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Nuur-Moschee in Frankfurt wirbt für friedlichen Islam

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Von: Gernot Gottwals

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Information und Diskussion: Besucher und Gastgeber am Feiertag auf dem Hof vor der Nuur-Moschee in Sachsenhausen.
Information und Diskussion: Besucher und Gastgeber am Feiertag auf dem Hof vor der Nuur-Moschee in Sachsenhausen. © Rainer Rüffer

Zum bundesweiten „Tag der offenen Moschee“ hat die Ahmadiyya-Gemeinde in FrankfurtSachsenhausen ihr Gotteshaus geöffnet. Es ist ein Besonderes.

Frankfurt -In der Schlichtheit liegt die Eleganz. Und im Licht. Genau das bedeutet „Nuur“, der Name der Ahmadiyya-Moschee in der Babenhäuser Landstraße in Sachsenhausen, die zum Tag der Deutschen Einheit ihre Türen öffnet und ihre Gäste mit frischen und hellen Farben empfängt.

„Wir beteiligen uns seit 25 Jahren, weil wir zeigen wollen, dass wir uns als Teil der deutschen Gesellschaft verstehen“, betont Naveed Ahmad, Landesbeauftragter für externe Angelegenheiten in Hessen der Ahmadiyya Muslim Jamaat. So öffnen in Deutschland rund 740 Gemeinden ihre Pforten zum Tag der Offenen Moschee, der dieses Jahr unter dem Motto „Knappe Ressourcen - große Verantwortung“ steht.

Mit dabei ist in Frankfurt unter anderem die Tarik-Moschee, während die Abu-Bakr-Moschee wegen größerer Bauarbeiten pausieren muss. Das islamische Gotteshaus in Hausen ist bekannt für seinen imposanten Kronleuchter, während sich die wesentlich kleinere Nuur-Moschee passend zum Motto mit einem LED-Strahler begnügt.

Corona-Zeit fürs Renovieren genutzt

Doch als die muslimische Reformgemeinde am Vormittag die ersten ihrer rund 300 Gäste empfängt, strahlt das herbstliche Sonnenlicht. Einige Besucher stärken sich daher zunächst mit Kaffee und pakistanischen Samosa und Pakora, Teigtaschen mit Kichererbsen, während sich die Kinder auf der Hüpfburg austoben.

„Häufig bin ich am Feiertag selbst mit der Kamera unterwegs, dieses Jahr schaffe ich es endlich mal in die Nuur-Moschee“, freut sich Fotograf Rafael Herlich, Mitglied der Jüdischen Gemeinde. Er erzählt von seiner Ausstellung „Gesicht zeigen“ gegen Rassismus und Antisemismus am 17. Oktober. Dort ist auch die Ahmadiyya-Gemeinde mit Porträtfotos junger Gläubiger vertreten. Inzwischen sammeln sich kleine Gruppen zu Führungen.

„Wir haben die Zeit während der Corona-Pandemie genutzt, um unsere Moschee zu renovieren“, erläutert Ahmad. Frisch geweißte Wände und ein neuer, petrolgrüner Gebetsteppich vermitteln eine sprituelle und sakrale Atmosphäre. „In der Tradition der Ahmadiyya werden die Moscheen eher schlicht ausgestattet, wir verzichten auf Kronleuchter und sonstigen Schmuck.“

Eine der ältesten Nachkriegsmoscheen

Zudem sieht der islamische Glaube keine bildlichen oder figürlichen Darstellungen in den Gebetsräumen vor. Erlaubt sind nur verzierte arabische Schriftzeichen, die zentrale Botschaften aus dem Koran oder anderen religiösen Schriften ausdrücken. Geschwungene weiße Lettern auf grünem Hintergrund zieren daher die Gebetsnische mit dem muslimischen Bekenntnis, wonach es keinen Gott gibt außer Allah und dass Mohammed sein Prophet ist. Weitere Schriftzeichen werden auf den weißen Wänden noch hinzukommen.

Im Zentrum des Rundgangs steht die Ausstellung „Eine Zeitreise durch den Islam“ mit Roll-Ups zu Lehre, Geschichte, Kultur und Wissenschaft. Neben wichtigen Themen wie den fünf Gebeten am Tag oder der Pilgerfahrt nach Mekka beschäftigt sich ein Roll-Up auch mit der Entstehung der Ahmadiyya als islamische Reformbewegung der 1880er-Jahre. So erfahren die Besucher, wie der aus Persien stammende Reformator Mirza Ghulam Ahmad, der schon bald als Prophet und sogar Messias verehrt wurde, seine Lehren vor allem im Gebiet des heutigen Pakistan verbreitete.

Was das Wort Islam tatsächlich bedeutet

Zusammen mit der Fazle-Omar-Moschee der Ahmadiyya in Hamburg gehört die Nuur-Moschee zu den ältesten deutschen Moscheen der Nachkriegszeit. „Nebenan unterhalten wir ein eigenes Frauenhaus, unsere Bundeszentrale für 55 000 Gläubige befindet sich in Nieder-Eschbach in der Genfer Straße“, erklärt Ahmad. Das Motto der knappen Ressourcen werde pragmatisch umgesetzt: Sparsame Beleuchtung, Verzicht auf Beheizung und somit Gebete in Schals und Jacken.

„Der Islam wird oft einseitig und feindselig dargestellt, hier erfahren wir praktisch, dass das Wort Islam tatsächlich Frieden bedeutet“, sagen Birgit Korz und Peter Becher. Voriges Jahr hat sich eine andere Besucherin die Bismi-Allah-Moschee in Fechenheim angeschaut. „Dagegen wirkt die Nuur-Moschee schlicht, aber auf ihre Weise schön“, findet sie.

„Es geht hier auch um Informationen, nicht nur um Emotionen“, ergänzt der iranische Anwalt Shahram Iranbomy, Vertreter der Kommunalen Ausländervertretung. Denn wer sich informiert und weiterbildet, dem kommt noch so manche Erleuchtung - nicht nur, aber auch im Islam. Bei aller Freude, macht die Aktiven der Nuur-Moschee eines traurig. Immer wieder seien übers Wochenende Werbeplakate für ihren Tag der offenen Moschee zerstört worden, erklären sie. ( Gernot Gottwals)

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