Die Oberräder 05er stellen Weichen für die Zukunft

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Sportlich läuft es rund für die Fußballmacht aus dem „Gärtnerdorf“: Das Herrenteam der Spielvereinigung 05 Oberrad ist dabei, sich in der Hessenliga zu etablieren. In der nahen Zukunft sollen deswegen wirtschaftliche Potenziale weiter ausgeschöpft werden.

Kurz vor der Halbzeit herrscht am frühen Samstagnachmittag nicht nur wegen des guten Wetters eitel Sonnenschein in der „Grie-Soß-Arena“ an der Beckerwiese: Nach schöner Flanke, kluger Kopfballverlängerung und sattem Volleyschuss steht es 1:0 für die Spielvereinigung 05 Oberrad, die Fußballmacht aus dem Frankfurter „Gärtnerdorf“, gegen den FC Bayern Alzenau. Auf den Rängen ist die Stimmung deswegen kurzzeitig sehr ausgelassen und auch hörbar lauter als sonst, was daran liegt, dass mehr Zuschauer anwesend sind – die 05er hatten 14 000 Freikarten an die Bewohner Oberrads verteilt, damit sie zahlreich zum ersten Rückrunden-Heimspiel kämen, das zur weiteren Etablierung des Herrenteams in Deutschlands fünfthöchster Spielklasse, der Hessenliga, beitragen soll. Das Publikum besteht somit aus 300 bis 400 Zuschauern, was einer knappen Verdoppelung des aktuellen Durchschnittswerts gleichkommt.

Für die 05er ist die Freikartenaktion dabei Teil eines langfristigen Marketingkonzepts, welches das wirtschaftliche Potenzial weiter ausschöpfen soll, um wiederum das sportliche Potenzial weiter wachsen zu lassen. Schließlich kostet der Unterhalt einer modernen Sportarena inklusive Kunstrasenplatz und eines Vereins mit

600 Mitglieder

n, 20 Jugendmannschaften und einem semiprofessionellen Herrenteam, das für Auswärtsspiele auch mal einen Bus mieten muss, um 200 Kilometer weit weg zu fahren, viel Zeit, Aufwand und Geld. „Bisher machen wir das alles ja ehrenamtlich“, berichtet Hans-Peter Wagner, der bis vor kurzem noch Geschäftsführer war, sich des Berufs wegen aber aus dem Vorstand zurückzog. Nun jedoch gäbe es Überlegungen, einen bezahlten Geschäftsführer einzusetzen. „Unser sportliches Ziel lautet, die Klasse zu halten. Außerdem müssen wir langfristig noch mehr mit qualifizierten und bezahlten Trainern im Jugendbereich arbeiten“, erklärt Wagner: „Wir haben erkannt, dass die Ausbildung des Nachwuchses später nicht aufgeholt werden kann“. Schließlich wolle man weiterhin zwei Spieler pro Jahr vom Jugendbereich ins Herrenteam überführen – parallel zur stetigen Professionalisierung der großen Vereine sei aber auch der Jugendfußball ein „ganz harter Wettbewerb geworden“, wobei die 05er nach Eintracht und FSV Frankfurt als drittbester Verein der Stadt eine sehr gute Ausgangslage besäßen. Viele talentierte Jugendspieler, für die es nicht ganz zur Profikarriere reicht, fragen bei den 05ern für ein Probetraining an, erzählt Wagner.

Seit dem Herbst immerhin kümmert sich daher Thomas Zaha um eine Steigerung des jährlichen Sponsorenbudgets von bislang rund 20 000 bis 30 000 Euro. „Der Verein hat ein hohes Potenzial, mit der entsprechenden Vermarktung ist es also möglich, mehr Gelder einzuwerben“, meint Zaha und verweist nach ersten Sponsorengesprächen auf „sehr positive Resonanz“. Wichtig sei es, eine „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten zu erschaffen, sagt Zaha: „Ein Engagement soll für den Sponsor wertig sein.“

Hans-Peter Wagner betont deswegen die langfristige Ausrichtung von Kooperationen: „Wir würden uns einem Großsponsor, der alleine 20000 Euro oder mehr aufbringt, nicht grundsätzlich verschließen. Aber es muss passen“. Vor einer Abhängigkeit will sich der Verein nämlich schützen – sollte ein etwaiger Hauptsponsor plötzlich „die Lust verlieren“, muss die Spielvereinigung vor einem Absturz bewahrt bleiben. „Wir wollen langsam wachsen und einen vernünftigen Unterbau gestalten“, sagt Wagner. Dass es auf dem Spielfeld am Ende 1:2 gegen die 05er ausgeht, passt an diesem Nachmittag zwar nicht ins Konzept, doch nachwievor verkauft sich der Aufsteiger sehr gut.

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