Margit Sponheimer steht mit dem Gardeballett der Mainzer Prinzengarde auf der Bühne und singt Fastnachtsklassiker. Im vergangenen Jahr hatte sie ihren Rücktritt erklärt.
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Margit Sponheimer steht mit dem Gardeballett der Mainzer Prinzengarde auf der Bühne und singt Fastnachtsklassiker. Im vergangenen Jahr hatte sie ihren Rücktritt erklärt.

Fünfte Jahreszeit

"Ohne Fastnacht ist es kein Leben"

  • vonEnrico Sauda
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Margit Sponheimer versucht aus der ausgefallenen Kampagne das Beste zu machen.

Sie fühle sich schon etwas verloren. So mitten in der Fünften Jahreszeit daheim zu sitzen, ist für Fastnachtsikone Margit Sponheimer ungewohnt. "Ja, das ist schon schade. Aber es muss sein", sagt die gebürtige Frankfurterin. "Mir geht es gut, doch die Fassnacht fehlt mir natürlich", sagt die Entertainerin.

Sie leidet zum Glück nicht an Corona, sondern hat sich vor Jahrzehnten schon mit dem Fastnachts-Virus infiziert. "Ich wollte immer auf die Bühne, aber meine Eltern wollten das nicht", erinnert sie sich. Als es Mitte der 1950er Jahre zu einer Fastnachtssitzung in der Schule kam, schlug eine Lehrerin ihr vor, dass sie die Musik macht. "So kam ich auf die Idee, Akkordeon zu spielen und dazu zu singen", erinnert sie sich an ihre erste "Sitzung", als sie zwölf oder dreizehn Jahre alt war. Jahre später sang sie bei der Garde der Prinzessinnen. "So kam ich zur Fastnacht und war die erste Frau, die Fastnachtslieder im Dialekt sang", freut sie sich.

"Ich trauere, gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass es irgendwann besser wird", sagt Margit Sponheimer, die gestern für den SWR4 eine Sendung über ausgefallene Züge mit moderierte. Auf Orden musste sie übrigens nicht verzichten, denn die kamen per Post. "Ich habe wunderschöne bekommen. Ich bin eine Optimistin und wir müssen die Situation so annehmen wie sie ist." Es ist und bleibe aber eine "komische Zeit. Ohne Publikum und ohne die vielen euphorischen Dinge, die man früher machen konnte". Sie fühle sich ein wenig "außen vor". "Wenn du durch die Stadt gehst - und sie ist leer. Und du merkst, dass die Leute alle gerne feiern würden, aber sie müssen sich zurückhalten", sagt Margit Sponheimer, die ihre Wohnung dennoch bunt geschmückt hat und schon Freitagabend das närrische Treiben in der Flimmerkiste verfolgte - "Mainz bleibt Mainz".

"Es ist eine neue Zeit, die uns Älteren aber auch zeigt, dass es weitergeht, dass die jungen Leute sich die Fastnacht nicht nehmen lassen. Wir haben dazu in Mainz einen sehr schönen Spruch: Sie krien uns nit, sie krien uns nit, sie krien uns nit kaputt, mer feiern unser Fassenacht un rolle unsern Dutt." Das spreche doch wohl allen Karnevalisten aus dem Herzen. "Denn es ist ein gemeinsames Leid, dass wir erleben. Es ist ungewohnt, jetzt die vielen leeren Straßen zu sehen, wo doch Trubel und Heiterkeit herrschen sollten", meint Sponheimer. Sie selbst habe sich zwar von der Bühne zurückgezogen, aber "ich sitze jeden Abend vorm Fernseher und schaue mir an, was die Menschen produziert haben, um die Fünfte Jahreszeit hochleben zu lassen". Denn ohne die Fastnacht könne sie nicht leben. "Ich bin einfach so geboren und bin Fastnachterin."

60 Jahre stand sie auf der Bühne und sie wollte nicht aufhören, wenn sie keiner mehr vermissen würde. "Vergangenes Jahr habe ich meinen Geburtstag gefeiert, bei ,Mainz wie es singt' habe ich meinen Rücktritt angekündigt und 14 Tage später war die Pandemie da", erinnert sie sich. Super Timing. "Das war ein gelungener Abschluss. Es war für mich der richtige Moment. Besser hätte ich es nicht planen können."

Vor Corona habe sie keine Angst, "aber Respekt. Ich lebe mein Leben, allerdings sehr zurückgezogen. Ich habe das Virus als meinen unsichtbaren Feind getauft", so Sponheimer die vor gut einer Woche ihren 78. Geburtstag feierte.

Jüngst wollte sie sich fürs Impfen anmelden und wurde nach ihrem Alter gefragt. Als sie antwortete, entgegnete ihr der Gesprächspartner. "Aber da sind sie doch viel zu jung." Wenn das mal kein Kompliment ist.

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