Die ?Wespen? genießen den Frühschoppen im Grünen.
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Die ?Wespen? genießen den Frühschoppen im Grünen.

Oberräder halten die Tradition der Kerb hoch

Der schattige Kerbeplatz hinter der „Villa Bonn“ ist am Sonntagmorgen noch spärlich bevölkert. Zwischen Fahrgeschäften, Getränkestand und Bühne sitzen vor allem Mitglieder und Freunde der Karneval-Gesellschaft

Der schattige Kerbeplatz hinter der „Villa Bonn“ ist am Sonntagmorgen noch spärlich bevölkert. Zwischen Fahrgeschäften, Getränkestand und Bühne sitzen vor allem Mitglieder und Freunde der Karneval-Gesellschaft „Wespen“ beim Frühschoppen der Oberräder Kerb. „Gestern war es richtig voll“, freut sich Peter Keller, 1. Vorsitzender der Wespen. „Die Leute sind sicher noch in der Kirche“, meint Wespen-Pressesprecherin Karin Knechtel. Peter Keller hat eine andere Theorie: „Die müssen wohl erst mal ihren Rausch ausschlafen.“

Am Tag zuvor waren insgesamt neun Vereine, angeführt vom „Frankfurter Musikzug 1999“, vom Oberräder Forsthaus durch die Offenbacher Landstraße zum Kerbeplatz gezogen, um zunächst den in Grün und Weiß – den Farben der Wespen und Oberrads – geschmückten Kerbebaum aufzustellen. Anschließend eröffneten sie das von den „Wespen“ organisierte Fest. „Wem ist die Kerb? Uns ist die Kerb!“, riefen sie lauthals, denn so ist es Tradition im Ort.

Die Freiwillige Feuerwehr und die Fußballerinnen der „Spielvereinigung 05“ etwa präsentierten sich beim Umzug, außerdem die mit den „Wespen“ befreundete Kerbegesellschaft aus Sachsenhausen. Chef-Organisator Peter Keller ist dankbar für das Engagement der Vereine, denn es sei „immer schwieriger, viele Leute für unsere Kerb zusammenzubekommen“. Dennoch zeigt er sich mit dem Besucheraufkommen zufrieden: „Beim Umzug und vor allem abends auf dem Kerbeplatz war am Samstag viel los“.

„Uns ist es wichtig, die Tradition der Kerb am Leben zu halten“, sagt Keller. Und diese Tradition ist lang: Vermutungen sehen die Anfänge der Oberräder Kerb im frühen 18. Jahrhundert; genauer dokumentiert ist aber vor allem die jüngere Geschichte: Bereits kurz nach Kriegsende im Jahr 1945 nahmen die Oberräder die Kerb wieder auf, die sie seitdem am zweiten Juliwochenende feiern. Nach einer Durststrecke in den 70er Jahren belebte der damalige Stadtbezirksvorsteher Joseph Flügel das Fest neu, das seit 1982 allein von den „Wespen“ organisiert wird.

„Bis vor fünf Jahren war die Kerb zweigeteilt“, erklärt Karin Knechtel von der Karneval-Gesellschaft. „Hier auf dem Kerbeplatz waren die Schausteller, Tanz, Musik und Getränke gab es bei unserem Verein auf dem Buchrainplatz.“ Als dessen Umbau begann, stellten die Oberräder zwei Jahre lang keine Kerb auf die Beine, so dass es erst 2013 weiterging – seitdem vereint auf dem Kerbeplatz. Der Platz hinter der „Villa Bonn“ soll mit seinem Schatten spendendem Grün auch für die nächsten Jahre Heimat der Kerb sein: „Uns gefällt es hier viel besser als auf dem betonierten und befahrenen Buchrainplatz“, begründet Knechtel.

Übrigens: Am heutigen Montag wird weitergefeiert. Geöffnet ist bis 22 Uhr.

(lur)

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