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Cristina Vadalà steht in ihrer Werkstatt zwischen zahlreichen Bilderrahmen. Die Restauratorin muss ihre Werkstatt räumen.

Kündigung erhalten

Ohne Angabe von Gründen: Cristina Vadalà muss aus ihrer Werkstatt in der Heidestraße raus 

Cristina Vadalà gilt in der Welt der Kunstsammler, Museen und Galerien als Expertin für Restaurierungen. Ihre Werkstatt in der Heidestraße genieß einen ausgezeichneten Ruf. Doch nun hat sie das Kündigungsschreiben erreicht, sie muss hier ausziehen. Ohne Angabe von Gründen.

Es ist, als träte man in eine andere Welt. Wer in die Werkstatt der Restauratorin Cristina Vadalà (57) kommt, sieht kostbare Bilderrahmen, riecht das intensive Aroma von frisch gesägtem Holz, fühlt sich umfangen von der besonderen Atmosphäre des Ateliers in dem kleinen Hinterhaus in der Heidestraße. Seit 30 Jahren bearbeitet hier die Expertin historische Bilderrahmen und fertigt neue für Gemälde aller Epochen. Zu ihren Kunden gehören Museen, Galerien, Kunstsammler. Die Adresse Heidestraße 12 in Frankfurt hat in diesen Kreisen einen besonders guten Klang. Damit dürfte es freilich bald vorbei sein. Cristina Vadalà soll raus aus dem idyllischen Hinterhaus. Per Anwaltsschreiben habe sie die Kündigung erreicht, sagt sie, sichtlich fassungslos. „Ohne Angabe von Gründen. In vier Monaten sollen wir hier verschwunden sein.“

Wir, das ist sie selbst und die Kunstrestauratorin Maria Manteuffel, die 2003 ebenfalls einzog ins kleine Künstlerhaus nahe dem Luisenplatz. Deren Spezialität ist die Restaurierung von Gemälden, Skulpturen und moderner Kunst. Auftraggeber sind Städel und Historisches Museum, das Museum für Moderne Kunst, Caricatura und Senckenberg Museum. Dritte im Haus ist die junge Kunstrestauratorin Maike Behrends.

Die Kündigung, sagt Cristina Vadalà, sei ein Schock für sie und ihre Kolleginnen: „Völlig unvorbereitet und wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Das ist eine Härte im Vorgehen, die wir nicht verdient haben.“ Enttäuscht ist sie, dass die Vermieterin nicht das Gespräch gesucht habe, stattdessen per Hausverwaltung und Anwalt das habe erledigen lassen, was die drei Künstlerinnen als „brutalen Rauswurf“ erleben. Es gehe ihnen nicht darum, auf Biegen und Brechen ums Bleiben in dem geliebten Häuschen zu kämpfen, weil man sich dort eingerichtet hat, weil das Licht dort so günstig ist und der Innenhof so malerisch. „Es geht uns um eine angemessenere Frist“, sagt Cristina Vadalà. Innerhalb von vier Monaten geeignete und bezahlbare Werkstatträume in der Stadt zu finden und einen Werkstattumzug zu organisieren sei nahezu ausgeschlossen. Auch die weitergehende Forderung der Vermieterin, das Haus renoviert zu übergeben, sei unangemessen. „Ich habe das Haus seinerzeit instand gesetzt und den Spitzboden ausgebaut“, sagt sie.

Vor 30 Jahren gemietet

Gut möglich, dass die Vermieterin diese Details nicht kennt. Nicht sie hat vor 30 Jahren das Haus in der Heidestraße an die Restauratorin vermietet, sondern es war der damalige Eigentümer Helmut Muth. 1989 sei sie eingezogen, der Mietvertrag nicht mehr als eine mündliche Vereinbarung gewesen: „Das lief völlig problemlos.“ 1992, als eine Kollegin mit dazu kam, hätten die Parteien dann doch einen schriftlichen Mietvertrag geschlossen, Standardformular, unbefristete Mietdauer, drei Monate Kündigungszeit. Die, sagt Cristina Vadalà, habe sie nie als bedrohlich empfunden. Erstens, weil sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte die Rechtsprechung verändert und der Mieterschutz verbessert hätte, zweitens und vor allem aber, weil sie und Muth ein angenehmes, faires Verhältnis verbunden habe. Kurz vor seinem Tod vor etwa zehn Jahren habe er ihr versichert: Alles bleibt, wie es ist. So erzählt es Cristina Vadalà.

Nun ist nichts mehr wie es war. Weil, nachdem eine entfernte Verwandte von Muth dieses Häuschen geerbt habe, nun alte Absprachen offenbar nichts mehr gelten. Auch das erzählt die Restauratorin sichtlich enttäuscht.

Keine Auskunft

Die Vermieterin bestreitet Kündigung und Fristsetzung nicht. „Das wird so schon stimmen“, sagt sie auf Anfrage dieser Zeitung, ist zu weiteren Auskünften allerdings nicht bereit. Eine Hausverwaltung erledige alles Notwendige. Ende der Durchsage.

Trübe ist nun zuweilen die Stimmung im Hinterhaus in der Heidestraße 12. Die Auftragslage ist gut, gerade jetzt vor Weihnachten, aber die Perspektive, einen neuen Wirkungsort zu finden, ist für die drei Restauratorinnen im Moment eher düster. Indessen haben die Frauen eine Idee- und damit einen Funken Hoffnung. Diese Hoffnung hat eine Adresse: Schellgasse 8. Dort findet sich das älteste Fachwerkhaus Frankfurts.

Seit dem Auszug der „Freunde Frankfurts“ vor etwa drei Jahren steht das 1292 erbaute Haus leer. Eigentümerin ist die städtische Immobiliengesellschaft ABG Holding. Cristina Vadalà hat sich jetzt um die Anmietung des Baudenkmals in Sachsenhausen beworben. „Wir wissen mit historischer Substanz respektvoll umzugehen und würden mit unserem Gewerbe gut zu dem historischen Gebäude passen“, ist sie überzeugt. Mit einer Entscheidung rechnet sie noch vor Weihnachten.

Von Sylvia Menzdorf

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