Ein Hilferuf der Gärtner. Sie hoffen auf Mithilfe der Oberräder, um die Kräuterdiebe ausfindig zu machen. foto: Rainer Rüffer
+
Ein Hilferuf der Gärtner. Sie hoffen auf Mithilfe der Oberräder, um die Kräuterdiebe ausfindig zu machen. 

Gärtnerdorf

Ärger auf den Feldern in Oberrad: Kräuterdieben geht es an Kragen

  • vonSabine Schramek
    schließen

Zäune, Schilder, ein Wachturm und Nachbarn sollen künftig helfen, die Felder zu schützen

  • Die Felder im Frankfurter Stadtteil Oberrad sind beliebt bei Spaziergängern 
  • Immer wieder gibt es aber Ärger: Gärtner beklagen respektloses und kriminelles Verhalten
  • Der Wunsch, dass die Felder durch die Stadtpolizei geschützt werden, wurde vom Magistrat nicht erfüllt - jetzt müssen die Oberräder selbst ran. 

Oberrad - Im Gärtnerdorf Oberrad stößt Landwirten so manches ungesund auf. Wegen Diebstahls auf ihren Feldern hatten sie einen Feldschütz gefordert. Der Magistrat lehnte eine 24-Stunden-Abstellung eines Stadtpolizisten ab. Sie haben bereits mehr als genug Aufgaben. Jetzt hoffen Gärtner auf Aufmerksamkeit und Hilfe durch Oberräder.

Ärger auf den Feldern von Oberrad: Gärtner setzen auf die Hilfe von Bewohnern des Stadtteils

Ein Spaziergang auf den Wegen entlang der Felder Oberrads ist für die meisten Besucher einfach nur schön und erholsam. Weite, Blick auf die EZB, zarte sorgfältig gesetzte Kräuter und Gemüsepflanzen bei frischer Luft und dem Besuch des Grüne-Soße-Denkmals. Doch es gibt auch andere Besucher, die nicht zum Spaziergang kommen. Immer wieder wird auf den Feldern geklaut. Und zwar Teile von dem, was den Stadtteil zum „Gärtnerdorf“ macht: Gemüse und Kräuter. Viele Felder und Gewächshäuser sind längst rundum eingezäunt, Saat und Jungpflanzen werden zum Schutz vor Vögeln und Menschen abgedeckt, an einigen Stellen gibt es dichte Brombeerhecken. Es hilft nichts gegen den Ärger und den Diebstahl durch Menschen auf den Feldern von Oberrad.

Jetzt versuchen es Gärtner mit Schildern. An rund einem Hektar Fläche der Solidarischen Landwirtschaft Maingrün (SoLaWi) hängen jetzt etliche laminierte Zettel mit der Aufschrift: „Hilfe. Unsere Felder werden regelmäßig von Dieben heimgesucht. Wer sich nach 21 Uhr oder an Wochenenden auf dem Feld aufhält, tut dies unbefugt.“ Dazu wird darum gebeten, das Polizeirevier oder die Gärtner anzurufen, wenn trotzdem jemand Leute auf den Feldern sieht.

Nach Ärger durch Diebe: Oberräde Gärten sollen einen Wachturm bekommen

An einem hohen Turm mitten auf den Feldern der SoLawi wird schon seit dem Winter gebaut. Er soll ein Wachturm werden, damit auch nachts freiwillige Aufpasser die Felder im Auge behalten werden können. Bald ist er fertig. Auf Facebook schreibt eines der Mitglieder der SoLaWi, dass die „Existenz der Gärtnerei Maingrün auf dem Spiel steht“. Kameras hatten zwar schon nächtliche Diebe im vergangenen Jahr aufgezeichnet, gefunden werden konnten sie nicht. 2019 wurde fast die Hälfte der gepflanzten Zucchini und Tomaten gestohlen. In diesem Jahr „zehn Petersilienpflanzen und fünf Quadratmeter Knoblauch“, sagt die Gründerin der Gärtnerei Maingrün Irmtraud Schmid entnervt. „Das klingt zwar nicht nach viel, ist aber sehr viel Zeit und Arbeit, die zunichte gemacht wurde. Und die Ernte ist auch futsch, obwohl alles abgedeckt war.“

Seit 2012 bewirtschaftet sie die Fläche mit einem kleinen Team. Das Konzept der Bioland Solidarischen Landwirtschaft ist eine Gemeinschaft aus mehr als 180 Mitgliedern aus Frankfurt und Offenbach, die 90 Ernteanteile halten. Damit decken sie einen guten Teil der Betriebskosten ab. Im Gegenzug bekommen sie jede Woche frisches Biogemüse direkt von den Feldern. Einmal im Jahr werden Ernteanteile vergeben. Die Saison 2020 hat im April begonnen und alle Anteile werden genutzt. Ab Oktober kann man sich auf eine Warteliste eintragen, und jedes Jahr werden ab Januar neue Anteile vergeben. Die Mitglieder hoffen darauf, irgendwann alle Kosten der Gärtnerei decken zu können, um die gesamte Ernte aufteilen zu können.

Nicht einmal von der Corona-Krise lassen sich das Grüne-Soße-Dorf und seine Gärtner einschüchtern. Wenn „urban gardening“ allerdings von Dieben schamlos ausgenutzt wird, ist viel Mühe der Gärtner vergeblich. Den ganzen Tag verbringen sie auf den Feldern und in den Gewächshäusern. Sie jäten Unkraut, pflanzen, pflegen und hegen die vielen Kräuter und das Gemüse. Bisher haben es die Gärtner mit Freundlichkeit versucht und nur wenige Anzeigen gestellt. Das ändert sich jetzt.

Kräuterdiebe in Frankfurt-Oberrad: Ortsdiener gefordert

Die Mitglieder der SoLaWi Maingrün wollen jeden Fremden auf ihren Feldern anzeigen. Auch Mithilfe der Oberräder. Der Aussichtsturm für freiwillige Beobachter ist fast fertig. Ab sofort soll jeder angesprochen werden, der sich unbefugt auf den Feldern aufhält. Und jeder, der sich an den Zucchini, Tomaten, Auberginen, Mangold, Sellerie, Salaten, Zwiebelgewächsen, Kohlsorten, Kürbissen, Gurken und den Kräutern der Grünen Soße „einfach so“ bedient, wird umgehend angezeigt.

Die Oberräder sind zunehmend besorgt über die Situation. Bernd Neumann, Vorsitzender des Gewerbevereins, wünscht sich von der Stadt Unterstützung, damit ein Ortsdiener oder Kümmerer gefunden wird, der auf 450-Euro-Basis in den Feldern präsent ist. Der Ortsdiener könnte mit einem Elektro-Rad ausgestattet werden, Falschparker, Müllansammlungen und verdächtige Personen auf dem Feld melden.

SABINE SCHRAMEK

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare