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Oeder Weg: Ein umstrittenes Pilotprojekt

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Von: Matthias Bittner

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Schöne neue Fahrradwelt im Oeder Weg: Seit eine Zufahrtsperre Autofahrern von der Innenstadt kommend die Einfahrt in die Einkaufsstraße versperrt, sind im unteren Teil weniger Autos unterwegs. Das Pilotprojekt "fahrradfreundliche Nebenstraße" ist im Nordend aber kontrovers diskutiert worden.
Schöne neue Fahrradwelt im Oeder Weg: Seit eine Zufahrtsperre Autofahrern von der Innenstadt kommend die Einfahrt in die Einkaufsstraße versperrt, sind im unteren Teil weniger Autos unterwegs. Das Pilotprojekt "fahrradfreundliche Nebenstraße" ist im Nordend aber kontrovers diskutiert worden. © Renate Hoyer

In unserer Serie blicken wir zurück auf das Jahr in den 16 Frankfurter Ortsbeiräten. Was war das Thema, das den Ortsbezirk in den vergangenen Monaten bewegt und beschäftigt hat. Eine Einschätzung - heute aus dem Ortsbeirat 3 (Nordend).

Die Liste der Forderungen für den Oeder Weg ist in den vergangenen Jahren länger und länger geworden. Auf dem Wunschzettel von Bürgern und Geschäftsleuten standen beispielsweise breitere Gehwege, neue Laternen, Sitzgelegenheiten zum Verweilen sowie zusätzliche Bäume. Dadurch sollte das Flanieren in der Einkaufsstraße noch attraktiver werden. Der Ortsbeirat 3 (Nordend) unterstützte das. Doch kein Vorschlag wurde umgesetzt.

Stattdessen wird der Oeder Weg jetzt zum "Versuchskaninchen", wie ortsansässige Geschäftsleute und Anwohner kritisieren. Als erste von elf Straßen in Frankfurt wird der Oeder Weg zur fahrradfreundlichen Nebenstraße umgebaut. Grundlage ist ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, zuvor hatte eine Bürgerinitiative Unterschriften gesammelt. Ziel des Radentscheids ist es, den Straßenraum neu zu ordnen und das Radfahren sicherer zu machen, indem der Durchgangsverkehr ausgesperrt wird.

Interessenkonflikt wird befeuert

Das Vorhaben ist nicht unumstritten im Stadtteil. Denn es gibt einen Interessenskonflikt. Während Radfahrer ihre seit Jahren vorgebrachten Argumente berücksichtigt sehen, auf die Zunahme des Radverkehrs und auf die Notwendigkeit der Verkehrswende hinweisen, fühlen sich andere benachteiligt. Die Autofahrer kritisieren, dass sie Umwege fahren müssen und, am Ziel angekommen, unter Umständen noch nicht einmal mehr einen Parkplatz finden. Geschäftsleute befürchten deshalb, dass ihr Umsatz einbricht. Und Anwohner sind sauer, weil 70 Parkplätze entfallen.

Das Parkplatzproblem ist noch nicht akut, weil zunächst nur einige provisorische Maßnahmen umgesetzt wurden. So verhindert eine Zufahrtsperre in Höhe des Flemmings, dass Autofahrer aus Richtung Innenstadt kommend in den Oeder Weg gelangen. Kreuzungen wurden rot eingefärbt, um die Aufmerksamkeit der Autofahrer zu erhöhen. Im März kommt die Diagonalsperre in Höhe der Holzhausenstraße, später werden Kurzzeitparkplätze und Lieferzonen markiert. Und Sommergärten sollen das Quartier beleben. Zudem werden die Gehwege freigeräumt, so dass Fußgänger mehr Platz haben.

Alle Maßnahmen, das betonten Verkehrsdezernat und Ortsbeirat, sind rückgängig zu machen, wenn sie sich nicht bewähren. Das überzeugte Kritiker des Pilotprojektes eben so wenig wie positive Erfahrungen in anderen Städten. Dabei belegen Studien, dass überall dort, wo vergleichbare Maßnahmen umgesetzt wurden und sich Zug um Zug eingespielt haben, dass der Umsatz der Geschäftsleute langfristig sogar gestiegen und das Miteinander aller Verkehrsteilnehmer entspannter geworden sei.

Auch im Oeder Weg funktioniert das nicht auf Knopfdruck. Müsste die Devise also nicht eher "Abwarten und Tee trinken" heißen? Jein. Grünensprecherin Gabriele Trah liegt zwar richtig, wenn sie sagt: Der Versuch sei noch nicht richtig angelaufen, aber schon würden Nachbesserungen eingefordert. Andererseits trafen Befürchtung zu, dass sich der Verkehr durch die Zufahrtsperre(n) in die Seitenstraßen verlagert. Leidtragende sind die Bewohner der Finkenhofstraße, die dafür nicht ausgelegt ist. Nicht zu vergessen ist auch der Hinweis der Kinderbeauftragten: Sie sagen, dass Autofahrer im Oeder Weg schneller fahren als vorher, weil weniger Autos unterwegs seien und deshalb Gas gegeben werden kann. Für Kinder und Radfahrer sei das ein Risiko.

Entwicklung im Auge behalten

Der Ortsbeirat ist deswegen gut beraten, die Entwicklung im Auge zu behalten. Und wenn nötig, Gegenmaßnahmen einzufordern. In blinden Aktionismus muss er nicht verfallen - subjektive Beobachtungen und Befindlichkeiten decken sich nämlich nicht immer mit der Realität. Klarheit bringt da nur belastbares Material. Aus diesem Grund sollten weiter regelmäßig Verkehrszählungen im Oeder Weg und den Nebenstraßen erfolgen, auf deren Basis man vergleichen kann.

Die Ergebnisse sind immer zu veröffentlichen. Das schafft Transparenz. Kritiker hatten nämlich bemängelt, dass im Planungsprozess ungenügend informiert worden sei. Aus subjektiver Sicht mag das so sein. Die Stadt hat sich aber nichts vorzuwerfen.

Es gab eine öffentliche Ausstellung im Oeder Weg und Infoveranstaltungen des Ortsbeirates. Öffentlich einsehbar sind die Pläne zudem im Internet und Vorschläge konnten gemacht werden. Trotzdem: Miteinander reden und Argumente austauschen ist der beste Weg für gegenseitiges Verständnis.

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