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In direkter Nachbarschaft der Gewächshäuser in Frankfurt-Oberrad gehen der Pächter und zwei Freunde regelmäßig auf die Jagd.

Wehe, wenn der Revierpächter kommt

Umstrittener Jäger ängstigt Spaziergänger und Hundehalter

Der Revierpächter in Frankfurt-Oberrad hat es auf Krähen abgesehen, erschreckt aber auch Spaziergänger und Radfahrer. Viele zeigen sich empört.

Frankfurt - In den vergangenen Jahren wurden Krähen in Frankfurt-Oberrad vornehmlich rund um Weihnachten und Neujahr geschossen. Unter heftigem Protest. In diesem Jahr legt der Jagdpächter bereits seit August auf die Vögel an.

Wiesen, gepflügte Felder, auf denen junge Pflanzen wachsen und Sonnenblumen am Wegesrand stehen, machen den Spaziergang entlang des Grüne-Soße-Wanderweges in Oberrad zum Naturgenuss. Begleitet von Vogelgezwitscher. Nur dann nicht, wenn der Jäger kommt.

Frankfurt: Jäger in Oberrad ängstigt Spaziergänger und Hundehalter

Gassigänger, Radfahrer und Besucher in Frankfurt-Oberrad sind verunsichert und empört. "Wenn man arglos durch die Felder geht und plötzlich knallt es von mehreren Seiten ohne Vorwarnung, erschrickt man sehr. Das fühlt sich an wie Krieg. Grausig", so Brigitte Lauer, die unweit der Felder wohnt. "Der Jäger schießt auch nah an den Häusern. Dort, wo Kinder zur Schule gehen."

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Den Jägerschlag erhielt der Jagdpächter am 18. August 2011. Ein Jahr zuvor hatte der ehemalige Elite-Radsportler seine Liebe zum Jagdsport entdeckt und das Revier in den Oberräder Feldern gepachtet. "Aktuell ist niemand außer mir in Oberrad jagdausübungsberechtigt", erklärt er. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen.

Frankfurt: Angst vor Jäger in Oberrad

Mit seinem Auto ist er an den Feldern von Frankfurt-Oberrad unterwegs und schießt Krähen und Nilgänse. Manchmal alleine, manchmal mit ein bis zwei weiteren Männern. Einer benutzt dafür ein täuschend echt aussehendes Notarzteinsatzfahrzeug für Filmproduktionen. Gefahr für die Bevölkerung sieht der Jäger nicht. "Solange Kinder und Hunde keine schwarzen Federn tragen und sich aus 30 Metern Höhe die grüne Soße von oben anschauen, wüsste ich nicht, wie ich diese Gruppe gefährden könne", sagt er im Gespräch.

Rechtzeitige Vorwarnungen hält er für unnötig. "Seit einiger Zeit wird verlangt, ich solle über die Jagd informieren. Wen soll ich denn informieren? Die Jagdgegner wissen doch seit Jahren, dass hier Krähen geschossen werden." Der Pächter gibt an, jedes Mal die Polizei zu informieren.

Frankfurt: Jäger schießt auf Krähen - Angst bei Hundehaltern

Kai Abicht, Inhaber des Lokals "Grüne Soße und Mehr" und Initiator des Grüne-Soße-Pfads in Frankfurt-Oberrad, findet die Vorgehensweise befremdlich. "Der Grüne-Soße-Wanderweg ist ein Weg zum Wohlfühlen. Es ist kein Halloween-Pfad für Kinder, sondern ein Lehrpfad. Dass Krähen und Nilgänse stören, ist klar. Dass man dagegen etwas tun muss, auch. Aber mit dem Richtigen, der auch ein Gefühl für die Menschen im Stadtteil hat."

Wenn Revierleiter vom Forstrevier Oberrad, Lars Eckert (38), in seinem 900 Hektar großen Wald auf Jagd geht, handelt er anders. "Ganz oben auf der Liste steht bei uns die Waidgerechtigkeit. Dabei stehen Tierwohl und das Wohl der Mitmenschen mit der Natur im Vordergrund. Wir melden jede Jagd bei der Polizei an, informieren alle Reitställe ringsum, viele Hundebesitzer und Anwohner vorab." Er beginnt mit der Jagd ganz früh morgens. "Da ist kaum jemand unterwegs." Eine Besucherin des Forsthauses sagt, sie habe im Wald noch nie Schüsse gehört. Eckard sagt lächelnd: "Dann mache ich ja alles richtig."

Sollten die Oberräder Felder lieber meiden, denn dort wird Jagd auf Krähen gemacht. Foto: Frank Rumpenhorst

Der Begriff "waidgerecht" wird vom Deutschen Jagdverband klar definiert. "Der Tierschutzaspekt betrifft die Einstellung des Jägers zum Tier als Mitgeschöpf, dem vermeidbare Schmerzen zu ersparen sind. Der Umweltaspekt fordert vom Jäger die Einbeziehung der Umwelt in sein Denken und Handeln. Der mitmenschliche Aspekt betrifft das anständige Verhalten gegenüber anderen Jägern sowie der nicht die Jagd ausübenden Bevölkerung", heißt es da. Gärtner Christoph Stoll hat dem umstrittenen Jagdpächter schon vor Jahren ein Jagdverbot auf seinen Feldern erteilt, doch das stört den Mann mit der Flinte nicht. "Herr Stoll kann mir kein Jagdverbot auf seinen Feldern aussprechen, da es rechtlich nicht möglich ist. Darüber habe ich ihn persönlich vor Jahren aufgeklärt."

Jäger in Frankfurt: Krähen sorgen für Ernteeinbußen

Dass Krähen Saat und Jungpflanzen auf den Feldern zum Fressen gernhaben und in Frankfurt-Oberrad für Ernteeinbußen sorgen, steht fest. Gartenbauer Horst Krämer schätzt etwa "15 bis 20 Prozent weniger Salaternte" durch sie. Auch Rainer Schecker hatte das Problem. "Seit einem Jahr bin ich die Krähen los", sagt er. "Ich mache Krach mit Brettern, Knallkörpern, Hammer, Hupen und Tröten. Wenn ich mit dem Auto oder Traktor Richtung Felder fahre, sind die schlauen Krähen und Nilgänse schon weg. Die Vögel sagen sich schon lange ,zum Schecker gehen wir nicht mehr. Das ist viel zu laut bei ihm'. Das ist aufwendig, aber es hilft."

Sabine Schramek

Ärger gibt es aktuell auch am Mühlberg in Frankfurt, weil abends schon um 20.37 Uhr der letzte Bus fährt.

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