In Dribbdebach geht's in der EZB um das große Geld, auf den Feldern von Rainer Schecker um Grüne Soße. Für den Gärtner-Profi gibt es deshalb keinen schöneren Ort in Frankfurt. Mit oder ohne Schlepper.
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In Dribbdebach geht's in der EZB um das große Geld, auf den Feldern von Rainer Schecker um Grüne Soße. Für den Gärtner-Profi gibt es deshalb keinen schöneren Ort in Frankfurt. Mit oder ohne Schlepper.

Oberräder Kult-Gärtner Rainer Schecker

Oberrad: Grüne Oase zwischen Schnittlauch, Borretsch und Skyline

  • vonSabine Schramek
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Sechs Wochen Sommerferien, die man in der Stadt verbringt, können ganz schön lang werden. Täglich stellen wir deshalb einen Lieblingsort vor. Heute präsentiert Gärtnermeister Rainer Schecker seine Felder mit dem herrlichen Blick auf die Frankfurter Skyline.

Sein knallrotes Polohemd passt zum Traktor. Seine grünen Hosen zu allem, was auf seinen Feldern wächst. Die wachen blauen Augen und das fröhliche Lachen lassen keine Zweifel daran, dass Rainer Schecker (53) im Sommer tatsächlich nur einen Lieblingsplatz hat: seine Oberräder Grüne-Soße-Felder.

"Iss des net schee", schwärmt er und zeigt auf die in der Sonne blinkende Skyline, die gleichmütigen fauchenden Bewässerungsanlagen auf den Feldern nebenan. "Hier habe ich meine Ruhe, niemand nervt, Hasen hoppeln über die Felder und ich habe den ganzen Tag die Stadt vor Augen", sagt er. "1000 Meter weiter ist überall Hektik. Von hier aus sieht es aus wie in einem Legoland."

Er frage sich immer wieder, ob nur er der Blöde im Dreck sei, "oder die mit Schlips in den Bürotürmen. Und meine Frau fragt mich, ob ich hier unten eine Freundin habe", verrät er mit breitem Grinsen. Ja, er habe hier Freundinnen und Freunde. "Genau sechs, weil die siebte oben im Gewächshaus ist. Die Kresse für die Grüne Soße. Die anderen sind hier bei mir." Auf fünf Hektar Acker wachsen Pimpinelle, Petersilie, Kerbel, Sauerampfer, Borretsch und Schnittlauch. "Wie bei einer großen Familie. Einer spinnt immer. In diesem Jahr ist es Borretsch. Die mag mich schon seit Frühjahr nicht und wächst nicht gescheit. Letztes Jahr war's der Kerbel, der gesponnen hat." Schecker nimmt es locker, sitzt strahlend auf dem Reifen seines Traktors und trinkt Wasser aus der Flasche. Manchmal hört er Radio im Trecker, meistens nicht mal das. "Für mich sind die Felder pure Therapie. Keiner kommt rein, weil alles umzäunt ist. Meine Söhne kommen manchmal mit, der Große will mit seinen zehn Jahren auch unbedingt Gärtner werden. Der Kleine wird momentan Anwalt werden", sagt er stolz.

Seit 1000 Jahren ist Familie Schecker in Frankfurt ansässig. Sogar mit eigenem Wappen. In drei Linien. "Früher hat die Familie gefischt und lebte in Sachsenhausen. Dazu kamen ein Schwimmbad am Main und die Überfahrt an der Gerbermühle", erzählt er. Gegen 1900 wurde das Wasser im Main so dreckig, dass das Bad deswegen schließen musste und sich Fischfang nicht mehr lohnte.

Urgroßvater gab die Richtung vor

"Meine Linie hat sich dann der Gärtnerei verschrieben. Wir sind jetzt hier in der vierten Generation. Mein Urgroßvater und mein Großvater haben sich auf Gärtnern und Gewächshäuser spezialisiert. Und ich natürlich auch. Für mich sind Felder das pure Glück." Er genießt jede Minute hier, obwohl er völlig alleine seine Felder bestellt. "Klar habe ich auch Stress, aber ich kann ihn wenigstens dosieren, wie ich es will. Gänse und Krähen kommen nicht mehr zu mir, weil ich sie einfach mit Krach verscheucht habe. Sprüche von anderen jucken mich nicht."

Er werde oft angemacht, wenn er mit dem Traktor durch den Ort fährt. "Die jungen Leute kennen das einfach nicht mehr. Auch nicht, dass Wasser für Pflanzen gebraucht wird", sagt er kopfschüttelnd. "Wie es in Oberrad weitergeht, keine Ahnung. Ich hoffe, dass es wieder mehr Verständnis für selbst Angebautes gibt. Die Leute würden am liebsten mitten in den Feldern Liegestühle aufstellen - dort, wo Gärtner ihr Essen anbauen. Diese Ignoranz ist unglaublich. Immerhin ist der Goetheturm wieder da", freut sich Schecker.

Während des Lockdowns hätten sich die Leute gefreut, dass Gärtner ihr Essen anbauen. "Da waren sie entspannt. Jetzt sind wieder alle im Stress. Dabei aus der Ferne zuzuschauen, zeigt mir, dass ich es richtig mache. Hier fühle ich mich wie ein freier Vogel, während die anderen in ihren goldenen Käfigen sitzen."

Auch im Winter ist Rainer Schecker oft und gern in den Feldern. Oder in der Badewanne. "Zwei Stunden lang in der heißen Wanne mit Blick auf Garten und Wald. Die Fenster weit offen und n die Nacht gucken, während ich in Ruhe nachdenken kann. Das ist einfach nur schön." sabine schramek

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