürchte das", sagt Gabriel.

Anruf beim Grünflächenamt, Abteilung für Friedhofsangelegenheiten. "Neeeeiiiinn", antwortet Abteilungsleiter Thomas Bäder ad hoc. Den Eckenheimer Friedhof abzuschaffen, den Gedanken findet er absurd. Hanebüchen. Die Urnenwand habe das Amt nicht für sinnvoll erachtet, da die Nachfrage nach Urnengräbern sinke. Das Amt hatte zuletzt auf dem Friedhof Nied eine Wand mit 32 Kammern errichtet. "Inklusive Nebenleistungen beliefen sich die Herstellungskosten auf rund 31 700 Euro", teilt das Amt mit. Und: Schon wegen des Klimawandels sei der Friedhof als Grünzug wichtig als Aufenthaltsort und als Abkühlung für den Stadtteil.

Warum Menschen wo begraben werden

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriel findet die Argumentation des Grünflächenamts zu kurzfristig gedacht. Wenn die Zahl der Bestattungen sinke, sei das ein Beleg dafür, dass die angebotenen Bestattungsarten nicht dem entsprächen, was sich die Menschen wünschen. "Es kann nicht angehen, dass eine Art Bestattungstourismus entsteht, nur weil der Magistrat manche Friedhöfe anders behandelt als andere."

Das Amt widerspricht. Die sinkenden Bestattungszahlen hätten nur bedingt etwas mit den angebotenen Bestattungsarten zu tun. Auf welchem Friedhof Menschen beerdigt würden, sei frei wählbar. "Rund zehn Prozent der in 2021 verstorbenen Frankfurter Bürger, das entspricht 560 Sterbefällen, haben sich nicht im Stadtgebiet bestatten lassen. In den letzten Jahren lag der Wert oftmals über 20 Prozent", erklärt das Amt. Die Gründe sind vielfältig. Manche wollen am Geburtsort bestattet werden, andere in der Gemeinde der Angehörigen, die das Grab pflegen. Wieder andere wollen eine Seebestattung und manche zieht es dorthin, wo Bestattungen günstiger sind.

Gabriels Blick streift die Gräber des Eckenheimer Friedhofs. Seit der Heimatverein den Friedhof unter seine Fittiche genommen hat, wirkt er aufgeräumter und gepflegter. Die vernachlässigten Gräber scheinen weniger geworden. Dennoch fürchtet Gabriel, der Friedhof könnte in eine Abwärtsspirale geraten. "Wenn jemand ein neues Familiengrab anlegen möchte, dann dort, wo auch die Kinder und Enkel noch beerdigt werden können. Wo man nicht fürchtet, dass der Friedhof aufgegeben wird." msr

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