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Nicht Science-Fiction, aber vielleicht die Zukunft: Die Band Triorität, Preisträger des Darmstädter Musikpreises 2017, bei den Dreharbeiten auf der Grashügel-Kuppel des Städels. foto: papic

Sachsenhausen: Kultur

Oben junger Jazz, unten die alten Meister

  • VonDetlef Kinsler
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Montez dreht auf der Grashügel-Kuppel des Städels

Lorenzo Dolce und John Steinmark, die beiden Sachsenhäuser, hatten mit ihrem Verein Jazz Montez einen guten Lauf. Mit ihren Konzertreihen im Kunstverein und im Atelier Frankfurt war es ihnen mühelos gelungen, ein junges Publikum für jungen Jazz zu begeistern. Mit ihren Ideen und ihrer Energie konnten sie auch den Direktors des Museums Angewandte Kunst, Matthias Wagner K, überzeugen, sein Haus als Bühne nutzen zu dürfen.

Abgesagte Festivals

"Unser Festival ,Open House' vom 26. Februar bis 15. März konnten wir gerade noch so zu Ende bringen", erinnert sich Steinmark. Die Pandemie hatte auch Deutschland erreicht, der erste Shutdown die Konsequenz aus der Bedrohungslage. "Alles, was auf ,Open House' hätte folgen sollen, eine Reihe von Konzerten sowie zwei Open-Air-Festivals im Sommer, musste verschoben oder abgesagt werden", trauert Steinmark bis heute den "Holidays" auf der Freitreppe an der Honsellbrücke und dem "El Barrio"-Event am Museumsufer-Wochenende nach. "Aber Corona hat uns dazu gebracht, uns als Kulturverein, der bis dato vor allem Konzerte und Festivals organisiert hatte, neu zu erfinden."

Für die agilen Jazz-Montez-Jungs galt es, in der herausfordernden Situation einen Mehrwert für Künstler und Publikum zu schaffen. Schnell waren Aufnahmesessions mit den Bands, die sie bis dato live präsentiert hatten, im Lotte Lindenberg Tonstudio in Alt-Sachsenhausen für eine Vinyl-Produktion beschlossene Sache.

Mit "A Day In The Lifestream" wurde ein ganzer Produktionstag als Blick hinter die Kulisse im Internet gestreamt. Ihr nächster Coup sollen nun die "Jazz Montez Video Games" werden. "Wir haben über unsere Social Media-Kanäle einen Aufruf veröffentlicht und darin alle Künstler aus der Region eingeladen, sich mit einem musikalischen Beitrag bei uns für eine Musikvideo-Produktion zu bewerben", erzählt Steinmark.

Gut vierzig Rückmeldungen gab es daraufhin. Gemeinsam deutete man dann besondere Orte aus, die jeder in Frankfurt kennt, oder eher unbekannte Plätze, die Dolce, Steinmark und die Musiker ansprachen.

"Wir hatten viele gute Einsendungen, aber Triorität und Shelly Phillips haben uns einfach am meisten angesprochen. Sie machen jeweils etwas, das auf seine Art einzigartig ist", erzählt Steinmark. "Bei Shelly Phillips ist es ihr sehr persönliches, intimes Liedgut, gepaart mit einer absolut unverwechselbaren Stimme, die einem einfach unter die Haut geht", schwärmt er. "Bei der Band Triorität ist es eine Kombination aus sehr tanzbaren Rhythmen und Jazz-beeinflussten Improvisationen, die uns an Musik aus London oder Los Angeles erinnert hat. Außerdem hat uns ihre Einstellung von Anfang an sehr gut gefallen. Die Jungs sind sehr gut drauf und verbreiten einfach nur gute Laune."

Ein Ort, den man kennt

Mit Triorität, den Preisträgern des Darmstädter Musikpreises 2017, gingen die jungen Filmemacher Julia Frank, die in New York studiert hat, und Bruno Papic, der sich mit einer Reihe von innovativen Werbefilmen und Musikvideos bereits einen Namen gemacht hat, auf das architektonisch anspruchsvolle Grashügeldach des Städel Museums.

Ein mit seinen musterartig angeordneten Deckenöffnungen faszinierendes wie inspirierendes Set für alle Beteiligten. "Kameramann und Co-Regisseur Bruno Papic war auch für den Schnitt zuständig", erklärt Steinmark. "Da kam ihm sein exzellentes Rhythmusgefühl - er ist nebenbei DJ und Tänzer - sehr zugute."

Am 4. Dezember erscheint dieses erste Video im Internet auf youtube.com/jazzmontez, das zweite mit Shelly Phillips folgt dann Anfang des nächsten Jahres. DETLEF KINSLER

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