Aufruf zur Demonstration auf dem Römerberg

Offenbacher Muslim kämpft gegen Terrorismus

Ein Offenbacher Muslim ruft auf zum „Friedensmarsch gegen den Terror“. Der Journalist und Buchautor hat dafür den Römerberg vorgesehen.

Nach jedem islamistischen Terroranschlag wird gefordert, alle anderen Muslime müssten sich öffentlich davon distanzieren. Shams Ul Haq nimmt diese Kritik ernst: „Wir Muslime hätten früher ein Zeichen setzen müssen. Natürlich hat der Terror mit Islamismus zu tun, aber nicht mit den friedlichen Muslimen, die hier leben.“ Darum fordert der 42-jährige Journalist seine Glaubensbrüder und alle anderen auf zum „Friedensmarsch“ unter dem Motto „Muslime sagen nein zum Terror“. Er wünscht sich mehr Anstrengungen durch die islamischen Gemeinden und Vereine, die Probleme in den eigenen Reihen anzugehen, und kritisiert falsch verstandene Solidarität gegenüber Extremisten.

Als Flüchtling verkleidet

Wie solche Extremisten vorgehen bei der Rekrutierung von Nachwuchs als Kanonenfutter, erlebte Shams Ul Haq in zahlreichen deutschen Flüchtlingsunterkünften, in die er sich einschlich, um zu recherchieren. Die Rolle fiel ihm nicht schwer: Im Alter von 15 Jahren kam er selbst als Flüchtling aus Pakistan nach Deutschland. Ärmliche Klamotten, ein paar Tage mit wenig Schlaf und ohne Rasur – schon nahm man ihm die Charade ab. Das brachte ihm den Stoff für sein erstes Buch sowie zahlreiche Print-, Online- und TV-Beiträge ein – sowie bald auch Strafanzeigen von Betreibern von Flüchtlingsheimen wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Die Klagen wurden jedoch vollumfänglich abgewiesen. Wie zuletzt im Mai, als die Staatsanwaltschaft Hanau angesichts möglicher strafbarer Handlungen erwog, „dass die Arbeit von Shams Ul Haq als Journalist dem besonderen Schutz des Art. 5 Absatz 1 Grundgesetz unterliegt“, wie der Deutsche Journalisten Verband (DJV), der ihn rechtlich vertrat, jubilierte.

„Ich höre nicht auf“, zeigt Shams Ul Haq, dass er sich nicht einschüchtern lassen will. „Ich kämpfe für meine Heimat Deutschland. Wenn jeder seinen friedlichen Beitrag leisten würde, wären unsere Probleme gelöst.“ Einen weiteren Beitrag will er nun mit dem „Friedensmarsch“ leisten. Inspiriert von ähnlichen Veranstaltungen jüngst in Hannover und Köln, hat Shams Ul Haq nun in seiner Heimat eine Demo angemeldet und zahlreiche Gemeinden, Vereine und Institutionen kontaktiert, vermag aber nicht einzuschätzen, wie viele Leute kommen werden. „Es reicht mir schon, wenn 50 oder 100 kommen. Und wenn es weniger werden, dann mache ich es in vier Wochen noch mal – ob hier oder auch in Darmstadt, Mainz oder Gießen.“ Bei Redaktionsschluss hatten 52 Personen auf Facebook ihre Teilnahme zugesagt und weitere 180 Interesse bekundet.

Berührungsängste kennt Shams Ul Haq nicht – auch nicht in seiner Arbeit, wenn er etwa Gastbeiträge publiziert auf dem Portal „Epoch Times“, das der Branchendienst Meedia als „Nachrichten aus einem rechten Paralleluniversum“ einordnet. Shams Ul Haq vergleicht dies damit, dass Angela Merkel noch zu ihrer Zeit als Familienministerin Anfang der 1990er den Dialog mit Neonazis gesucht hatte, oder jüngst, vor drei Monaten, als ausgerechnet die mannigfaltig von rassistischen Äußerungen betroffene Fernsehmoderatorin Dunja Hayali der mindestens rechtspopulistischen Zeitung „Junge Freiheit“ ein Interview gab.

Mit allen reden

„Ich rede auch mit Salafisten, Nazis und Terroristen – mit allen. Wenn jemand mich für mein Deutschland etwas fragen möchte, bin ich für ihn da. Eine der wichtigsten Lösungsansätze für unsere Probleme ist es, miteinander zu reden und nicht wegzulaufen.“ Shams Ul Haq will eben niemand ausschließen, auch nicht die Bettler und Bittsteller, die während des Interviews an den Tisch im Straßencafé heran treten. „Nein, heute nicht. Aber morgen wieder“, vertröstet er bestimmt, aber mit einem freundlichen Gesicht. „Man sollte jedem Menschen ein Lächeln schenken – das kostet nichts.“

Doch beim Thema Friedensmarsch will Shams Ul Haq nicht lächeln. „Das Thema der Demonstration ist zu ernst. Wenn ich lächele, könnte das falsch verstanden werden“, sagt der Journalist, auch als Seitenhieb an seine eigene Zunft. Speziell an der missbräuchlichen Verwendung des Wortes „Djihad“ stört sich Shams Ul Haq. Islamistische Terroristen und andere selbst ernannte Krieger Allahs, aber auch die meisten Medien bezeichnen deren Kampf oft als „Djihad“. Dabei hat der Begriff eine viel umfassendere Bedeutung im Islam. Gemeint ist damit die Summe aller Anstrengungen und Selbstüberwindungen, um auf Gottes Pfad zu wandeln. Shams Ul Haq meint dazu: „Für mich bedeutet Djihad, wenn Du jeden Tag etwas Gutes tust für Dein Inneres und zugleich für die Gesellschaft – auch als Nicht-Muslim. Dass Du mich interviewst und wir dadurch über ein wichtiges Anliegen informieren: Das ist der wahre Djihad – nicht der bekloppte Djihad von Taliban und dem Islamischen Staat.“

Die Demonstration gegen den Terror beginnt am Samstag, 1. Juli, um 14 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Römerberg. Anschließend folgt ein Demonstrationsmarsch durch die Innenstadt.

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