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Jörg-UweHahn

Vorschlag von Bürgermeister Becker löst Debatte aus

Offene Fragen bei der Osttangente

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Für seinen Vorstoß, über eine neue Regionaltangente östlich von Frankfurt nachzudenken, hat Bürgermeister Uwe Becker (CDU) überwiegend Zustimmung geerntet. Es gibt allerdings einige Probleme, die sich nicht so einfach lösen lassen.

Die erste Reaktion kam aus der Nachbarstadt: Jörg-Uwe Hahn, ehemaliger hessischer Justizminister und heute FDP-Fraktionschef im Bad Vilbel, begrüßte die Initiative von Uwe Becker. Der CDU-Kreisvorsitzende hatte im Gespräch mit der FNP vorgeschlagen, eine neue Schienenverbindung von Bad Vilbel über Maintal, Mühlheim und Offenbach zum Flughafen und weiter nach Mörfelden-Walldorf zu bauen. Mit dieser „Regionaltangente Ost“ könne Bad Vilbel vom Verkehr aus dem Main-Kinzig-Kreis entlastet werden, erklärte Hahn. Becker müsse seine Initiative jetzt zügig vorantreiben – auch wenn er im Frankfurter Magistrat dafür gar nicht zuständig sei.

Zuständig ist Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Der findet es gut, „dass sich die CDU an der Diskussion über die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs beteiligt“. Über den Vorschlag werde im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts beraten, das derzeit erstellt wird.

Oesterling ist mit der Idee einer Regionaltangente Ost gut vertraut. Als er beruflich noch beim Umlandverband war, hat er die Fahrgastpotenziale für die Strecke berechnet, die nach dem damaligen Vorschlag noch durch Bergen-Enkheim und Fechenheim führen sollte. Das Ergebnis sei ernüchternd gewesen, so Oesterling. Die RTO hätte sich nicht gerechnet und sei deshalb nicht weiterverfolgt worden.

Das aber könnte sich mit neuen Wohngebieten ändern. Wie berichtet, schlägt Uwe Becker vor, auf den Feldern zwischen Bergen-Enkheim und Niederdorfelden Wohnungen zu bauen. Das sei prinzipiell zu begrüßen, findet Oesterling. Es gebe nur einen Haken: „Die Fläche liegt im Siedlungsbeschränkungsgebiet des Flughafens.“ Das heißt: Neue Baugebiete sind dort nicht zulässig.

Für Thomas Horn (CDU), Beigeordneter des Regionalverbands, ist das aber kein Ausschlusskriterium. „Das ist immer eine Frage der Abwägung“, sagte er. „Gesetze kann man ändern.“ Es sei immer sinnvoll, über zusätzliche Schienenverbindungen in der Region zu diskutieren. „Aber wir können uns Planungszeiten von 30 Jahren und mehr nicht leisten“, sagte Horn und forderte ein Beschleunigungsgesetz für Projekte, die im öffentlichen Interesse liegen.

Skeptisch zeigte sich Klaus Büttner (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Niederdorfelden, die von der RTO tangiert würde. Er hält Beckers Idee für „unrealistisch und sehr problematisch“. Es müsste ein großer Höhenunterschied zwischen Maintal und Niederdorfelden überwunden werden. Ein Tunnel wäre zu teuer, oberirdisch gebe es Probleme mit dem Naturschutz. Büttner plädiert daher für den Ausbau des „Stockheimer Lieschens“, der Zugverbindung zwischen Bad Vilbel und Glauberg.

Die Bürgermeisterin von Maintal, Monika Böttcher, hat von der Idee aus der FNP erfahren. „Mit uns hat noch niemand darüber gesprochen“, sagte sie. Prinzipiell seien alle Projekte sinnvoll, die die Region verbinden und den öffentlichen Nahverkehr stärken. „Aber wir brauchen erst einmal nähere Informationen“, betont die parteilose Politikerin. Zu klären sei unter anderem, wie die Strecke durch Maintal verlaufen und wo der Main überquert werden soll.

Wolfgang Siefert (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Römer, kann sich auch eine Mainquerung an anderer Stelle vorstellen. Er hält eine Verlängerung der Straßenbahn von Fechenheim nach Offenbach für überlegenswert. „Dafür wurde auf Frankfurter Seite sogar schon eine Trasse freigehalten.“ Becker jedoch will bewusst einen größeren Bogen um Frankfurt schlagen, um die Region besser zu erschließen. Siefert hält es für lohnenswert, auch diesen Vorschlag zu prüfen. „Alles, was oberirdisch verläuft, bekommen wir in vernünftigen Zeiträumen hin“, sagt er. Sinnvoll wäre es seiner Ansicht nach, die RTO im Norden mit der Regionaltangente West zu verbinden, die nach den derzeiten Plänen in Bad Homburg endet. „Dann hätten wir einen Schienenring wie in Berlin“, meint Siefert.

Verkehrsdezernent Oesterling jedoch bremst die Euphorie. Er hält es für schwierig, dass die RTO zwischen Mühlheim und Frankfurt die bestehenden Gleise benutzt, da deren Kapazität dafür nicht ausreiche. Außerdem bezweifelt er, dass eine Verbindung von Bad Vilbel über Maintal und Mühlheim zum Flughafen zeitlich attraktiv wäre. Schon heute sei man mit der S-Bahn nur 38 Minuten unterwegs. Nach dem Ausbau der Main-Weser-Bahn könnten direkte Express-Züge eingesetzt werden, mit der die Strecke in 24 Minuten zu schaffen sei. Eine Regionaltangente Ost könne da nicht mithalten.

(mu , arz)

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