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Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. 

Stadtklima

Wer zu dicht baut, begünstigt die Sahara-Hitze

Der Meterologe Andreas Friedrich erklärt im Interview, was Städte gegen die Sahara-Hitze tun können. 

Warum die Stadt sich gerade wie ein Glutofen anfühlt, warum es sich auch nachts nur wenig abkühlt und ob der heiße Spuk bald vorbei ist: All das erklärt Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Mit ihm sprach Sylvia A. Menzdorf.

Frankfurt: Asphalt, Beton und Stein begünstigen Sahara-Hitze

Wieder liegt eine Tropennacht hinter uns. Gut schlafen kann man gerade nicht. Warum kühlt sich die Stadt nachts nicht ab?

Es liegt an A, B, S. Das sind Asphalt, Beton, Stein. Viele und lange mit Asphalt versiegelte Straßen, viele und oft hohe Häuser mit Betonfassaden, Plätze mit Steinbelag sind erstklassige Wärmespeicher. Glas gehört auch noch dazu. Auch Bauten mit großzügigen Glasfassaden machen den doppelten Hitze-Effekt in der Stadt: Sie werden während des Tages von der Sonneneinstrahlung intensiv aufgeheizt und geben während der Nachtstunden die Speicherwärme nur sehr langsam an die Umgebung ab. 

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Damit fällt die nächtliche Abkühlung in der Stadt spürbar gering aus. Der Unterschied zwischen Innenstadt und Stadtrandlage kann durchaus ein paar Grad ausmachen und von Stadt zu Land noch erheblicher.

Im Offenbacher Umland kühlt es ab

Was hat die ländliche Umgebung, was wir in der Stadt nicht haben?

Vegetation und Wasser. Da, wo auf weiten Flächen Pflanzen wachsen und es Wasserflächen als Seen und Teiche gibt, heizt es sich am Tag weniger stark auf und kommt es während der Nachtstunden zu einer deutlich spürbareren Abkühlung.

Pflanzen? Wasser? Wir haben doch in Frankfurt viele Parks mit Pflanzen aller Art und den Main.

Der Main bringt's leider nicht. Viel zu kleine Wasseroberfläche, Und, ja, die Parks sind toll. Aber der Anteil von Grün gegenüber der bereits beschriebenen großflächigen Bebauung kann das Stadtklima nicht grundlegend verändern.

Gegen die Sahara-Hitze: mehr Grün, keine dichte Bebauung 

Was würde aus Ihrer Sicht dem Stadtklima und damit den Stadtbewohnern gut tun?

Deutliche Verringerung versiegelter Flächen, deutlich mehr Grün in die Stadt, keine dichte Bebauung. Die hat zwei negative Aspekte fürs Mikroklima Stadt: dicht bebaute Gebiete haben einerseits viel Hitzespeicherpotenzial, und sie behindern den Einfall von Frischluft aus dem Taunus in die Stadt. Wer Frischluftschneisen zubaut, darf sich nicht wundern über Hitzerekorde und Tropennächte.

Atemberaubend heiße Tage und Nächte liegen hinter uns. Haben wir es geschafft für dieses Jahr?

Wir sind da noch nicht durch. Wir sind in der meteorologisch heißen Phase, im Volksmund "Hundstage" genannt. Die geht vom 23. Juli bis zum 23. August. Auch wenn wir an diesem Wochenende wahrscheinlich unter der 30-Grad-Marke bleiben, kann's in der nächsten oder übernächsten Woche noch mal richtig heiß werden.

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