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Absperrgitter, Bagger und Erdhaufen bestimmen seit fast einem Jahr das Leben an der Offenbacher Landstraße. Mitte Juni soll dies ein Ende haben.

Umbau verzögert sich

Offenbacher Landstraße: Hier ist weiterhin Geduld gefragt

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Die Gewerbetreibenden in Oberrad sind sauer: Der Umbau verzögert sich weiter. Eigentlich hätte die Straßenbahn längst wieder fahren sollen. Jetzt sprechen die Verkehrsplaner von Mitte Juni. Für die finanziellen Einbußen der Ladeninhaber will die Stadt aber nicht gerade stehen.

Freunde wird sich Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) gestern in Oberrad wohl nicht gemacht haben. Aber das wusste der erfahrene Politiker schon, bevor er sich in der Gaststätte „Zum Hirsch“ mit den Händlern, Gewerbetreibenden und auch Gärtnern des Stadtteils getroffen hat. Sie alle leiden unter der umfangreichen Sanierung der Offenbacher Landstraße, die Umsätze sind drastisch gesunken, teils um über 50 Prozent (wir berichteten). Deshalb wollen die betroffenen Ladeninhaber von der Stadt finanziell entschädigt werden.

Doch gute Nachrichten hat Klaus Oesterling für sie nicht mit im Gepäck. „Wir haben keine Möglichkeit Gewerbetreibende bei Baumaßnahmen zu entschädigen“, sagt er klipp und klar. „Wir haben auch keine rechtlichen Möglichkeiten, ihre Ladenmieten zu senken.“

Das kommt bei den anwesenden Oberrädern nicht gut an. Denn viele der Händler bangen um ihre Existenzen. Wie Ismail Hakki Sentürk. Der Schlappeflicker erzählt: „Im Januar 2017 habe ich noch 3600 Euro eingenommen, im Januar 2018 waren es nur 1301 Euro, im Februar sogar nur 1268 Euro.“ Deshalb will er Ende des Monats seinen Laden schließen. „Und wenn ich keinen Pächter finde, dann muss ich

Insolvenz anmelden

“, erzählt Sentürk den Tränen nahe. Betretendes Schweigen. Da bleibt Michaela Kraft, Leiterin des Straßenbauamts, nur zu sagen: „Sie müssen noch ein bisschen Geduld haben. Wir sind dabei, die Bauarbeiten zu beschleunigen.“

Doch Geduld, die haben die Oberräder langsam nicht mehr. Mit den Bauarbeiten wurde im April 2017 begonnen. Eigentlich hätten die Arbeiten im Februar dieses Jahres so gut wie fertig sein sollen, die Straßenbahn sollte wieder fahren. Doch freigelegte Kellerfundamente aus der Vorkriegszeit und der Frost der vergangenen Wochen haben zu Verzögerungen geführt.

Jetzt rechnen die Verkehrsplaner mit einer Fertigstellung im Juni. Bis dahin müssen noch Gleise und Asphalt verlegt, die Fahrbahn und die Bürgersteige erneuert werden. Laut eines neuerlichen zeitlichen Ausblicks auf die Bauarbeiten sollten die Gleise bis nächste Woche verlegt sein. „Wie wollen Sie das denn schaffen bei dem Wetter“, fragt sich Gabriele Mayer vom Schuhgeschäft Mayer. Dafür müsse der Boden doch erst wieder auftauen. „Da fühle ich mich doch schon wieder veräppelt.“

Doch Michaela Kraft versichert: „Wir arbeiten daran, dass wir die vorgegebenen Zeiten einhalten.“ Auf einen genauen Tag, an dem die Sanierung abgeschlossen ist, will sich aber keiner der städtischen Vertreter festlegen lassen. „Unser Ziel ist Juni“, bekräftigt dann auch noch mal Klaus Oesterling, der sogleich versucht, die Oberräder, zumindest ein wenig, zu beschwichtigen. „Wir schauen, wie wir nach den Bauarbeiten gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung versuchen können, den Standort hier zu bewerben.“ Das liegt aber nicht in Oesterlings Zuständigkeit, sondern in der von Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). „Ich werde dieses Anliegen weitergeben.“

Zufrieden sind die Händler mit diesen Aussagen aber nicht. Einer von ihnen ruft: „Es muss jetzt etwas passieren. Nicht hinterher.“ Aber wieder nur: Schweigen.

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