Gleich beide Frankfurter SPD-Kandidaten ziehen in den Bundestag ein: Armand Zorn per Direktmandat, Kaweh Mansoori über die Landesliste.
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Gleich beide Frankfurter SPD-Kandidaten ziehen in den Bundestag ein: Armand Zorn per Direktmandat, Kaweh Mansoori über die Landesliste.

Bundestag

Ohne CDU fährt Frankfurt nach Berlin

  • Thomas Remlein
    VonThomas Remlein
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Wie in der abgelaufenen Legislaturperiode sitzen sieben Abgeordnete aus der Mainmetropole im Bundestag. Doch eine Partei ist nicht mehr vertreten.

Frankfurt -Berlin, Berlin! Sie fahren nach Berlin: Im neuen Bundestag werden wie bisher sieben Abgeordnete vertreten sein. Von der CDU aber ist niemand mehr dabei. Der Verlust der beiden Direktmandate schmerzt die Konservativen. Die bisherige im Wahlkreis 183 direkt gewählte Bettina Wiesmann hat auch in "der Hoffnungsrunde" kein Mandat mehr bekommen. Nach den zwölf direkt und über die Landesliste in den Bundestag eingezogenen CDU-Abgeordneten aus Hessen ist Wiesmann nun die erste Nachrückerin. Die Chancen, dass sie innerhalb der Legislaturperiode noch ein Ticket nach Berlin löst, sind gering. Gestern zeigte sie sich "schon ein bisschen enttäuscht", meinte aber in einer ersten Manöverkritik: "Wir haben uns in die Defensive drängen lassen." Es seien viele Dinge diskutiert worden, "die keine Zukunftsthemen sind". Als solche betrachtet Wiesmann den Neustart nach der Corona-Krise, das Wirtschaftswachstum sowie die internationale Zusammenarbeit. Im Wahlkampf hätten die Klimafrage und soziale Themen alles überdeckt.

Ein Frankfurter könnte Außenminister werden

Die Frankfurter Grünen hingegen entsenden gleich drei Abgeordnete nach Berlin: Omid Nouripour hat Wiesmanns Wahlkreis 183 mit großem Abstand direkt gewonnen. Nouripour gilt als "Erbe Joschka Fischers" und wird in einer Dreierkoalition sogar als möglicher Außenminister gehandelt. Deborah Düring, die 27 Jahre alte Sprecherin der Grünen Jugend Hessen, gelang der Einzug über die Landesliste.

Dem Frankfurter Landtagsabgeordneten Marcus Bocklet (Grüne) bleibt dagegen die Beförderung in den Bundestag verwehrt. Der 57-Jährige kandidierte auf Platz 10 der Landesliste. Bei den Grünen zogen aber nur acht über die Liste in den Bundestag. Gereicht hat es für Wolfgang Strengmann-Kuhn auf Listenplatz 3. Der 57-Jährige ist bereits seit 2008 im Bundestag.

Erwartungsgemäß ist auch Janine Wissler, Spitzenkandidatin der Linken, trotz der Verluste ihrer Partei in den Bundestag gewählt worden. Gleichwohl "ist das Ergebnis der Linken eine Katstrophe. Wir sind nur haarscharf an einem Super-Gau vorbeigeschrammt. Nur drei Direktmandate retten den Fraktionsstatus." So kommentierten die beiden Landesvorsitzenden Petra Heimer und Jan Schalauske das Ergebnis. Und Michael Müller, Fraktionschef der Linken im Römer, ergänzte: "Wir waren kurz vor der Kernschmelze."

Aufwind trägt FDP-Politiker ins Parlament

Der Aufwind für die FDP hat auch den Frankfurter Thorsten Lieb in den Bundestag getragen. Der Frankfurter Kreisvorsitzende der Liberalen hatte auf Listenplatz 2 kandidiert. Bei der Wahl zum Europaparlament war der heute 48-Jährige trotz ebenfalls aussichtsreichem Listenplatz noch gescheitert. Lieb gilt als einer der Architekten des im Frankfurter Römer regierenden Viererbündnisses aus Grünen, SPD, FDP und Volt und hatte seine Partei für dieses Bündnis auf Linie gebracht. Er hat also Erfahrung in schwierigen Koalitionsgesprächen. "Offenkundig ist es mit maximal drei Partnern einfacher als mit Vieren", sagte er auf der Fahrt nach Berlin, wo sich gestern die 92-köpfige Fraktion der Liberalen konstituierte. "Erfolg definiert sich auch über die Schnelligkeit der Entscheidungen", sagte der 48-Jährige. Lieb würde sich "nicht beschweren, wenn deutlich vor Weihnachten die neue Koalition steht". Unter den Liberalen gebe es ein leichtes Prä für eine Jamaika-Koalition mit CDU und Grünen. "Aber da müssen auch die Grünen mitspielen", meinte Lieb. Es komme auf die Inhalte an. Da gelte es, möglichst viel Liberales unterzubringen.

SPD-Kandidat rückt über Landesliste ein

Kaweh Mansoori, der als Bezirksvorsitzender der SPD Hessen Süd der Funktionärskaste angehört, ist über die SPD-Landesliste in den Bundestag gewählt worden.

Armand Zorn hat für die Sozialdemokraten das Direktmandat im Frankfurter Westen geholt. Er gewann haushoch gegen Axel Kaufmann von der CDU. Einen Vertreter des Wirtschaftsflügels in dem von Arbeiterschaft und einem hohen Ausländeranteil geprägten Wahlkreis 182 aufzustellen, war auch nicht die allerbeste Idee der Christdemokraten.

Geboren in Jaunde (Kamerun) verkörpert Zorn das internationale, moderne Frankfurt, in dem mehr als die Hälfte der Einwohner einen Migrationshintergrund hat. Er war bislang als Projektleiter für digitale Transformation und wirtschaftliche Nachhaltigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit zuständig. ( thomas Remlein)

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