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ARCHIV - ARCHIV - 04.07.2016, Baden-Württemberg, Stuttgart: Nilgänse stehen auf einer Wiese im Schlosspark. (zu dpa "Waschbär und Nilgans: Diskussion über invasive Arten" vom 03.07.2018) Foto: Franziska Kraufmann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Natürliche Todesursache

Obduktion hat gezeigt: Geköpfte Nilgänse starben an Parasitenbefall

Nun ist es amtlich: Einen Gänsemörder gibt es nicht. Zumindest keinen menschlichen. Die Tiere starben an einer parasitären Infektion.

Nun ist es amtlich: Einen Gänsemörder gibt es im Ostpark nicht. Zumindest keinen menschlichen. Denn zwei der Tiere fehlte der Kopf.

Tatsächlich wurde ihnen der Kopf aber nach ihrem Tod abgebissen. Das hat die Obduktion im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor in Gießen ergeben. Die Tiere starben an einer parasitären Infektion. Für Menschen seien die Parasiten nicht gefährlich, betont Polizei-Sprecher Manfred Füllhardt. „Die Gänse fressen alles Mögliche und manchmal sterben sie daran. Das läuft unter ,natürliche Todesursache’.“

Am vergangenen Dienstag hatte eine Tierschutz-Aktivistin am Weiher acht tote und mehrere verletzte Vögel gefunden. Zwei der toten Tiere fehlte der Kopf, drei waren bereits fast bis auf die Knochen verwest, zwei weitere trieben auf dem Wasser und wurden von der Polizei nicht geborgen. Auch eine der verwesten Gänse wurde entsorgt, so dass die Polizei schließlich fünf Kadaver ans Ordnungsamt übergab, das wiederum drei von ihnen tiefgekühlt nach Gießen schickte.

Damals war aber tatsächlich ein Fuchs ursächlich für den Tod der Tiere.

Das Ordnungsamt hat den Frankfurter Bäderbetrieben derweil eine vorgezogene Abschussgenehmigung für die Nilgänse im Brentanobad erteilt. Bis 31. August dürfen nun bis zu sieben Nilgänse geschossen werden, sagt Ordnungsamtssprecher Michael Jenisch. 

Eigentlich gilt bis Ende August die Schonzeit, das heißt, Wildtiere dürfen nicht bejagt werden. Doch die Bäderbetriebe hätten sicherstellen wollen, dass die Gesundheitsbelastung durch Kot im Bad so gering wie möglich bleibe, sagt Geschäftsführer Frank Müller. Allein: Eigentlich braucht das Bad die Genehmigung im Moment gar nicht.

Denn die Methode von Jäger Axel Seidemann, der dort im September vergangenen Jahres sechs Vögel schoss, ist so effektiv, dass bis jetzt kaum Nilgänse im Bad sind. Acht Monate lang war das Brentanobad bis auf kleinere Ausnahmen sogar ganz gänsefrei. „Das ist der bundesweit längste bekannte Vergrämungseffekt“, sagt Seidemann. „Ich hatte selbst nicht erwartet, dass es so gut funktioniert.“

Zumal der Tod der Tiere nicht das Ziel, sondern nur ein Mittel zum Zweck sei. „Mein Auftrag lautet, das Schwimmbad vom Kot zu befreien.“ Und dazu tauge Konditionierung viel besser als massenhafter Abschuss. Wäre das das Ziel, würde sich Seidemann einen Tarnumhang umwerfen, mit der Umgebung verschmelzen und so viele Vögel wie möglich abknallen.

Tatsächlich zieht er sich aber eine türkisfarbene Bademeisterjacke an, setzt sich gut sichtbar auf den Bademeister-Hochsitz und schießt mit besonders lauter Munition. Dann passiert, was unter dem Namen „Pawlow’scher Reflex“ bekannt ist: Die Vögel lernen, dass türkisfarbene Menschen – und damit das Brentanobad – gefährlich sind, geben dieses Wissen an ihre Jungtiere weiter – und alle zusammen bleiben dem Bad erstmal fern. Nur zwei Paare haben dort in diesem Frühjahr gebrütet.

Im Mai und Juni, als die Küken, die bei Nilgänsen Pulli heißen, klein waren, wurde man sie noch recht einfach los: Sie wurden durch eine offene Zauntür an die Nidda gescheucht. Weil sie noch nicht fliegen konnten, kamen sie nicht wieder zurück. Die Eltern folgten. Doch als sie flügge wurden, wurde es schwieriger: Zeitweise wurden wieder 14 Nilgänse gesichtet. Eben das war der Punkt, an dem die Bäderbetriebe beschlossen zu reagieren, und die Abschussgenehmigung beantragten.

Mittlerweile ist die Zahl wieder auf fünf Tiere gesunken. Allerdings machen auch sie ziemlich viel Dreck: eine einzige Nilgans produziert ein bis zwei Kilo Kot pro Tag. Insbesondere, wenn sie das proteinreiche frische Liegewiese-Gras fressen kann.

Eine Möglichkeit zur Vergrämung, die Seidemann und die Bäderbetriebe vor dem Abschuss ins Auge gefasst hatten, war deshalb, das Gras länger wachsen zu lassen. Doch erstens wolle kein Besucher in hohem Gras liegen, sagt Seidemann. Und zweitens blühe dann sofort der Weißklee, was Bienen anlocke, die die Besucher stechen könnten.

Auch ein Elektrozaun ums Becken für die Nacht war im Gespräch, doch das hätte angetrunkene Jugendliche, die nachts ins Bad einbrechen, gefährdet. Rosenbeete zur Abtrennung waren für Darüberspringende zu gefährlich. Und ein Jagdhund, der die Nacht über im Bad bleibe, hätte die Hundegesundheit gefährdet.

Ausprobiert wurden stattdessen: ein Plakstikpärchen Trauerschwäne, das nach drei Tagen ausgepickte Augen hatte, Flatterband, Karnevalsratschen und Greifvogelgeschrei aus dem Lautsprecher. Nichts davon funktionierte. „Das ist bei den Gänsen wie bei den Menschen, die so lange zu schnell fahren, bis es blitzt: Verhalten ändert sich erst, wenn es wehtut“, sagt Seidemann.

Wann er sich wieder mit seiner türkisfarbenen Jacke und der lauten Munition auf den Weg ins Brentanobad machen wird, sei noch unklar. „Wenn keine Tiere vor Ort sind, brauchen wir auch keine jagen“, sagt Geschäftsführer Müller. Aber die Gefährdung durch den Vogelkot bleibe weiterhin bestehen. „Allein das ist die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

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