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Begeisterung über Pläne für Hauptwache in Frankfurt: So schick könnte es werden

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Von: Gernot Gottwals

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Oliver Dorge, Michael Möller und Andreas Weber (von links) blättern auf der Hauptwache ihre Pläne für Frankfurts zentralen Platz aus. Schon der flüchtige Blick aufs Papier verrät: Bäume und sonstiges Grün spielen eine große Rolle. Klimafreundlich soll die Hauptwache werden.
Oliver Dorge, Michael Möller und Andreas Weber (von links) blättern auf der Hauptwache ihre Pläne für Frankfurts zentralen Platz aus. Schon der flüchtige Blick aufs Papier verrät: Bäume und sonstiges Grün spielen eine große Rolle. Klimafreundlich soll die Hauptwache werden. © Enrico Sauda

Viel Grün, viel Historisches und eine Kulturarena: Die Stiftung Altes Neuland Frankfurt stellt ihre Pläne für die Hauptwache vor.

Frankfurt – Mitten in die andauernde Diskussion um die Umgestaltung der Hauptwache bringt die im Juli 2020 gegründete Stiftung Altes Neuland Frankfurt ihr eigenes Konzept ein: 2000 Quadratmeter Grünfläche, Springbrunnen, eine Arena mit Sitzstufen im Abgang zur B-Ebene sowie ein Musikpavillon und selbstreinigende Toilettenhäuschen im historisierenden Stil. Das Schillerdenkmal, das nur auf einem geschlossenen Platz an der Hauptwache Raum fände, könnte dafür auf dem Goetheplatz aufgestellt werden.

Hinzu kommen Fahrradständer mit Solarmodulen und unterirdische Zisternen zur Regenwassernutzung, so dass der Ideenkatalog moderne, nachhaltige mit traditionell-historischen Elementen verknüpft und daher auch vom Verein Pro Altstadt unterstützt wird. "Wir wollen die Chance zur Umgestaltung für einen Platz der Mitte nutzen, der nicht nur dem Durchlaufverkehr dient, sondern im Übergang zwischen Altstadt und moderner City zum Verweilen und kulturellen Erleben einlädt", erklären Michael Möller und Oliver Dorge von der Stiftung Altes Neuland Frankfurt.

Da sich die Stiftung humanen, umweltgerechten und nachhaltigen Projekten zu einem vertretbaren Aufwand verpflichtet hat, hat das derzeit 20-köpfige Team eine erste Kalkulation für die Hauptwache erstellt: Angesetzt werden zwei Jahre Planungsphase und ein Jahr Bauphase, ohne dass es zu größeren, für das Geschäftsleben hinderlichen Sperrungen kommen soll. Die Baukosten sollen sich in einem Rahmen bis zu 14 Millionen Euro bewegen, die jährliche Pflege der Grünflächen wird mit etwa 25 000 Euro veranschlagt.

Hauptwache in Frankfurt: Pläne für allerlei Schatten und klimafreundliche Technik

"Geboren wurde die Idee für die Stiftung und das Projekt Hauptwache im trockenheißen Sommer 2020, so dass wir zunächst für ein aufenthaltsfreundliches Klima sorgen wollten", sagt Möller. Also entwickelte der Landschaftsgärtner Ideen zur Begrünung der Bremsklötze, für Beetlandschaften, Bäume in Kübeln sowie Trauben- und Beerenbaldachine, die für ausreichende Beschattung sorgen und die Artenvielfalt in Frankfurt begünstigen.

Oliver Dorge, technischer Angestellter im Amt für Bau und Immobilien und Experte für Be- und Entwässerung, plante die technischen Voraussetzungen für drei weitere Brunnen, inspiriert unter anderem durch den schon bestehenden Struwwelpeterbrunnen, den Märchenbrunnen am Willy-Brandt-Platz, die mit aufbereitetem Regenwasser aus der Zisterne am Aufgang zur Katharinenkirche gespeist werden sollen.

Frankfurt: Toiletten an der Hauptwache sollen sich selbst reinigen

Die übrigen Kollegen entwarfen mit ihrer Expertise in Anlehnung an einen historischen Pavillon im Jugendstil den Musikpavillon möglichst anstelle des jetzigen modernen Traffiq-Pavillons sowie die Toilettenhäuschen mit selbstreinigenden Systemen, die sich um das Gebäude der Hauptwache und den Musikpavillon gruppieren sollen. Zur Bespielung soll die Musikhochschule Frankfurt für Konzerte gewonnen werden. Der Pavillon, die Toilettenhäuschen, der Fahrradständer und einige Hausfassaden sollen mit Photovoltaik bestückt werden, die 40 Megawattstunden pro Jahr liefern.

In die Planung integriert würden die inzwischen traditionelle Skaterbahn am Struwwelpeterbrunnen und der Abgang in die B-Ebene, der mit klimafreundlichen hellen Steinen zu einer Bühnenarena mit rund 245 Sitzplätzen und 380 Quadratmeter Bühnenfläche ausgebaut werden soll. "Unser Verein unterstützt auch den Erhalt und die Rekonstruktion historischer Gebäude und Plätze außerhalb der eigentlichen Altstadt, ist dabei aber auch für die Einbindung neuer Gestaltungsmerkmale offen, wenn sie die Aufenthaltsqualität bereichern", sagt Andreas Weber, Vorsitzender des Vereins Pro Altstadt.

Der offene Abgang wird teilweise noch von CDU-Politikern und Geschäftsleuten kritisch gesehen, die befürchten, dort würden sich vor allem Menschen in prekären Lebensverhältnissen zu Trinkgelagen aufhalten. Die beste Prävention sehen die Initiatoren hier in einer ansprechenden Gestaltung und kulturellen Unterhaltung, die für alle Bürger attraktiv ist, und in einem adäquaten Konzept der Ordnungs- und Sicherheitsbehörden.

Frankfurt: „Wohlwollendes Feedback“ in der Politik zu Plänen für die Hauptwache

"Doch einige Politiker vor allem von den Grünen, CDU und FDP haben unsere Ideen bereits mit wohlwollendem Feedback kommentiert", betont Möller. Professoren der Musikhochschule seien von dem Konzept begeistert, auch Skaterfreunde hätten sich sehr gefreut. Die FDP wolle das Thema auf die Agenda der nächsten Stadtverordnetenversammlung setzen. "Hinter dem Konzept steckt viel Engagement und Sachverstand, dazu muss man gratulieren", findet auch Clemens Schubert, SPD-Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleutviertel, Innenstadt). Allerdings befürchtet er auch, dass es bei der vielfältigen Platzmöblierung kaum noch Platz für Kundgebungen gebe - eine wichtige Funktion, die es zu erhalten gelte.

"Die Umgestaltung der Hauptwache sieht eine Bürgerbeteiligung vor, bei der viele Ideen eingebracht werden können, auch zur Begrünung und Gestaltung mit Brunnen", sagt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. "Sie soll aber eine kleine, gegebenenfalls auch temporäre Lösung sein, bei der zusätzliche Gebäude derzeit nicht vorgesehen sind." (Gernot Gottwals)

Bauarbeiten in U- und S-Bahnhöfen in Frankfurt, unter anderem an der Hauptwache, sorgen bei den Fahrgästen teils seit Jahren für einen heruntergekommenen Eindruck.

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