+
In Sindlingen-Nord, wo die AfD innerhalb des Stadtteils prozentual die meisten Stimmen holte, plakatierte sie unter anderem auch gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ? das aber ein Bundesgesetz ist und mit dem Landtag gar nichts zu schaffen hat.

Viel Zustimmung im Westen

AfD nutzt die Unzufriedenheit einiger Frankfurter

  • schließen

Mit 15,8 Prozent Stimmenanteil für die AfD ist Sindlingen herausgestochen. Die Rechtspopulisten haben aber generell viel Zustimmung im Westen erfahren. Woran liegt das?

In allen Stadtteilen des Frankfurter Westens landete die AfD bei einem zweistelligen Ergebnis; Spitzenreiter ist Sindlingen mit 15,8 Prozent. Zum Vergleich: Im Nordend-Ost kam die AfD gerade mal auf 4,5 Prozent; ihr schlechtestes Ergebnis in Frankfurt. Schaut man sich die Ergebnisse in den einzelnen Wahllokalen des Frankfurter Westens an, ist die Unterstützung für die AfD zum Teil noch stärker: In der Georg-August-Zinn-Schule in Griesheim liegt der Erststimmenanteil bei 17,4 Prozent für die AfD, in der Fridtjof-Nansen-Schule in Nied kommen die Rechtspopulisten bei der Erststimme auf 17,7, bei der Zweitstimme gar auf 18,6 Prozent; im Saalbau Nied gingen 18,2 Prozent der Erststimmen und 17,7 Prozent der Zweitstimmen an die AfD.

In der Friedrich-List-Schule in Nied betrug der Zweitstimmenanteil 19 Prozent. Werte im 16- und 17-Prozent-Bereich gibt es auch in einzelnen Wahllokalen in Sossenheim und Unterliederbach; den Spitzenwert erreicht die AfD in der Adolf-Reichwein-Schule in Zeilsheim, wo bis zu 20,1 Prozent der Erststimmen und 19,1 Prozent der Zweitstimmen an sie gingen. Der Schnitt in Frankfurt liegt bei 9 Prozent.

In den größeren Stadtteilen glich sich das über andere Wahllokale aus; in Sindlingen, wo besonders im Norden des Stadtteils die Spitzenwerte bei 18,5 Prozent lagen, wurde der hohe AfD-Schnitt von 15,8 Prozent auch deshalb erreicht, weil der Stadtteil sehr klein ist: lediglich 3937 Wahlberechtigte gibt es dort – bleiben dann nur zwei oder drei Dutzend Wähler anderer Parteien zu Hause, schnellen die Werte für die AfD in die Höhe.

In Sindlingen – gerade im Norden des von der Bahnlinie und der Hoechster Farbenstraße durchschnittenen Stadtteils – ist die Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien jedoch groß, und das vor allem wegen des Neubaugebiets mit rund 2000 Wohneinheiten, das in die Sindlinger Äcker gesetzt werden soll. Zuletzt hatten CDU, SPD und Grüne sich auf die Rahmenbedingungen dafür geeinigt – ungerührt von der Tatsache, dass im kleinen Sindlingen Hunderte Unterschriften dagegen gesammelt wurden und der sehr überschaubare Stadtteil damit unverhältnismäßig wächst.

Vor allem in den Siedlungen der Stadtteile des Westens ist der AfD-Prozentsatz hoch. Interessant ist, dass dabei gar nicht unbedingt sozial benachteiligte Quartiere im Mittelpunkt stehen müssen. „Die Leute sind unzufrieden mit der Politik, deshalb wählen sie uns“, sagt Markus Fuchs, Kandidat der AfD im Frankfurter Westen und ehemaliger SPD-Mann. „Das muss nicht nur unbedingt mit dem Thema Migration zusammenhängen – auch die Dieselfahrverbote sind ein großer Aufreger.“

Die über die Landesliste ihrer Partei wieder in den Landtag eingezogene Kandidatin der Grünen im Frankfurter Westen, Martina Feldmeyer, sagt: „Es ist bedauerlich, dass eine Partei, die rechtspopulistisch und in Teilen rassistisch und antisemitisch ist, im Frankfurter Westen überdurchschnittlich abgeschnitten hat. Wir setzen Populismus und Hetze eine klare Haltung und Vernunft entgegen, und das hat sich mit unserem Grünen-Ergebnis ausgezahlt.“

Uwe Serke (CDU), der sein Landtagsmandat im Frankfurter Westen verteidigen konnte, sagt: „Die Wähler haben Vertrauen in die Politik verloren, und zwar in Bund, Land und Stadt.“ Das erste Mal sei das bei der Europawahl 2014 im Frankfurter Westen offenbar geworden. Für ihn gilt: „Gegen diesen Vertrauensverlust müssen wir mit offenem Visier anarbeiten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare