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Im ersten Aufzug der Evangelienspiele wird Jesus (Christoph Kuhn, links) von Johannes dem Täufer (Johannes Hermann) getauft. 1800 Zuschauer sahen die neun Aufführungen im Hof der Liebfrauenschule.

Frankfurter Evangelienspiele

Offen für biblische Botschaften

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Dank finanzieller Unterstützung durch Frankfurter Katholiken sahen 1800 Besucher die diesjährigen Frankfurter Evangelienspiele. Doch die Botschaft der ersten Inszenierung ohne Pater Amandus ist eindeutig: Geld darf kein Selbstzweck sein.

„Man kann nicht Gott und dem Mammon dienen“, begrüßt der Vorsitzende des Vereins Lukas 14 Lutz Riehl die Zuschauer der Freilichtbühne in der Liebfrauenschule. Auch wenn die Produzenten und Darsteller der Evangelienspiele nicht missionieren wollen, so gehen sie mit dem lieben Geld hart ins Gericht: Ein reicher Mann muss sein Vermögen verschenken, um Jesus zu dienen, ein leutseliger Wohltäter wird während seiner Spendenfeier wegen Steuerhinterziehung verhaftet. Und ein reicher Lebemann wird gar mitten in seiner Hochzeit vom Tod geholt. Nur der reiche Kaufmann, der die Armen zum Gastmahl lädt, handelt recht – auch wenn sich seine eitle Gattin hochnäsig abwendet.

Nach eben diesem namensgebenden Gastmahl, das der Apostel Lukas ausführlich beschreibt, brachte der Verein Lukas 14 auch zu den diesjährigen Evangelienspielen rund 120 Schauspieler unterschiedlichster Herkunft auf die Bühne. Einige von ihnen spielten in den zwölf Szenen (Bildern) selbst Bettler und Obdachlose, die am Tisch des Herrn ihren Platz finden, aber ansonsten in ihrer chaotischen Hierarchie den Schönen, Reichen und Mächtigen einen Spiegel vorhalten. Schließlich ist das Ensemble selbst ein Spiegelbild der Frankfurter Gesellschaft: Professionelle Schauspieler, Geistliche und Lehrer in Amt und Würden gehören ebenso dazu wie Studienabbrecher, Seh- Hör- und Gehbehinderte oder Menschen mit Migrationshintergrund, die ihren Platz in der Gemeinschaft finden müssen.

„Unsere diesjährige Kombination aus neun biblischen und drei modernen Bildern, die die Botschaft Jesu ins 21. Jahrhundert übersetzen, entspricht der Ursprungsidee von Pater Amandus und hätte ihm bestimmt gefallen“, resümiert Riehl. Die letzten der im dreijährigen Rhythmus inszenierten Evangelienspiele konnte der Kapuzinerpater gerade noch erleben, bevor er nach schwerer Krankheit verstarb. Nun versuchte der Regisseur Andreas Walther-Schroth den eingeschlagenen Weg mit neuen Köpfen und Ideen fortzusetzen: Etwa mit dem Jesus-Darsteller Christoph Kuhn, der als Physiklehrer arbeitet, aber als passionierter Musiker ein grandioses „Gospel of Joy“ für die Auferstehungsszene komponieren konnte.

„Unserem Konzept treu zu bleiben und dabei doch jedes Jahr etwas Neues zu wagen, das ist die Idee unserer Gründer“, unterstreicht Riehl. Zu dem Vertrauten gehörte die Eingangszene mit Johannes dem Täufer, dargestellt durch seinen Namensvetter Pfarrer Johannes Herrmann. Doch schon bald verstörte der verhaftete Steuerbetrüger das Publikum, während eine parallele Szene Sparzwänge und Pflegenotstand im Gesundheitswesen bis zum Zusammenbruch vor Augen führte – sehr wirklichkeitsnah, klagten doch kürzlich in einer Fernsehdokumentation Schwestern aus dem Nordwestkrankenhaus, an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen zu sein.

Ein weiterer neuer Höhepunkt war der Tod des Reichen, dargestellt in einer Hochzeitsfeier nach dem Vorbild von Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“: Hier hatte der Pantomime Jurij Maschanow einen Gastauftritt, ehe Pater Christophorus Goedereis als personifizierter und unbestechlicher Tod den reichen Lebemann mit auf seine letzte Reise nahm. Am Ende kam die neue Inszenierung beim Publikum an: „Die Besucherzahlen entsprechen den Erwartungen aus den vorherigen Jahren. Und wir hatten mit dem Wetter Glück, mussten nur eine Aufführung wegen Regen vorzeitig abbrechen.“

Doch so ganz ohne das liebe Geld geht es nicht – auch nicht für den Verein Lukas 14, den die diesjährige Aufführung rund 40 000 Euro kostet. Die Hälfte davon steuert der Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden Frankfurts bei, den Rest muss der Verein auch mit Hilfe von Spenden (die Aufführungen kosten keinen Eintritt) selbst aufbringen. „Damit wir hier weiter auf einem guten Weg sind, suchen wir nach einer neuen Geschäftsführung für Christina Kupczak, die sich aus Altersgründen zurückzieht“, erklärt Riehl. Sicher, Gewinne kann der Verein mit den Evangelienspielen nicht machen – aber er will ja auch der Botschaft Jesu und nicht dem Geld dienen.

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