Immer dabei, wenn's was zu futtern gibt: Nymphensittich Wilhelmine beobachtet Katyana Clark (24), Azubi zur Tierpflegerin, beim Füttern der Meerschweinchen im Kleintierhaus des Tierheims Fechenheim.
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Immer dabei, wenn's was zu futtern gibt: Nymphensittich Wilhelmine beobachtet Katyana Clark (24), Azubi zur Tierpflegerin, beim Füttern der Meerschweinchen im Kleintierhaus des Tierheims Fechenheim.

Frankfurter Tierheim

Ende des Homeoffice: Zahlreiche „Corona-Tiere“ werden im Tierheim wieder abgegeben

  • VonAlexandra Flieth
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2020 wurden in Deutschland rund eine Millionen mehr Haustiere angeschafft als im Vorjahr. In Frankfurt werden viele der „Corona-Tiere“ wieder abgegeben.

Frankfurt –  Hermine ist ein weiß-grauer Nymphensittich, nur vergisst der kleine Vogel mit der Irokesenfrisur auf dem Kopf das anscheinend manchmal. „Ich glaube, sie denkt, sie ist ein Kaninchen“, sagt Sabine Urbainsky, Leiterin des Tierheims Fechenheim, und lacht. Zumindest übernehme der Nymphensittich gerne mal einen Futtercheck bei den kleinen Nagern. Hermine ist als Fundtier ins Tierheim gekommen - und wird dort wohl auch bleiben. Sie ist der Liebling der Tierpflegerinnen im Kleintierhaus, darf in den Räumen im Obergeschoss frei herumfliegen oder spazieren gehen. Für den Nymphensittich wurde eigens eine Schleuse vor die Eingangstür gebaut: „Damit Hermine nicht ausbüxt.“

Dass sie zurzeit öfter mal beim Kaninchenfutter vorbeischaut, liegt auch daran, dass im Tierheim außergewöhnlich viele Kaninchen untergebracht sind, rund 30. Insgesamt ist das Kleintierhaus mit gut 150 Tieren fast doppelt so voll wie üblich: Kaninchen, Papageien, Kanarienvögel, Wellensittiche, in den vergangenen Wochen kommen vermehrt auch Ratten, Meerschweinchen sowie Reptilien wie Schildkröten, Bartagamen und Schlangen.

Viel los bei den Meerschweinchen: Allein zwölf Tiere wurden von einem Spaziergänger in einem Karton am Waldrand entdeckt und haben mittlerweile schon Nachwuchs bekommen.

Tierheim Frankfurt: Viele Tiere werden wieder abgegeben

Die Abgabe von Kleintieren sei derzeit auffällig, sagt Simone Faust, stellvertretende Leiterin des Heims, das vom Tierschutzverein Frankfurt und Umgebung 1841 getragen wird. Sie führt dies auf die Urlaubszeit zurück - und auf die Rückkehr einiger Beschäftigter aus dem Homeoffice ins Büro. Für die Tiere, die während des coronabedingten Lockdowns quasi als Gesellschaft angeschafft worden seien, bleibe nun keine Zeit mehr.

„Viele Abgabetiere sind nicht ausreichend geimpft oder kommen teils mit Erkrankungen zu uns“, sagt sie. Für die nicht geimpften Tiere bedeute dies, in einer für sie ohnehin schweren Situation auch noch in Quarantäne zu sein. Mit viel Engagement und Herzblut kümmert sich das Team des Heims um alle Tiere, versucht trotz der täglich anfallenden Arbeiten jedem Streicheleinheiten, Spielzeit und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Frankfurter Tierheim: 2020 eine Millionen mehr Haustiere angeschafft als im Jahr zuvor

Hunde und Katzen würden derzeit nicht in größerer Zahl als normal abgegeben, erzählt Faust. Doch die Angst davor schwebe wie ein Damoklesschwert über der täglichen Arbeit. Denn noch sind in der Metropole Frankfurt nicht alle Beschäftigten wieder in den normalen Büro- und Arbeitsalltag zurückgekehrt. „Und gerade Hunde können nicht den ganzen Tag alleine gelassen werden.“

Die Sorgen sind berechtigt, weiß Lea Schmitz. Sie ist Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, dem Dachverband von mehr als 740 Tierschutzvereinen und rund 550 Tierheimen. Nach den Zahlen des Industrieverbandes Heimtierbedarf, sagt sie, seien 2020 in Deutschland gut eine Millionen mehr Haustiere angeschafft worden als im Jahr zuvor. Und dies seien nur die offiziellen Zahlen. Nicht berücksichtigt sei zum Beispiel die Anschaffung von Haustieren, die übers Internet gekauft worden seien.

Tierheim Frankfurt: Einige wollen Tiere nur für die Zeit im Home-Office

Wie sich dies alles auswirken werde, sei nur schwer vorherzusagen. „Rückfragen haben gezeigt, dass es unter den Tierheimen einen gemeinsamen Tenor gibt: die Sorge davor, dass viele dieser Tiere wieder abgegeben werden“, sagt Schmitz. In manchen Tierheimen sei dies bereits Realität geworden, wie in Bremen, Kiel oder Salzgitter - mit der Konsequenz, dass die Einrichtungen wegen Überfüllung einen Aufnahmestopp verhängt hätten.

Simone Faust, stellvertretende Leiterin des Tierheims Fechenheim, spielt im Katzenhaus mit den Stubentigern.

So weit ist es in Fechenheim noch nicht. Aber: "Immer wieder haben wir während des Lockdowns sehr unseriöse Anfragen von Menschen bekommen, die sich während der Zeit des Home Offices ein Tier aus dem Heim holen wollten, um es danach wieder zurückzugeben", erzählt Simone Faust. Auch Familien wollten für ihre Kinder Hunde oder Katzen leihen. Dass so etwas nicht gehe, verstehe sich doch eigentlich von selbst. Ein Haustier bedeute, Verantwortung zu tragen. Viele machten sich dies nicht bewusst.

Frankfurter Tierheim: Geschichten der Tiere sind traurig

Jedes Tier im Heim in Fechenheim hat seine ganz eigene, traurige Geschichte, nicht immer ist der Grund für die Abgabe bekannt. Oft haben ihre Besitzer die Tiere ausgesetzt, wie die zwölf Meerschweinchen, die von einem Spaziergänger in einem Karton am Waldrand entdeckt wurden und die mittlerweile Nachwuchs bekommen haben.

Der junge rote Kater, der durchs Katzenhaus streift, hat Glück gehabt. Noch einen Tag muss er warten, bis ihn seine neue Familie abholt und mit nach Hause nimmt. Einer, der ganz sicher darauf hofft, dass er bald in ein neues Zuhause ziehen darf, ist Gustav. Schüchtern blickt der überwiegend weiße Kater aus seinem Gehege und maunzt, ganz so, als ob er sagen würde: "Nimm mich doch bitte mit. . ." (Alexandra Flieth)

Hund Adin sucht derzeit noch nach einem neuen Zuhause. Die Geschichte des Vierbeiners berührt.

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