Wassersport-Lehrer Robin Kassel demonstriert, wie es geht. Der Profi schätzt am Standup-Paddeling vor allem die Kombination aus dosierbarem Ganzkörpertraining und der unmittelbaren Nähe zur Natur.
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Wassersport-Lehrer Robin Kassel demonstriert, wie es geht. Der Profi schätzt am Standup-Paddeling vor allem die Kombination aus dosierbarem Ganzkörpertraining und der unmittelbaren Nähe zur Natur.

Wasserspaß

Oberrad: Die auf dem Main stehen

  • VonSabine Schramek
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Längst sind die Leute, die statt Surfsegel Paddel benutzen, auf dem Main nicht mehr wegzudenken. Sie sind keine Ruderer oder Kajakfahrer, brauchen keinen Wind, aber haben jede Menge Spaß, wenn sie mit gleichmäßigen Bewegungen gemächlich an der Sachsenhäuser Promenade geräuschlos entlanggleiten und bestaunt werden.

Oberrad -Robin Kassel (43) sieht aus wie ein Wellenreiter, Snowboarder und Surfer. Er ist es auch. Und er hat das Standup-Paddeln an den Main geholt. "Anfangs bin ich ganz schön belächelt worden", sagt der braungebrannte Mann mit schneeweißem Lächeln und zuckt mit den muskulösen Schultern, während er jede Menge Boards an den Stufen zum Main am Oberräder Rudererdorf noch einmal begutachtet. 2008 hat er Standup-Paddeln für sich entdeckt und acht Jahre später "Main SUP" gegründet. Seit jeher paddeln polynesische Fischer stehend auf Kanus über die Riffe vor Tahiti. In Hawaii wurde Standup-Paddeln zum Trendsport, der sich über die ganze Welt streckt.

Etwas verunsichert und gleichzeitig neugierig sammeln sich 15 Leute barfuß in Shorts, Badehosen und Shirts zwischen der Frankfurter Rudergesellschaft Sachsenhausen von 1879, dem Frankfurter Ruder- und Kanusport Verein Sachsenhausen 1898, den Frankfurter Ruderclub 1884 - und Kanu-Clubs, der Frankfurter Ruder-Gesellschaft Oberrad 1879 und der FRG Borussia 1896, um das Abenteuer Standup-Paddeln zu lernen.

"Ihr müsst in der Mitte des Boards stehen, die Beine schulterbreit auseinander und das Paddel gerade ins Wasser führen. Am Anfang knien wir aber erst darauf, damit keiner reinfällt", lernen die Neulinge an Land. "Das Wasser hier ist nicht tief und voller Steine. Das tut weh, wenn man mit dem Fuß dazwischen gerät." Nervöses Lachen ist zu hören, als die Teilnehmer von den Gefahren durch Boote und Tanker hören. "Ruderer können Euch nicht sehen, weil sie rückwärts sitzen, Boote haben Schrauben, Tanker können nicht schnell bremsen." Einer nach dem anderen setzt sich auf die Betonkante an der Anlegestelle, die Boards liegen deutlich tiefer im Wasser. Wackelig steigt einer nach dem anderen darauf und kniet sich auf die Mitte der Bretter. Ganz vorsichtig staksen die Neulinge mit ihren langen Paddeln. Eine Frau landet ein Stück weiter fast im Gebüsch. "Rückwärts paddeln" wird ihr zugerufen, und schon klappt es. Die nächste Hürde ist das Aufstehen aus dem Vierfüßlerstand mit Paddel, während sich Wellen bilden, die ein Ausflugsschiff wirft. Alle schaffen es und fangen an zu lächeln. Jugendliche ebenso wie Erwachsene fangen an, zu entspannen. Zwei Trainer begleiten die Paddler - einer vornweg und einer am hinteren Ende der Schüler.

"Das ist das Schöne daran. Jeder kann es lernen und muss nicht einmal übermäßig sportlich sein", so Kassel, der seine Kurse mittlerweile auch für Schulklassen anbietet. "25 Klassen waren dieses Jahr schon dabei, und gerade in Corona-Zeiten sind die gemeinsamen Erlebnisse auf dem Wasser unvergesslich", schwärmt er. Für die Kleinen gibt es sogar Riesenboards, auf denen ganze Gruppen miteinander paddeln können. "Der Sport ist gut für die Körperbalance, das Ego, die Fitness und den Spaß", ist Kassel überzeugt. Zwei Frauen mit zusammengerollten Boards kommen an den großen Stand und bitten um Luft zum Aufpumpen. Bis nach Mainz wollen sie paddeln - 36 Kilometer weit. Er gibt Tipps zu Schleusen und warnt, dass die Strecke kaum an einem Tag zu schaffen sein. "Wir können uns jederzeit abholen lassen", erklären die Frauen, die letztes Jahr einen Kurs bei Kassel gemacht haben. "Wir wollen es versuchen.". Er nickt, einer seiner 15 Mitarbeiter füllt die Boards mit Luft, und die Frauen paddeln los. Die Gruppe der Neulinge braucht knapp zwei Stunden, um bis zum Eisernen Steg zu kommen und wieder zurück zum Rudererdorf in Oberrad. Alle Unsicherheit ist aus den Gesichtern gewichen und durch Strahlen ersetzt. "Wie toll, das macht so viel Spaß", rufen sie beim Anlegen ihrer Boards. Am liebsten würden sie die Tour gleich noch einmal machen. Am Ende gibt es sogar eine Lizenz für jeden Teilnehmer. "Jetzt können sie sich auch so Boards ausleihen und sicher am Mainufer entlangpaddeln", erklärt Kassel. "Es ist wichtig, die Regeln auf dem Wasser zu kennen, damit nichts passiert." SABINE SCHRAMEK

Hier kann man Kurse buchen

Main SUP ist jeden Tag im Rudererdorf Oberrad. An Wochentagen gibt es Kurse von 19 Uhr bis 21 Uhr, an Wochenenden um 12 Uhr, um 14.30 Uhr und um 17 Uhr. Informationen und Buchungen im Internet unter www.main-sup.de .

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